Machbarkeitsstudie für geplantes Institut für Fotografie empfiehlt Essen als Standort -Kulturstaatsministerin Grütters: „Großartiges Erbe bewahren und zugänglich machen“

Machbarkeitsstudie für geplantes Institut für Fotografie empfiehlt Essen als Standort -Kulturstaatsministerin Grütters: „Großartiges Erbe bewahren und zugänglich machen“

  • Pressemitteilung 80
  • Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Die Beratungsagentur Partnerschaft Deutschland GmbH hat die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für das geplante Bundesinstitut für Fotografie an die Kulturstaatsministerin übergeben und Essen als Standort empfohlen.
Ziel der Studie ist es, die Grundlagen für die bauliche Realisierung eines Foto-Instituts zu ermitteln und Handlungsempfehlungen für das weitere Verfahren auszusprechen.

Als Ergebnis empfiehlt die Studie die Errichtung des Instituts am Standort Essen und bestätigt damit die Empfehlung der Expertenkommission aus dem vergangenen Jahr. Essen ist seit mehr als 100 Jahren ein wichtiger Standort der Fotografie in Deutschland und verfügt mit dem Historischen Archiv Krupp, dem Museum Folkwang, der Stiftung Ruhr Museum und der Folkwang Universität der Künste über eine hervorragende Vernetzung im Bereich der Fotografie. Laut Studie spricht für den vorgeschlagenen Standort auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen auch, dass die Realisierung des Raumbedarfs für ein Institut mit funktionsgerechten Flächenbeziehungen und einem wirtschaftlichen Bau dort sehr gut möglich sei. Im Unterschied zum ebenfalls mit gleicher Tiefenschärfe untersuchten Standort am Düsseldorfer Ehrenhof kann in Essen vor allem eine unterirdische Unterbringung von Archiv-Flächen vermieden werden. Als nächsten Schritt empfiehlt die Machbarkeitsstudie die zeitnahe Einsetzung eines Aufbaustabs, der die Entwicklung des Instituts begleitet und weitere konzeptionelle Schärfungen erarbeitet.

Die Machbarkeitsstudie konkretisiert und vertieft damit die Empfehlungen der von der Kulturstaatsministerin eingesetzten Expertenkommission aus dem vergangenen Jahr. Diese hatte unter Leitung von Thomas Weski im März 2020 ihr Konzept zur Errichtung eines Bundesinstituts für Fotografie vorgelegt und empfohlen, die Vor- und Nachlässe hervorragender deutscher Fotografinnen und Fotografen zu sammeln, die Forschung in Fragen der Restaurierung und Konservierung beispielhaft voranzutreiben und die Ergebnisse durch Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen zu vermitteln.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte: „Die Machbarkeitsstudie ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem nationalen Institut für Fotografie. Wir wollen der weltberühmten Fotokunst in und aus Deutschland eine institutionell getragene Zukunft geben. Neben den Künstlerinnen und Künstlern sowie der Industrie sieht es auch der Staat als seine Aufgabe an, dieses großartige Erbe zu bewahren und zugänglich zu machen.“

Die nun vorgelegte Machbarkeitsstudie formuliert die räumlichen Anforderungen für ein zukunftsweisendes Institut, das den hohen technischen Ansprüchen der Archivierung empfindlicher Materialien gerecht wird. So müssen moderne Foto-Depots verschiedene Kältezonen vorhalten und zugleich Erweiterungsmöglichkeiten für wachsende Aufnahmekapazitäten vorsehen. Die angestellte Kostenprognose verfolgt einen vorsichtigen Ansatz unter Berücksichtigung aktueller Erfahrungswerte bei vergleichbaren Großbauprojekten. Für das komplexe Bauvorhaben ergibt sich danach eine Gesamtkostenschätzung von bis zu 124,57 Millionen Euro. Der vorgeschlagene Stellenplan umfasst dabei mehr als 50 zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und trägt damit dem hohen Anspruch des Vorhabens in den Arbeitsbereichen „Konservierung/Digitalisierung“, „Sammlung/Ausstellung“ und „Forschung“ Rechnung.

Im Zusammenhang mit einer Initiative des Fotokünstlers Andreas Gursky für ein Foto-Kunst-Projekt in Düsseldorf haben sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die nordrhein-westfälische Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und der Künstler Andreas Gursky Anfang März getroffen. Dabei wurden Aspekte im Umgang mit Fotokunst und zur Sicherung künstlerisch wertvoller Fotografie beraten. Der Austausch fand in wertschätzender, von gegenseitigem Verständnis geprägter Atmosphäre statt. Andreas Gursky konnte bei dem Treffen die langjährige Düsseldorfer Fotokunst-Tradition skizzieren und die Initiative für ein Fotoinstitut verständlich machen.

Das Entstehen der öffentlichen Bemühungen um ein Bundesinstitut für Fotografie konnte gleichermaßen noch einmal gemeinsam nachvollzogen werden. Dabei ist deutlich geworden, dass die Überschneidung beider Initiativen Missverständnisse ausgelöst hat, die es auszuräumen gilt und dass es fachliche Unterschiede bzw. Schwerpunkte gibt, die für zwei eigenständige Institutionen sprechen könnten. Alle Akteure eint das gemeinsame Ziel, die Fotokunst, die in Deutschland stark ausgeprägt und von internationalem Rang ist, zukunftsfest zu machen. Die Standort-Debatte sollte dieses Ziel nicht überlagern. Die Gesprächsteilnehmer bekräftigten ihren Willen, zu einer gemeinsamen Haltung im Interesse der Fotokunst in Deutschland zu gelangen. Die Staatsministerin wird die engagierten Akteure deshalb zu einem gemeinsamen Gespräch einladen und so den Versuch unternehmen, die „Enden in dieser Fach-Diskussion zusammenzubinden“.

Zum Hintergrund: Auf Anregung mehrerer Fotokünstlerinnen und Fotografen hatte am 1. Juli 2019 in der Akademie der Künste Berlin auf Einladung von Kulturstaatsministerin Grütters eine öffentliche Podiumsdiskussion über die Idee eines nationalen Instituts für Fotografie stattgefunden. Im Anschluss daran beauftragte die Staatsministerin ein Expertengremium mit der Erstellung eines Gutachtens über Struktur, Aufgabe und Funktion einer solchen Einrichtung und über einen möglichen Standort. Dieses Gutachten wurde Grütters am 10. März 2020 überreicht.
Unabhängig davon hatte eine Initiative um den Fotografen Andreas Gursky Pläne zur Errichtung eines Fotoinstituts in Düsseldorf entwickelt. Inhaltlich befassen sich beide Initiativen mit der Fotokunst in Deutschland, gehen aber in ihrem Tätigkeits- und Aufgabenprofil unterschiedliche Wege.

Die Machbarkeitsstudie finden Sie unter:
www.kulturstaatsministerin.de