Kulturstaatsministerin Monika Grütters fördert Dokumentarfilmvorhaben mit rund 1,1 Mio. Euro

Am 5. April 2019 fand die Sitzung der Jury für Dokumentarfilmförderung der Staatsministerin für Kultur und Medien statt.

  • Pressemitteilung 133
  • Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Aus insgesamt 41 eingereichten Anträgen auf Produktionsförderung wurden acht programmfüllende Filmvorhaben und aus 16 Anträgen auf Stoffentwicklungsförderung vier Filmstoffe durch die Jury zur kulturellen Filmförderung vorgeschlagen. Den Empfehlungen der unabhängigen Jury folgend, fördert Staatsministerin Monika Grütters die nachfolgenden Dokumentarfilmvorhaben mit insgesamt 1,12 Mio. Euro.

Zu den ausgewählten Filmvorhaben zählen Portraits von außergewöhnlichen Persönlichkeiten wie dem Künstler Christoph Schlingensief, dem Software-Milliardär Alexander Karp und der türkischen Menschenrechtsanwältin Eren Keskin. Weitere Projekte erzählen die Geschichte des Chaos Computer Club, spüren den gesellschaftlichen Verwerfungen in der Lausitz nach der Wende nach oder stellen die Frage nach dem richtigen Umgang mit den nach Deutschland zurückgekehrten Wölfen.

Unter den programmfüllenden Filmvorhaben wurden vier Debütfilme gefördert.

Die Förderungen im Einzelnen:

Produktion

„Shit happens“, Produktionsfirma: Valentin Thurn Filmproduktion, Köln
Autor und Regisseur: Rubén Abruña
Fördersumme: 125.000 Euro.
Inhalt: Rubén Abruña begibt sich in dem Film auf eine investigative, humoristische Reise rund um den Globus, um herauszufinden, was mit unseren Hinterlassenschaften geschieht: Sind sie bloß Abfall oder könnten sie womöglich sogar dabei helfen, die Welt zu retten?

„Tal des Goldes“, Produktionsfirma: Sternfilm, Kassel
Autor und Regisseur: Klaus Stern
Fördersumme: 160.000 Euro.
Inhalt: „Tal des Goldes“ erzählt von der amerikanischen Datenanalyse-Firma Palantir und dessen Mitgründer Alexander (Alex) Karp,51. Palantir soll 40 Milliarden Dollar wert sein und gilt als das bestgerüstete Big Data Unternehmen der Welt. Jeder Stanford-Absolvent eifert dem in Frankfurt promovierten Karp nach.

„Like Farahnaz“, Produktionsfirma: Rosenpictures Filmproduktion, Halle (Saale)
Autorinnen und Regisseurinnen: Ginan Seidl, Yalda Afsah
Fördersumme: 60.000 Euro.
Inhalt: Farahnaz ist Afghanin, Bacha Posh - als Junge erzogen -, Teenager und gerade in Deutschland angekommen. Das bewegende Portrait eines ungewöhnlichen Lebens im Zwischenraum der Welten, Sprachen, Kulturen und Identitäten.

„Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien“, Produktionsfirma: Filmgalerie 451, Berlin
Autorin und Regisseurin: Bettina Böhler
Fördersumme: 200.000 Euro.
Inhalt: Mit seinen Theater- und Kunstaktionen, als Film- und Opernregisseur hat Christoph Schlingensief (1960-2010) über zwei Dekaden den kulturellen und politischen Diskurs in Deutschland geprägt. Zum 10. Todestag entsteht erstmals ein Kino-Dokumentarfilm über ihn.

„Auf der Kippe“, Produktionsfirma: Vorwärts Film, Berlin
Autor und Regisseur: Torsten Lüders
Fördersumme: 65.000 Euro.
Inhalt: Der Film setzt sich mit der Region Lausitz, ihrer Geschichte und den aktuellen Ereignissen auseinander. Aufnahmen von radikalisierten Jugendlichen aus den 90er Jahren werden mit dem Leben der Protagonisten im Jetzt, in dieser quasi explosiven Region, kontrastiert. Die Lebenswege der drei Hauptprotagonisten lassen einen drastischen Einblick in die Jahre des gesellschaftlichen Umbruchs nach der Wende, der bis heute ausstrahlt, zu.

„Die Advokatin“, Produktionsfirma: Film Five, Berlin
Autorin und Regisseurin: Maria Binder
Fördersumme: 150.000 Euro.
Inhalt: Eine bekannte türkische Menschenrechtsverteidigerin ist von lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht. Statt das Land zu verlassen, kämpft sie weiter für eine gerechte Gesellschaft. Ihr Leben erzählt zugleich schlaglichtartig 100 Jahre Geschichte der Türkei aus Frauenperspektive.

„Chaos Computer Film“, Produktionsfirma: Interzone Pictures, Hamburg
Autoren und Regisseure: Tanja Schwerdorf, Klaus Maeck
Fördersumme: 200.000 Euro.
Inhalt: 1984 gründet Wau Holland mit anderen deutschen Hackern den legendären Chaos Computer Club, der sich für den Schutz privater Daten, Informationsfreiheit und die Hackerethik einsetzt. Nach spektakulären Hacks, Verstrickungen mit Geheimdiensten und rätselhaften Todesfällen ist der Club heute weltbekannt. Die Geschichte der deutschen Hacker erzählt von den Protagonisten selber in einer Found-Footage-Montage.

„Liebe Angst“, Produktionsfirma: IT WORKS! Medien, Berlin
Autor und Regisseur: Sandra Prechtel
Fördersumme: 80.000 Euro.
Inhalt: "Liebe Angst" erzählt die Geschichte einer Tochter. Und die Geschichte ihrer Mutter. Einer Mutter, die ihre Traumata, Ängste und seelischen Wunden an die Tochter weitergegeben hat. "Liebe Angst" ist die Geschichte eines Aufbruchs und eines Neuanfangs. Wie löst man sich aus den Verstrickungen seines Familienschicksals? Wie findet man in ein eigenes Leben?


Stoffentwicklung

„Unter Wölfen“, Autor: Ralf Bücheler, München.
Fördersumme: 20.000 Euro.
Inhalt: Die Rückkehr der Wölfe beschäftigt Deutschland. Viele Menschen arbeiten am friedlichen Nebeneinander von Wolf und Mensch. Der Film begleitet Wölfe und „Wolfsarbeiter*innen“ und erzählt, wie sie versuchen, den Raubtieren ihren Platz in unserem Land zurückzugeben. Wie viel Wildnis halten wir aus?

„The Loss of Wonder“, Autor: Thomas Riedelsheimer, München.
Fördersumme: 20.000 Euro.
Inhalt: „The Loss of Wonder" geht mit einer poetischen und vielschichtigen Bildsprache der Frage nach, was wir aufgeben, wenn wir das Staunen über unsere Welt verlieren, in der wir uns zunehmend unsere eigenen Realitäten erschaffen.

„Guten Abend, du Schöne“, Autor: Ina Borrmann, Berlin.
Fördersumme: 20.000 Euro.
Inhalt: Das Buch "Guten Morgen, du Schöne" von Maxie Wander, das vielleicht berühmteste Werk der DDR-Literatur, ließ Frauen ganz offen von sich und ihren Gefühlen erzählen. Wer steckt hinter diesen Portraits? Was ist aus den Frauen geworden? Und wie betrachten die Frauen rückblickend aus einer veränderten Perspektive ihr eigenes Leben? Der Film schreibt die Frauenportraits filmisch fort - bis ins Heute.

„Vor der Kür“, Autor: Alexandra Sell, Berlin.
Fördersumme: 20.000 Euro.
Inhalt: Ein Alpendorf, 34 Nationen. Männer und Frauen jenseits der 50 tragen ihr Leben aufs Eis. Alexandra Sell erzählt anhand der Oberstdorfer Weltmeisterschaft im Hobby-Eiskunstlauf die Geschichte eines internationalen Phänomens, das einem "Aufstand der Senioren" gleichkommt. Eiskunstlauf wird zum wunderschönen Transmitter für eine Kampfansage an Endlichkeit und Jugendwahn; im Leben ist man immer „Vor der Kür“.


Der Jury Dokumentarfilm gehörten in der Sitzung an:
Grit Lemke (Dramaturgin, Autorin, Kuratorin / Berlin), Ralf Schenk (Filmjournalist, Vorstand der DEFA-Stiftung / Berlin), Thomas Kufus (Produzent / Berlin), Hubertus Siegert (Produzent, Regisseur / Berlin und Monika Treut (Produzentin, Regisseurin / Hamburg).

Der nächste Einreichtermin für Stoffentwicklungs- und Produktionsförderung Dokumentarfilm ist der 4. Juli 2019. Die aktuellen Filmförderungsrichtlinien, Antragsformulare und Merkblätter sind im Internet unter www.kulturstaatsministerin.de/filmfoerderung abrufbar.