Bundeskanzlerin

Im Wortlaut: Steinmeier

Lage im Jemen ist gefährlich

Saudi-Arabien hat den Jemen und dortige Stellungen der Houthi-Rebellen angegriffen. Außenminister Steinmeier warnt in "Bild" vor einer Eskalation des Konflikts in der Golf-Region und einer Gefährdung der Atomverhandlungen mit Iran. Dialog und Verhandlungen seien nötig, um Probleme einzudämmen.

  • Interview mit Frank Walter Steinmeier
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Das Interview im Wortlaut:

BILD: Herr Minister, die saudische Luftwaffe bombardiert Jemens Hauptstadt Sanaa, Riad droht mit einem Einmarsch ins Nachbarland. Droht in Arabien ein neuer großer Krieg?

Steinmeier: Ich hoffe nicht - aber die Lage ist gefährlich.

BILD: Was bedeutet das für den Jemen und die Golf-Region?

Steinmeier: Tief sitzende soziale und gesellschaftliche Konflikte, große Armut und bis an die Zähne bewaffnete Stämme, rivalisierende politische Machtzentren und islamistische Terrorgruppen: Das ist ein gefährlicher Cocktail, auch weit über die Grenzen Jemens hinaus. Alle diese Probleme lassen sich aber nicht mit Gewalt eindämmen, und sicher nicht lösen, weder von innen noch von außen. Was es braucht, sind Dialog und Verhandlungen. Letztes Jahr haben alle Seiten unter Vermittlung der Vereinten Nationen ein Friedensabkommen geschlossen. Die Houthi-Rebellen haben seither alle Abmachungen gebrochen. Sie gehen mit großer Rücksichtslosigkeit vor und verweigern jede politische Lösung.

BILD: Unterstützt Deutschland das Vorgehen Riads?

Steinmeier: Die demokratisch gewählte Regierung des Jemen ist von den Houthi-Rebellen aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben und jetzt auch in Aden angegriffen worden. Staatspräsident Hadi hat das Nachbarland Saudi-Arabien angesichts dieser akuten Bedrohung um Hilfe gebeten. Saudi-Arabien hat dann gestern mit Unterstützung aus der Region Luftangriffe auf Houthi-Stellungen geflogen. Vor diesem Hintergrund habe ich Verständnis für das saudische Vorgehen.

BILD: Hinter den Houthi-Rebellen steht offenbar der Iran...

Steinmeier: Jedenfalls gibt es Verbindungen, über den Umfang des Engagements allerdings unterschiedliche Einschätzungen. Niemand kann ein Interesse an einer weiteren Eskalation oder gar an einem saudisch-iranischen Stellvertreterkrieg im Jemen haben, auch Riad und Teheran nicht. Die Folgen einer direkten Konfrontation mag man sich gar nicht ausmalen, für die ganze Region. auch für die globale Energieversorgung. Ich glaube nicht, dass die Schlüsselspieler an einem solchen Szenario irgendein Interesse haben.

BILD: Kann das die jetzt anstehenden Verhandlungen um das iranische Atomprogramm gefährden?

Steinmeier: Ich hoffe nicht, jedenfalls müssen wir das verhindern. Bislang haben wir die Verhandlungen von den regionalen Konflikten abschirmen können. Ich hoffe, dass das auch jetzt gelingt. Es geht um viel. Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt ist eine umfassende Einigung in Reichweite geraten; wir wollen eine Vereinbarung, die dauerhaft, verlässlich und überprüfbar einen Zugriff Irans auf die Atombombe ausschließt.

Das Interview führte Rolf Kleine für die