Bedrohte Sprachen retten

Digitales Humboldt-Sprachenarchiv Bedrohte Sprachen retten

Sprachen sind genauso vom Aussterben bedroht wie Pflanzen- oder Tierarten. Wenn sie sterben, geht ein Teil unseres kulturellen Gedächtnisses verloren. Um dem entgegenzuwirken, wird jetzt an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein digitales Sprachenarchiv aufgebaut. Damit soll in Berlin ein Zentrum für die Dokumentation und Erhaltung bedrohter Sprachen entstehen.

Tsendee Yunger bei der Aufnahme des Durvud Dialekts in Oirat in der westlichen Mongolai.

Weltweit werden bedrohte Sprachen für das Sprachenarchiv gesammelt und dokumentiert – so wie hier in der westlichen Mongolei.

Foto: Endangered Languages Archive (ELAR)

Die Hälfte der etwa 7.000 weltweit gesprochenen Sprachen ist vom Aussterben bedroht. „Es gleicht deshalb einem Wettlauf gegen die Zeit, die sprachliche Diversität der Menschheit und das darin ausgedrückte Wissen systematisch zu erfassen und zu bewahren, bevor es zu spät ist“, sagte Kulturstaatsministerin Grütters zum Auftakt des „Digitalen Humboldt-Sprachenarchivs“. In der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) sollen künftig Sprachdaten zu vielen gefährdeten, aber auch anderen Sprachen gesammelt, digitalisiert und zugänglich gemacht werden.

Weltweit bemühen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Wissen um Sprachen dauerhaft zu sichern. In den letzten 18 Jahren ist so an der School of Oriental and African Studies der University of London aus Forschungsmaßnahmen des Endangered Languages Documentation Programme (ELDR) das Endangered Language Archive (ELAR) entstanden. Die digitale Plattform für audiovisuelle Sprachdaten zieht jetzt nach Berlin und bildet die Grundlage für das neue Humboldt-Sprachenarchiv. Es soll an der BBAW weiterentwickelt und ausgebaut werden.

Digitalisierung ist Schlüssel zur Sicherung bedrohter Sprachen

Bei der Sicherung authentischer Sprachdaten helfen insbesondere neue Technologien und die globale Vernetzung durch die Digitalisierung. „Denn erst die digitale Zugänglichmachung des Archivs ermöglicht seine weltweite Nutzung − nicht nur durch Forscherinnen und Forscher, sondern auch durch die Angehörigen der verschiedenen Kulturen selbst“, betonte Grütters. So werde das Humboldt-Sprachenarchiv zu einem lebendigen und aktiven Archiv und könne zur Rettung der Sprachen beitragen, sagte die Staatsministerin.

Als innovatives und internationales Vorhaben fördert die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien das Archiv für drei Jahre mit 600.000 Euro im Rahmen ihrer Digitalisierungsoffensive. Daneben unterstützt die Arcadia-Stiftung das Archiv in den kommenden zehn Jahren durch ein Stipendienprogramm.

Sprachwissenschaftliches Humboldt-Erbe fortsetzen

Mit dem neuen Zentrum für die Dokumentation bedrohter Sprachen wird das Werk Wilhelm von Humboldts in Berlin fortgesetzt. Humboldt hatte schon vor 200 Jahren an über 70 Sprachen geforscht und gilt als Begründer der vergleichenden Sprachwissenschaft.