Die Kanzlerin im Gespräch

Die Herzen erreichen

Das Erlernen der deutschen Sprache und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen sind wesentlich für eine gelungene Integration. Das erklärte Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem ersten Online-Gespräch zur Integration mit sechs engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern.

Kanzlerin Merkel im Fokus der Kamera kurz vor Beginn des google hangouts

Kanzlerin Merkel kurz vor Beginn der live-Übertragung

Foto: Bundesregierung/Kugler

Die Bundeskanzlerin betonte, dass die deutsche Aufnahmegesellschaft von den hier lebenden Menschen mit ausländischen Wurzeln keine Assimilation erwarte. Wichtig seien eine gemeinsame Basis, gemeinsame Werte und gemeinsam für eine gute Zukunft zu arbeiten. Wer dauerhaft hier bleiben will, dem müssten auch Angebote gemacht werden. Klar sei aber auch, dass es eigener Anstrengungen bedarf.

Zuwanderung sei eine Bereicherung für die Gesellschaft, betonte Merkel. Zuwanderer hätten aber auch oft eine enge Verbundenheit zu ihrer Heimat. Das wiederum erweitere das kulturelle Spektrum für Deutschland. Die Bundeskanzlerin rief dazu auf, sich stärker für die Kultur der Zuwanderer zu interessieren.

Sprache - Schlüssel zur Integration

Das Erlernen der deutschen Sprache ermögliche den Migranten die Teilhabe an der Gesellschaft und den Zugang zu Bildung und Arbeit, betonte die Kanzlerin. Sprachförderung sollte deshalb möglichst früh ansetzen. Der Bund investiert zur Sprachförderung für die Dauer von vier Jahren 400 Millionen Euro in rund 4.000 Schwerpunkt-Kitas.

Integrationskurse, das heißt: Sprach- und Orientierungskurse, sind ein echtes Erfolgsmodell. Ein Kurs dauert 660 bis 960 Stunden. "Über eine Million Menschen haben - seitdem ich Bundeskanzlerin bin - Sprachkurse durchlebt", zog die Kanzlerin eine positive Bilanz. Der Bund hat allein für die Sprachförderung seit 2005 mehr als eine Milliarde Euro investiert.

Integration gelingt spielend

Bei der Integration müsse es Erfolgserlebnisse geben, sagte Merkel im Gespräch mit sechs Bürgerinnen und Bürgern, die sich ehrenamtlich um Integration verdient machen. So müssten beispielsweise das Arbeitsamt und zivilgesellschaftliche Organisationen, wie zum Beispiel Sportvereine, noch enger zusammenarbeiten, um Migranten zu Arbeits- und Praktikumsplätzen zu verhelfen.

Ein per eMail eingereichter Vorschlag, dass heimische "Partnerfamilien" bei der Integration helfen könnten, gefiel Merkel besonders. "Eine tolle Sache", befand die Kanzlerin. Sie werde diese Idee mitnehmen und prüfen, wie man solche Projekte fördern kann. Gleichzeitig wies die Bundeskanzlerin darauf hin, dass auch für solche zivilgesellschaftlichen Projekte die Sprache der Schlüssel sei.

Fakten zur Integration

Rund ein Fünftel der Menschen in Deutschland hat ausländische Wurzeln. Von den rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund sind knapp 9 Millionen deutsche Staatsbürger. Zuwanderung ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine dauerhafte Realität.

Ein sehr großer Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist in Deutschland gut integriert. Viele Migranten haben deutsche Bildungsabschlüsse und zahlen Steuern und tragen so zu unser allem Wohlstand bei. Über 700.000 Unternehmer aus Zuwandererfamilien bilden junge Menschen aus und schaffen Arbeitsplätze, an denen jeder zwanzigste Erwerbstätige in Deutschland beschäftigt ist.

Google+ Hangouts
Hangouts sind kostenlose Videokonferenzen über das Internet, die angemeldeten Nutzern von Google+ zur Verfügung stehen. Bis zu zehn Personen können aktiv an einer Videokonferenz teilnehmen. Als sogenannter `Hangout on Air` kann das Videogespräch live im Internet übertragen werden. Der Video-Stream ist nicht nur auf Google+ und YouTube öffentlich zugänglich, sondern kann auch in andere Webseiten eingebunden werden. So erschien der Hangout mit Bundeskanzlerin Merkel auch auf den Webseiten der Bundesregierung. Beim diesem ersten Online-Gespräch mit der Bundeskanzlerin gab es insgesamt 91.947 Wiedergaben (Klicks auf den Stream) des Hangouts.