Am 4. Dezember 2019 fand die Sitzung der Jury für Dokumentarfilmförderung der Staatsministerin für Kultur und Medien statt. Aus insgesamt 44 eingereichten Anträgen auf Produktionsförderung wurden zehn programmfüllende Filmvorhaben und aus 9 Anträgen auf Stoffentwicklungsförderung drei Filmstoffe durch die Jury zur kulturellen Filmförderung vorgeschlagen. Den Empfehlungen der unabhängigen Jury folgend, fördert Staatsministerin Monika Grütters die nachfolgenden Dokumentarfilmvorhaben mit insgesamt 1.215.000 Euro.

Die Projekte begeben sich auf die Spur besonderer Menschen, Lebenswege und biographischer Brüche, etwa einer Kochweltmeisterin, die durch die männliche Welt der Spitzengastronomie „wandert“, kolumbianischer Guerilleras auf dem Weg zurück in die Zivilgesellschaft oder Japaner*innen, die mit Hilfe einer Agentur ihrer Vergangenheit entkommen und ein zweites Leben beginnen wollen. Wie sieht das Schicksal der „Kumpel“ nach der Schließung einer der letzten Steinkohlebergwerke aus? Und wie kommt es dazu, dass „eine iranische Frau“ ihr wertvolles Leben für den Kampf um Frauenrechte geopfert hat?

Unter den programmfüllenden Filmvorhaben wurden fünf Debütfilme gefördert.

Die Förderungen im Einzelnen:

Produktion
„Marina Zwetajewa – Über Deutschland“, Produktionsfirma: ostwärts-film, Schirgiswalde-Kirschau
Autor und Regisseur: Bernhard Sallmann
Fördersumme: 35.000 Euro
Inhalt: Die 17-jährige Russin Marina Zwetajewa verbringt den Sommer 1910 im Sanatorienort Loschwitz bei Dresden. In ihrem Text „Über Deutschland“ beschwört sie neun Jahre später die deutsche Kultur. Sie ist ein imaginierter Schutzraum inmitten der Wirren des Kriegskommunismus und des Bürgerkriegs in Russland. Zwetajewa ist damals auf dem Sprung, eine der bedeutendsten europäischen Dichterinnen dieser bewegten Umbruchszeit und des 20. Jahrhunderts zu werden.

„Johatsu – Die Vermissten“, Produktionsfirma: Ossa Film, Berlin
Autor: Andreas Hartmann, Regisseure: Andreas Hartmann und Arata Mori
Fördersumme: 122.000 Euro
Inhalt: Im heutigen Japan verschwinden Menschen spurlos mit der Hilfe von sogenannten „Nachtfluchtagenturen“, die Menschen dabei unterstützen, heimlich unterzutauchen. Bekannt als die Johatsu oder „die zu Wasserdampf Gewordenen“, lassen Sie alles zurück und versuchen, woanders ein neues Leben zu beginnen.

„Wanderjahre“, Produktionsfirma: Horse & Fruits Filmproduktion GbR, München
Autoren und Regisseure: Melanie Liebheit, Gereon Wetzel
Fördersumme: 187.000 Euro
Inhalt: „Wanderjahre“ begleitet die frischgebackene österreichische Kochweltmeisterin Agnes auf ihre Lehr- und Wanderjahre durch fünf der renommiertesten Restaurants in die Welt der Spitzengastronomie. Ihre Forderung nach Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit wirbelt die verstaubte Sterneküche unterwegs ordentlich durcheinander.

„Die fabelhafte Welt des Dr. Cadeot“, Produktionsfirma: Tag/Traum Filmproduktion GmbH, Köln
Autorin und Regisseurin: Ulrike Pfeiffer
Fördersumme: 90.000 Euro
Inhalt: Dr. Cadéot ist Tierarzt in der Gascogne, einer der einsamsten Gegenden Frankreichs. Der drahtige alte Mann, der auf wundersame Weise beinahe jugendlich wirkt, öffnet die Tür zu seinem kleinen Universum. Es ist eine verlorene Welt, die Sehnsucht nach Entschleunigung, Reduktion und Menschlichkeit weckt.

„Eine iranische Frau“, Produktionsfirma: Made in Germany, Köln
Autorin und Regisseurin: Steffi Niederzoll
Fördersumme: 167.000 Euro
Inhalt: „Eine iranische Frau“ ist das bewegende Porträt einer Frau, die im Iran für die Rechte der Frauen bis zu ihrem Tod kämpfte.

„Vor der Kür “, Produktionsfirma: It Works! Medien GmbH, Berlin
Autorin und Regisseurin: Alexandra Sell
Fördersumme: 200.000 Euro
Inhalt: „Vor der Kür“ erzählt von der weltweiten Begeisterung für das Eiskunstlaufen. Regisseurin Alexandra Sell begleitet betagte Amateur-Sportler*innen ein Jahr lang während des hingebungsvollen Trainings in ihren heimischen Eishallen, bis zu ihrem Auftritt vor hunderten von Zuschauern im Kampf um den Sieg bei der Weltmeisterschaft im Hobbyeiskunstlauf in Oberstdorf im Allgäu.

„Komplizen “, Produktionsfirma: Pier 53 Filmproduktion GbR, Hamburg
Autorin und Regisseurin: Pia Lenz
Fördersumme: 99.000 Euro
Inhalt: Eva ist 83 und Dieter 86. 1951 haben sie das erste Mal zusammen getanzt. Sie haben geheiratet, drei Kinder bekommen, eine Tochter verloren. Eva und Dieter sind seit 67 Jahren ein Paar. Was bleibt davon und was zählt jetzt noch? In einer Langzeitbeobachtung, die Jahre vor dem Tod einer der beiden beginnt, erzählt Pia Lenz das letzte Kapitel dieser großen Liebe.

„Der letzte Aufmarsch “, Produktionsfirma: Markus Lenz Filmproduktion, Köln
Autor und Regisseur: Markus Lenz
Fördersumme: 40.000 Euro
Inhalt: Demobilisierte FARC-Rebellinnen aus den kolumbianischen Wäldern kämpfen gegen viele Widerstände auf ihrem steinigen Weg, der zurück in die Zivilgesellschaft führen soll. Der Film erzählt den ungewissen Übergang der Guerilleras in ein zweites Leben nach Jahrzehnten des bewaffneten Kampfes.

„Life on Tape – Bilder meiner Mutter“, Produktionsfirma: Koberstein Film, Berlin
Autorin und Regisseurin: Melanie Lischker
Fördersumme: 90.000 Euro
Inhalt: „Life on Tape - Bilder meiner Mutter“ spannt als einzigartiges Zeitdokument einen Bogen durch die Jahrzehnte und erforscht die Auseinandersetzung dreier Frauengenerationen mit den Rollenbildern ihrer Zeit. Ausgehend von über 100 Stunden Super 8- und Videomaterial erzählt der Film hautnah die dramatische Geschichte einer Mutter, die sich gegen ihre Kinder entscheidet. Ein Tabu und gleichzeitig Zündstoff für den aktuellen Diskurs.

„Wir waren Kumpel“, Produktionsfirma: Elemag Pictures GmbH, Leipzig
Autoren und Regisseure: Christian Johannes Koch, Jonas Matauschek
Fördersumme: 125.000 Euro
Inhalt: Rund um die Schließung eines der letzten deutschen Steinkohlebergwerke begleitet der Film „Wir waren Kumpel“ unterschiedliche Protagonist*innen bei ihrer Suche nach einer neuen Identität.

Stoffentwicklung

„ScheissErde, du Schöne“, Autorin: Anne Andersen, Ludwigslust.
Fördersumme: 20.000 Euro
Inhalt: Die Welt sehen - und den Boden, auf dem wir stehen: aus dem Blickwinkel der Landwirte, Imkerinnen, Förster, Schäferinnen in der strukturschwachen Region Südwest-Mecklenburgs. Der Boden selbst erzählt. Wenn es Menschen gibt, die es „lesen“ können.

„Movie Kintsugi“, Autorin: Eva Knopf, Berlin.
Fördersumme: 20.000 Euro
Inhalt: Die überlieferten Fragmente eines Stummfilms des japanischen Regisseurs OZU Ysujiro werden in „Movie Kintsugi“ neu gelesen und so zum Ausgangspunkt einer Reflexion über das heutige Japan zwischen Tradition und Konsumkultur sowie die Ästhetik der Unvollkommenheit.

„Der Esel, die Ziege und das Kino“, Autor: Peter Zach, Berlin.
Fördersumme: 20.000 Euro
Inhalt: Der Film begleitet das Wanderkino einer Gruppe von mazedonischen Cineasten. In einer historisch konfliktbeladenen Region, die sich im Umbruch befindet, fließen Vergangenheit und Gegenwart ineinander. Es ist ein Road Movie am Balkan, durch die Republik Nord-Mazedonien, Griechenland, Albanien und Bulgarien.

Der Jury Dokumentarfilm gehörten in der Sitzung an:

Ingo Fliess (Produzent, München), Grit Lemke (Dramaturgin, Autorin, Kuratorin / Berlin), Ralf Schenk (Filmjournalist, Vorstand der DEFA-Stiftung / Berlin), Hubertus Siegert (Produzent, Regisseur / Berlin) und Maya Reichert (Programmleitung Doc.Education Dokfest München / München).

Der nächste Einreichtermin für Stoffentwicklungs- und Produktionsförderung Dokumentarfilm ist der 23. Januar 2020. Die aktuellen Filmförderungsrichtlinien, Antragsformulare und Merkblätter sind im Internet unter www.kulturstaatsministerin.de/filmfoerderung abrufbar.

Kontakt/Information:
Filmreferat der BKM, Telefon: 030/18 681- 43109, Fax: -543109
E-Mail: K35@bkm.bund.de

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