Vom Mut der Überlebenden

Ausstellung „Juden in Europa 1945 – 1948“ Vom Mut der Überlebenden

Nur etwa 3,5 Millionen Jüdinnen und Juden in ganz Europa haben den Holocaust überlebt. Welche Erfahrungen sie nach der systematischen Verfolgung und der Ermordung ihrer Familien und Freunde machten und wie sie vor diesem Hintergrund ihr neues Leben gestalteten, ist Thema der Ausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945 – 1948“.

Blick in die Ausstellung "Unser Mut. Juden in Europa 1945 - 1948"

Fotos, Dokumente und Zeitzeugenberichte erzählen in der Ausstellung „Unser Mut“ von den Schicksalen jüdischer Überlebender in der Nachkriegszeit

Foto: Thomas Bruns/Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Es sind bewegende Geschichten, von denen die Ausstellung erzählt: Sie zeugen von fortgesetzter Flucht und Migration, von existentieller Not und der oft vergeblichen Suche nach Verwandten und Freunden. Sie schildern Versuche, jüdische Traditionen wieder aufleben zu lassen, und sie lassen erkennen, dass bald erste Formen des Erinnerns an den Massenmord entstanden.

Zudem berichten sie von den Anstrengungen der Überlebenden, Europa zu verlassen - und damit den Kontinent, der bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten der Ort war, an dem die Mehrheit der jüdischen Weltbevölkerung lebte.

Unser Mut. Juden in Europa 1945 – 1948 ist jetzt als erste Sonderausstellung des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung und Versöhnung in Berlin zu sehen. Die Ausstellung basiert auf einem mehrjährigen Forschungsprojekt des Jüdischen Museums Frankfurt und des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow. Im Jüdischen Museum Frankfurt wurde die Ausstellung auch zum ersten Mal gezeigt. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Sieben ausgewählte Städte und Gemeinden

Um die unterschiedlichen Voraussetzungen der Überlebenden zwischen Ost- und Westeuropa darzustellen, nimmt die Ausstellung sieben Orte in den Blick: Frankfurt am Main mit seinem Displaced Persons Camp in Zeilsheim und Ost-Berlin in der damaligen sowjetischen Besatzungszone. Budapest und Amsterdam, wo die Überlebenden teilweise auf Strukturen und Einrichtungen der Vorkriegsgemeinden aufbauen konnten und einige von ihnen dauerhaft blieben.

Außerdem das polnische Białystok und die niederschlesische Gemeinde Dzierżonió, wo es zumindest für ein paar Jahre gelang, eine jüdische Gemeinde aufzubauen. Und schließlich das süditalienische Bari als Beispiel für eine Transitstadt, über die viele Überlebende mit dem beginnenden Kalten Krieg, der Auflösung der Flüchtlingslager und der Gründung Israels Europa verließen.

Das Überleben aktiv gestalten

Deutlich wird, wie schwierig es war, nach der beispiellosen Erfahrung der Verfolgung und Vernichtung das Über-Leben überhaupt wieder aufzunehmen. Gleichzeitig ist zu erkennen, dass sich die Überlebenden bald selbst organisierten und auch wieder begannen, ihr Leben aktiv zu gestalten.

Das vermitteln die in der Ausstellung zusammengetragenen persönlichen Dokumente, die Filme und Fotografien, Porträts und persönliche Objekte. Gleichzeitig erzählen sie davon, welcher Mut dieser Gestaltungswille erforderte. Darauf bezieht sich auch der Titel der Ausstellung, der nicht nur auf ein jiddisches Partisanenlied verweist, sondern auch auf den Namen der ersten Zeitung im DP-Camp Zeilsheim in Frankfurt. 

Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, zu dem eine ständige Ausstellung, eine Bibliothek und ein Zeitzeugenarchiv gehören, wurde am 21. Juni 2021 eröffnet. Trägerin des Dokumentationszentrums ist die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Die Stiftung wird vollständig aus dem Etat der Staatsministerin für Kultur und Medien finanziert, 2022 mit rund acht Millionen Euro. Weitere Informationen zum Dokumentationszentrum finden Sie hier.