Bundeskanzleramt

Bologna-Bericht im Kabinett

Bachelor und Master haben sich durchgesetzt

1999 startete die Europäische Studienreform unter dem Namen "Bologna-Prozess". Europaweit sollen Studienleistungen sowie die Abschlüsse Bachelor und Master anerkannt werden. Bundesbildungsministerin Karliczek berichtete dem Kabinett, dass Deutschland dabei sehr gut abschneidet.

Studenten in der Vorlesung an der Fachhochschule Trier

Deutschland schneidet bei der Umsetzung der Bologna-Reform sehr gut ab.

Foto: Sven Ehlers

91 Prozent aller deutschen Studiengänge schließen mit dem international anerkannten Bachelor und Master ab. Die deutschen Hochschulen bieten 8.750 Bachelor- und fast genauso viele Masterstudiengänge an (Wintersemester 2017/2018). Das sind insgesamt 3,7 Prozent mehr als 2015. Etwa zwei Drittel der Bachelor-Absolventen nehmen ein Masterstudium auf (Jahrgang 2013).

Deutschland gehört zu den Ländern, die bei der Umsetzung der Bologna-Reform sehr gut abschneiden.

Mehr Studierende sollen Auslandserfahrung sammeln

30 Prozent der deutschen Studierenden höherer Semester haben einen Auslandsaufenthalt absolviert. Die Bologna-Vereinbarung verlangt, dass mindestens 20 Prozent für wenigstens drei Monate im Ausland studieren sollen.

Bund und Länder streben darüber hinaus an, dass die Hälfte der hier Studierenden Auslandserfahrung sammeln soll. Deutschland hat als einziger Staat ein "Mobilitätsfenster" für die akkreditierten Studiengänge verankert. Das heißt: die Hochschulen bauen Auslandsaufenthalte systematisch in ihre Lehrpläne ein. Internationale Studiengänge mit Partneruniversitäten auf der ganzen Welt entstehen.

48 Bologna-Staaten bilden den Europäischen Hochschulraum
1999 unterzeichneten 30 europäische Staaten die sogenannte Bologna-Erklärung mit dem Ziel, bis zum Jahr 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Weitere Staaten schlossen sich an, darunter die Türkei, Russland und die Ukraine. Insgesamt 48 Staaten nehmen am "Bologna-Prozess" teil.
Kernziel des Bologna-Prozesses sind
- die Einführung gestufter Studiengänge,
- die Vereinfachung der Anerkennung,
- die Einführung eines Kreditpunktesystems ECTS,
- die europäische Zusammenarbeit im Bereich der Qualitätssicherung,
- die Förderung der Mobilität der Studierenden und Hochschulangehörigen und
- die Stärkung einer europäischen Dimension der Hochschulbildung.

Studienleistungen gegenseitig anerkennen

Die Bologna-Staaten müssen in- und ausländische Studienleistungen gegenseitig anerkennen. Dies ist entscheidend, damit Studierende überall studieren und Absolventen international beruflich tätig werden können. Deutschland hat das "Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region" 2007 unterzeichnet.

In der Praxis besteht jedoch weiterhin Verbesserungsbedarf. Zwei Drittel der deutschen Studierenden wurden ihre im Ausland erworbenen Studienleistungen mindestens zum Teil anerkannt. Ein Drittel erhielt keine Anerkennung oder stellte keinen Antrag, zeigt die Mobilitätsstudie 2017 des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

Zehnte Bologna-Konferenz: Bildungsminister bilanzieren

Um zu überprüfen, ob die vereinbarten Ziele in den Teilnehmerstaaten erreicht werden, ziehen die Bildungsminister alle zwei Jahre Bilanz. Die erste Folgekonferenz nach Unterzeichnung der Bologna-Erklärung fand 2001 in Prag statt. Die letzte, neunte Folgekonferenz in Jerewan (Armenien).

Am 24. / 25. Mai treffen sich die Ministerinnen und Minister in Paris zur zehnten Bologna-Konferenz. Sie wollen vereinbaren, wie Staaten unterstützt werden können, die noch Defizite bei den Kernzielen der Reform haben: Bachelor- und Masterprogramme einzuführen, ausländische Studienleistungen anzuerkennen und die Studienqualität extern zu überprüfen. Deutschland wird seine Erfahrungen an die Partner weitergeben.

Vor jeder Bologna-Konferenz berichtet die Bundesregierung über die nationalen Fortschritte. Das Kabinett hat den Bericht für die Jahre 2015 bis 2018 beschlossen.

Akademische Freiheit nicht verhandelbar

In Paris werden die Ministerinnen und Minister über die Werte des Europäischen Hochschulraums diskutieren: das sind die akademische Freiheit, die Unabhängigkeit der Hochschulen und wie Studierende und Lehrende an der Führung der Hochschulen beteiligt werden. Diese Werte sind nicht verhandelbar. Hier gilt es sich der Diskussion mit Staaten – auch in Europa – zu stellen, die diese Prinzipien brechen oder sie in Frage stellen.

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben vorgeschlagen, ein Netzwerk Europäische Hochschule zu errichten.

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