Auf den Spuren Heinrich Schliemanns

Ausstellung zum 200. Geburtstag Auf den Spuren Heinrich Schliemanns

Heinrich Schliemann hatte viele Leben. Er war Kaufmann, Banker, Goldsucher, Reiseschriftsteller – und schließlich weltberühmter Archäologe: Zu seinem 200. Geburtstag widmet sich eine Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel dem außergewöhnlichen Leben des Entdeckers von Troja. 

Blick in die Ausstellung „Schliemanns Welten“

Blick in die Ausstellung „Schliemanns Welten“ in der James Simon-Galerie

Foto: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Am Anfang stand ein Bild von Troja, behauptete Heinrich Schliemann später. Als er es als Siebenjähriger sah, habe er beschlossen, die untergegangene Stadt zu finden. Ob Schliemann hier nur fabulierte, ist unklar – feststeht: Er fand Troja und wurde auch deshalb zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Wie abenteuerlich sein Weg dahin war, zeigt der erste Teil der Ausstellung „Schliemanns Welten“ in der James Simon-Galerie.

Vom Handelsgehilfen zum Pionier der Archäologie

Denn vorgezeichnet war Schliemanns Lebensweg keineswegs: Nach einer Krämerausbildung in Fürstenberg an der Havel wollte er zunächst nach Lateinamerika auswandern. Doch ein Schiffbruch führte ihn nach Amsterdam, später nach St. Petersburg, wo er 20 Jahre lang lebte, und schließlich weiter ins kalifornische Sacramento. Dort verdoppelte der gewiefte Geschäftsmann im Goldrausch sein inzwischen millionenschweres Vermögen, ehe er auf Weltreise ging. 

Mit Anfang 40 zog er nach Paris, arbeitete als Reiseschriftsteller und nahm ein Studium an der Sorbonne auf, ehe er sich ab 1869 einen Lebenstraum erfüllte und auf die Suche nach jenen sagenumwobenen Orten ging, die er aus Homers Epen kannte. 

Faszinierende Entdeckungen, umstrittene Methoden

Was Schliemann in Griechenland und Kleinasien fand, erzählt das zweite Ausstellungskapitel im nebenan gelegenen Neuen Museum. Es nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf Schliemanns Ausgrabungen und präsentiert spektakuläre Funde aus der trojanischen Sammlung und den Königsgräbern von Mykene. Zugleich wirft es auch einen kritischen Blick auf Schliemanns aus heutiger Sicht zerstörerische Ausgrabungsmethoden, von ihm geschaffene Narrative wie auch seine Selbstmystifizierung. 

Denn viele seiner Erzählungen erwiesen sich nachträglich als unwahr – darauf wies auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth bei der Eröffnung der Ausstellung hin. „Die kritische Beleuchtung dieser Seite gewinnt besondere Bedeutung vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus und seinen Folgen, die heute zurecht in den Fokus gerückt ist“, betonte Roth. 

Löwentor von Mykene

Nahe dem Löwentor von Mykene entdeckte Schliemann reich ausgestattete Königsgräber: Die Berliner Ausstellung zeigt spektakuläre Goldschmiedearbeiten von dieser Ausgrabung.

Foto: bpk

Im Zeichen der deutsch-griechischen Freundschaft

Die Staatsministerin würdigte die eindrucksvolle Schau mit rund 700 Objekten, von denen viele erstmals zu sehen sind. Darunter sind auch zahlreiche internationale Leihgaben. Besonders dankte Roth deshalb den griechischen Museen, die die Präsentation großzügig unterstützt haben.

„Die Leihgaben machen die Ausstellung noch spektakulärer – unter ihnen herausragende Exponate wie die Goldschmiedearbeiten aus den Königsgräbern von Mykene“, so Roth. So sei die Ausstellung ein schöner Ausdruck der wunderbaren deutsch-griechischen Freundschaft und der engen kulturellen Verbindungen zwischen unseren beiden Ländern, sagte die Staatsministerin.

Die Sonderausstellung „Schliemanns Welten“ des Museums für Vor- und Frühgeschichte ist noch bis zum 6. November 2022 auf der Berliner Museumsinsel zu sehen. Sie wird begleitet durch ein umfangreiches Vermittlungsprogramm für Kinder und Erwachsene. 

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte gehört zu den Staatlichen Museen zu Berlin. Als Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) wird es gemeinsam von Bund und Ländern getragen.