30. Jahrestag der Besetzung der Stasi-Zentrale in Berlin

Mit dem Mut der Verzweiflung

Am 15. Januar 1990 stürmten tausende Demonstranten die Zentrale der Staatssicherheit der DDR in der Normannenstraße in Ost-Berlin. Mit ihrem entschlossenen Vorgehen sicherten sie viele Akten vor der Vernichtung durch die sich auflösende Staatssicherheit. Seither sind sie ein wichtige Quelle zur Aufarbeitung des SED-Unrechts. "Das Ziel unserer Bemühungen wird es immer sein, Verharmlosungen der SED-Diktatur und jeder Relativierung des Leids der Opfer entgegenzuwirken", erklärte Kulturstaatsministerin Grütters zum 30. Jahrestag dieses welthistorischen Ereignisses.

Demonstranten halten Protestschilder und Fahnen hoch.

Demonstranten stürmen die Stasi-Zentrale am 15.01.1990 in Berlin.

Foto: Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter

Als "Schild und Schwert der Partei" galt der SED die ehemalige Geheimdienstzentrale in Berlin Lichtenberg. Von hier aus sicherte sie ihre Herrschaft durch Bespitzelung, Zermürbung und willkürliche Inhaftierungen. In der zentralen Haftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) wurden vor allem politische Gefangene physisch und psychisch gefoltert.

Dass sich die Überwachungs- und Verfolgungsmethoden noch heute Schwarz auf Weiß nachvollziehen lassen, ist den mutigen Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken, die bereits ab dem 4. Dezember 1989 in vielen Städten und Gemeinden die Bezirks- und Kreisverwaltungen des MfS besetzten und damit die geplante Vernichtung von Akten stoppten. Diese Bewegung gipfelte am 15. Januar 1990 in der Aktionskundgebung des "Neuen Forums", das zur Auflösung des MfS mit "Fantasie und ohne Gewalt" aufgerufen hatte. Mehrere tausend Bürgerinnen und Bürger waren diesem Aufruf gefolgt.

Stasi-Akten sichern und erschließen

Die damals gesicherten Aktenberge werden seither in der Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) bewahrt und zugänglich gemacht. "Die dort aufbewahrten Stasi-Akten helfen uns zu verstehen, wie die SED-Diktatur funktionierte", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Privatpersonen, Forscher und Journalisten können die Papiere nach den Regeln des Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG) einsehen.

Die Staatsministerin betonte, dass der Bund weiterhin an der dauerhaften Sicherung dieses Erbes arbeite, "nicht zuletzt durch die neue Mitverantwortung des Bundesarchivs für den Aktenbestand".

Sowohl das Bundesarchiv als auch der BStU gehören zum Geschäftsbereich der Staatsministerin für Kultur und Medien.

Stasi-Unterlagen ins Bundesarchiv

Mit Beschluss des Deutschen Bundestages wird das Stasi-Unterlagen-Archiv 2021 in das Bundesarchiv übernommen. Damit befindet sich dort künftig die gesamte zentralstaatliche Überlieferung der DDR - mit Ausnahme der Unterlagen des früheren Außenministeriums.

Besonders wichtig sei es hierbei, so Grütters, "dass Menschen weiterhin Einsicht in ihre Akten bekommen und im Privaten auch diese sehr persönliche Aufarbeitung des SED-Unrechts leisten können." Das Bedürfnis nach Information und Aufklärung über die DDR-Vergangenheit sei heute aktueller denn je. Dies zeige nicht zuletzt die weiterhin hohe Anzahl an Anträgen auf Akteneinsicht - mehr als 56.500 allein im Jahr 2019.

Bund fördert Aufarbeitung der SED-Diktatur

Seit 1998 unterstützt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Projekte in ganz Deutschland. Außerdem trägt sie mit eigenen Veranstaltungen, Publikationen und Bildungsangeboten zur Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur bei.

Mehr als 3.300 Projekte mit insgesamt rund 48 Millionen Euro hat die Stiftung bislang unterstützt. Dazu zählen Ausstellungen, Bildungsprojekte, Dokumentarfilme oder Projekte mit Zeitzeugen.

Zeitzeugen für den Schulunterricht

Zeitzeugen können über die SED-Diktatur eindrucksvoll aus eigener Erfahrung berichten. Um sie zu Wort kommen zu lassen, können zum Beispiel Schulen über das Portal www.ddr-zeitzeuge.de bundesweit Zeitzeugen suchen und zum Gespräch einladen.

Das "Koordinierende Zeitzeugenbüro" trägt die Kosten dieser Gespräche. Rund 250.000 vor allem junge Menschen haben bisher daran teilgenommen.

Gedenkstätten, Museen und Ausstellungen

Die Staatsministerin für Kultur und Medien fördert zudem bedeutende Erinnerungsorte zur SED-Diktatur wie die Gedenkstätte Hohenschönhausen auf dem ehemaligen Gelände der Stasi-Zentrale. Sie klärt über die Formen der Verfolgung und Inhaftierung während der SED-Diktatur auf. Neben einer Dauerausstellung bietet die Gedenkstätte auch Führungen durch die ehemaligen Zellentrakte an.

Ebenfalls auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg zu sehen, ist die Open-Air-Ausstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft, die das Geschenen rund um die Friedliche Revolution von 1989/90 nachzeichnet.

In der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam sind das zentrale Untersuchungsgefängnis des sowjetischen Militärgeheimdienstes und eine Dauerausstellung zu sehen.

Eine weitere vom Bund geförderte Gedenkstätte ist der Tränenpalast am ehemaligen Grenzübergang Friedrichstraße in Berlin. Hier zeigt die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine Dauerausstellung über den Alltag während der deutschen Teilung.

Das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig nimmt neben der Geschichte der DDR auch die Jahre nach 1989 nimmt in den Blick.