Freie Szene im Scheinwerferlicht

Tabori Preis für darstellende Künste Freie Szene im Scheinwerferlicht

Inhaltlich relevant, ästhetisch innovativ und mit bundesweiter oder internationaler Ausstrahlung – herausragende Leistungen in den freien darstellenden Künsten zeichnet der Fonds Darstellende Künste mit dem Tabori Preis aus. In diesem Jahr ging der Hauptpreis an das inklusive Performancekollektiv „Meine Damen und Herren“ aus Hamburg.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth sitzt im Publikum bei der Verleihung des Tabori Preises 2022 im Berline Theater Hebbel am Ufer (HAU).

Der Tabori Preis würdigt herausragende kreative, innovative und impulsive künstlerische Darstellungen – jetzt wurde er in Berlin verliehen.

Foto: Gianmarco Bresadola

„Als ‚Ruhestörer‘ im besten Sinne, als Anstifter zum Perspektivenwechsel und als Spiegel gesellschaftlicher Vielfalt“ würdigte Kulturstaatsministerin Roth die freien darstellenden Künste bei der Verleihung des diesjährigen Tabori Preises. Für die Demokratie und für die demokratische Gesellschaft seien sie unverzichtbar, betonte die Staatsministerin für Kultur und Medien.

In ihrer Rede ging Roth auch auf die Bedeutung des Tabori Preises ein:  Er sei viel mehr als eine Anerkennung für herausragende, künstlerische Leistungen, so die Staatsministerin. „Er richtet das Scheinwerferlicht auf die besonderen Stärken der freien Szene, er will den Beitrag ihrer Akteurinnen und Akteure, ihrer Spielstätten und Produktionen zur kulturellen Vielfalt, zur Auseinandersetzung mit drängenden gesellschaftlichen Themen würdigen.“ Er sei deshalb auch ein politischer Preis, weil er den Weg in viele Richtungen öffne, weil er Vielfalt fördern und ermöglichen wolle, erklärte die Staatsministerin weiter.

Nach den pandemiebedingten Online-Veranstaltungen 2020 und 2021 wurde der 13. Tabori Preis in diesem Jahr wieder vor Publikum übergeben. Rund 300 Gäste nahmen an der feierlichen Verleihung im Berliner Theater Hebbel am Ufer (HAU) teil.

Ausgezeichnetes nationales und internationales Theater

Der mit 25.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an das Hamburger Performancekollektiv „Meine Damen und Herren“, eine Gruppe von professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern mit so genannter geistiger Behinderung. „Seit mittlerweile 26 Jahren entwickelt das Ensemble inklusive Arbeiten, die auf einmalige Art und Weise begeistern und mit denen sich ‚Meine Damen und Herren‘ in besonderem Maße einen Namen gemacht haben, der weit über Hamburg hinausreicht“, heißt es dazu in der Jurybegründung.

Daneben erhielten die Regisseurin Simone Dede Ayivi und die Company Overhead Project die mit je 15.000 Euro dotierten Tabori Auszeichnungen. Mit ihnen werden besonders experimentelle oder ästhetisch eigenständige Formate geehrt.

Erstmalig in diesem Jahr wurde außerdem ein dritter Preis vergeben. Die neue internationale Auszeichnung, die ebenfalls mit 15.000 Euro dotiert ist, soll herausragende frei produzierende, international agierende und tourende Künstler und Gruppen würdigen. Die moldauische Künstlerin Nicoleta Esinencu wurde als erste Preisträgerin in dieser Kategorie für ihre Arbeit mit dem Theaterkollektiv teatru-spălătorie ausgezeichnet.

Der Tabori Preis ist die bundesweit höchste Auszeichnung für die Freien Darstellenden Künste. Seit Mai 2010 wird er jährlich an herausragende professionelle frei produzierende Ensembles sowie Künstler und Künstlerinnen vergeben. Damit unterstützt der Fonds Darstellende Künste, gefördert von der Beauftragten für Kultur und Medien, die Sichtbarkeit, Kommunikation und künstlerische Arbeit von bedeutenden Positionen der Freien Darstellenden Künste.

Verlängerung von NEUSTART KULTUR bis Juni 2023 vorgesehen

Die Corona-Pandemie hat auch die darstellenden Künste schwer getroffen mit teils verheerenden Auswirkungen auf Künstlerinnen und Künstler der freien Szene. Die Staatsministerin für Kultur und Medien dankte in ihrer Rede dem Fonds Darstellende Künste mit seinen Mitgliedsverbänden für die Zusammenarbeit beim Zukunftsprogramm NEUSTART KULTUR. Ohne den Fonds Darstellende Künste „wäre eine passgenaue, auf die jeweiligen Bedarfe zugeschnittene Unterstützung der darstellenden Künstlerinnen und Künstler und der freien Szene nicht möglich gewesen“, sagte sie.

Da die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kunst und Kultur auch weiterhin spürbar sind, kündigte die Kulturstaatsministerin an, dass eine Verlängerung von NEUSTART KULTUR bis zum 30. Juni 2023 vorgesehen sei.