Kinoprogramm- und Verleiherpreis 2018

Kulturorte in der Hochrisiko-Zone

In Münster hat Kulturstaatsministerin Grütters 222 Filmkunsttheater und drei Filmverleiher mit dem Kinoprogramm- und Verleiherpreis des Bundes geehrt. Grütters würdigte das Engagement der Preisträger mit dem sie das Kino zu einem "Seelen-Ort" machen, der Raum für Begegnung und Austausch jenseits anonymer Abspielplattformen bietet.

Kulturstaatsministerin Grütters (r.) überreicht den Betreibern des Kino am Raschplatz den Kinoprogrammpreis 2018.

Großes Kino: Den Spitzenpreis für das beste Jahresprogramm 2017 erhielt das Kino am Raschplatz in Hannover.

Foto: BKM/Fassbender

Dass wir in Deutschland ein so vielfältiges und auch künstlerisch ambitioniertes Filmangebot haben, verdanken wir vor allem den vielen Programmkinobetreibern und Filmkunstverleihern. Sie sind es, die mit großer Leidenschaft dafür sorgen, dass Filmkunst aus Deutschland und Europa überhaupt den Weg auf die Leinwand findet.

Die besten Spielstätten zeichnet der Bund seit 2001 mit dem Kinoprogrammpreis aus, so auch in diesem Jahr im Münsteraner Jovel. Gastgeber war, wie immer der Sieger aus dem vergangenem Jahr, das Filmtheater Cinema & Kurbelkiste in Münster.

Wer Kino sagt, meint Kultur

Kulturstaatsministerin Grütters unterstrich in ihrer Rede zur Eröffnung der Preisverleihung die Bedeutung des Kinos für das kulturelle Leben in vielen Städten und Gemeinden: "Kino ist Infrastruktur! Denn in vielen Gegenden ist das Kino – neben der Buchhandlung – die letzte kulturelle Begegnungsstätte überhaupt. Die Programmkinos und die Filmverleiher, die wir heute würdigen, sorgen somit vor Ort dafür, dass Gesellschaft ganz konkret als Gemeinschaft erfahren wird."

Neben ihrem Stellenwert als Kulturorte, Foren der Reflexion und als Erfahrungsräume seien Kinos aber auch eine "Hochrisiko-Zone" für die jeweiligen Betreiberinnen und Betreiber, gab Grüttes zu Bedenken. "Mit ihrem Engagement und ihrem Mut zum Wagnis tragen die Kinobetreiber und Filmkunstverleiher dazu bei, dass Film eine Zukunft als Kulturgut hat - und nicht nur als Ware", so die Staatsministerin weiter. Deshalb gelte: "Wer Kino sagt, meint Kultur!"

Mit dem Kinoprogramm- und Verleiherpreis würdigt und fördert der Bund Filmtheater und Verleiher, die sich um die Verbreitung anspruchsvoller deutscher und anderer europäischer Filmkunst verdient gemacht haben. Zudem hat die Bundesregierung im aktuellen Koalitionsvertrag mit dem „Zukunftsprogramm Kino“ vereinbart, den Kulturort Kino sowie den anspruchsvollen Kinofilm zu erhalten und gerade auch außerhalb der Ballungsgebiete zu stärken.

Die Besten unter den Besten

Den Spitzenpreis 2018 für das beste Jahresfilmprogramm 2017 in Höhe von 20.000 Euro erhielt das Kino am Raschplatz aus Hannover. Zudem konnten sich die Betreiber über Sonderpreise in der Kategorie Kinder- und Jugendfilmprogramm sowie in der Kategorie Dokumentarfilmprogramm freuen.

Der mit 10.000 Euro dotierte Spitzenpreis für das beste Kurzfilmprogramm ging an die zeise-kinos aus Hamburg. Das Casablanca Filmkunsttheater aus Nürnberg wurde für das beste Dokumentarfilmprogramm ausgezeichnet.  Das ODEON-Kino & Café aus Bamberg erhielt den Spitzenpreis für das beste Kinder- und Jugendfilmprogramm.

Die Kinoprogrammpreise werden in den vier Kategorien Allgemeines Filmprogramm, Kinder- und Jugendfilmprogramm, Kurzfilmprogramm und Dokumentarfilmprogramm verliehen. In jeder Kategorie wird ein Spitzenpreisträger auserkoren. Die Preisgelder in Höhe von insgesamt 1,8 Millionen Euro sind zweckgebunden für den Betrieb des ausgezeichneten Kinos zu verwenden.

Verleiher sorgen für Reichweite

Darüber hinaus hat die Kulturstaatsministerin auch in diesem Jahr den mit 75.000 Euro dotierten Verleiherpreis vergeben. Ausgezeichnet wurden die Majestic Filmverleih GmbH, Salzgeber & Co. Medien GmbH und die Weltkino Filmverleih GmbH.

Mit dem Verleiherpreis würdigt der Bund besondere Leistungen gewerblicher Filmverleiher bei der Verbreitung künstlerisch herausragender Filme, insbesondere deutscher und anderer europäischer Filme. Er wird jedes Jahr zusammen mit dem Kinoprogrammpreis von der Kulturstaatsministerin verliehen. Voraussetzung ist, das Preisgeld zweckgebunden für den Verleih deutscher und anderer europäischer Filme zu verwenden.

Mitglieder der Jury für die Kinoprogramm- und Verleiherpreise waren in diesem Jahr: Reinhard Barnsteiner, GF Verleihagentur 24 Bilder München; Sabine Elbs, Verleiherin Piffl Medien Berlin; Hans Hertel, Verleiher Central Film Berlin; Rudolf Huber, Kinobetreiber Türkhein; Miriam Pfeiffer (Vorsitz), Kinobetreiberin Leipzig; Petra Rockenfeller, Kinobetreiberin Oberhausen; Dr. Torben Schiller, Verleiher UPI Berlin.

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