Energiesparen großgeschrieben

Kultureinrichtungen Energiesparen großgeschrieben

Von der drohenden Gas- und Energiekrise und den steigenden Energiepreisen sind auch Kultureinrichtungen betroffen. Viele von ihnen arbeiten schon länger daran, ihre Klimabilanzen zu verbessern. Mit Blick auf Herbst und Winter geht es jetzt darum, kurzfristig weitere Einsparpotenziale zu ermitteln. Die Bundesregierung plant, Kultureinrichtungen bei der Bewältigung der Energiekrise zu unterstützen.

Nachdem die Corona-Krise den Kulturbetrieb weitgehend zum Erliegen und viele Kreative in existenzielle Notlagen gebracht hat, drohen mit steigenden Energiepreisen neue Herausforderungen auch für Kultureinrichtungen.

Kultur-Orte mit gesellschaftlicher Relevanz

Darunter sind Museen, Bibliotheken und Archive, die Kunstwerke, Bücher und Kulturgüter von großem Wert und zum Teil nationaler Bedeutung bewahren. Viele dieser Werke sind außerordentlich empfindlich und benötigen ein gleichbleibendes Raumklima, um nicht Schaden zu nehmen. 

Gleichzeitig sind diese Einrichtungen auch wichtige soziale Orte und von zentraler Bedeutung nicht nur für die kulturelle Bildung, sondern auch für den gesellschaftlichen Austausch. „In dieser Situation brauchen wir die Kultur mehr denn je, denn sie ist systemrelevant“, erklärt Kulturstaatsministerin Claudia Roth.

Kulturbetrieb sichern, Schließungen vermeiden

Angesichts der drohenden Gas- und Energiekrise und der steigenden Energiepreise sind auch Kultureinrichtungen aufgerufen, Energie zu sparen. Wo und wie der Energieverbrauch im Einzelnen reduziert werden kann, muss je nach Sparte und Einrichtung genau geprüft werden. Museen und Bibliotheken stehen dabei vor ganz anderen Herausforderungen als Theater und Konzerthäuser, Kinos oder Clubs.

Neben der Reduktion ihres Energieverbrauchs sind die Einrichtungen auch angehalten, zeitnah Krisenpläne zu erarbeiten. Ziel ist es, auch im Fall von Notfallszenarien Schließungen möglichst zu vermeiden. „Kultureinrichtungen können eine Vorbildfunktion übernehmen und sagen: Ja, wir haben verstanden, wir müssen einen Beitrag leisten“, ist Kulturstaatsministerin Roth überzeugt. 

Angesichts der steigenden Energiekosten plant die Bundesregierung im Rahmen des dritten Entlastungspakets auch Kultureinrichtungen zu unterstützen. Dafür sollen die nichtgebundenen Restmittel des Sonderfonds für Kulturveranstaltungen genutzt werden.

Leitfäden und Checklisten für einen ressourcenschonenderen Kulturbetrieb finden Sie auf unserer Themenseite zu Nachhaltigkeit in Kultur und MedienTipps zum Energiesparen für Unternehmen und Privathaushalte hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) auf der Kampagnenseite 80 Millionen gemeinsam für Energiesparen zusammengestellt.

Der Deutsche Bühnenverein hat eine Checkliste mit Handlungsempfehlungen insbesondere für die Kommunikation mit Energieversorgern veröffentlicht. Sie kann in den Darstellenden Künsten, aber auch in anderen Kulturbereichen Unterstützung bieten. Nicht nur an Museen wenden sich außerdem die Praktischen Handlungsempfehlungen zur Energieeinsparung des Deutschen Museumsbundes.
Energiespartipps für Kinos hat der Kinoverband HDF Kino e.V. zusammengestellt. Der Deutsche Bibliotheksverband hat neben Handlungsempfehlungen zum Energiesparen auch eine Checkliste zur Rolle von Bibliotheken als öffentliche und solidarische Orte publiziert. An Kommunalarchive und ihre Träger richtet sich eine Handreichung der Bundeskonferenz der Kommunalarchive.

Roth: Kultur kann Vorbild sein

Zahlreiche Einrichtungen sind bereits mit positivem Beispiel vorangegangen und haben erste Maßnahmen zum Energiesparen ergriffen. Eine Auswahl in Bildern aus BKM-geförderten Einrichtungen sowie weiteren Kulturprojekten – sie wird laufend ergänzt:

Informationsaustausch auf mehreren Ebenen

Um Kulturinstitutionen mit Blick auf die geforderten Energieeinsparungen gezielt zu unterstützen, hat die Kulturstaatsministerin einen Informationsaustausch auf mehreren Ebenen initiiert. 

Mitte Juli kamen Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen vom Bund geförderten Kultureinrichtungen zu einem Arbeitsgespräch im Bundeskanzleramt zusammen.

Am 4. August hat Claudia Roth das Thema bei einem Treffen mit den Kulturministerinnen und -ministern der Länder sowie dem Präsidenten der Bundesnetzagentur erörtert. Im Fokus stand dabei die Frage nach Einsparpotenzialen im Energieverbrauch bei laufenden Kulturbetrieb. Bund und Länder vereinbarten hier eine verstärkte Zusammenarbeit. Eine Ad hoc-Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden sowie Kulturverbänden hat inzwischen gemeinsame Empfehlungen erarbeitet.

Diese wurden von der Kulturstaatsministerin, den Kulturministerinnen und –ministern der Länder sowie den kommunalen Spitzenverbänden bei einem Treffen am 21. September verabschiedet. Sie enthalten auch Hinweise für den besonders sensiblen Bereich des Kulturgutschutzes. Falls eine Gasnotlage eintritt, sollen die Empfehlungen dabei helfen, Einrichtungen zu identifizieren, die Kulturgut von großer Bedeutung für das kulturelle Erbe bewahren. Denn solche Einrichtungen zählen zur sogenannten Kritischen Infrastruktur des Bundes und der Länder und bedürfen eines besonderen Schutzes. Bund und Länder beschlossen bei dem Termin zudem kulturpolitische Forderungen, in denen die Bedeutung der Kultur in der Energiekrise besonders unterstrichen wird.

Weiterführende Informationen:
FAQ zum Notfallplan Gas (BMWK)
Szenarien für die Gasversorgung in Deutschland  (Bundesnetzagentur)

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 29.09.2022.