Bundeskunsthalle Bonn zeigt Funde der Nasca-Kultur

Zwischen Kunst und Magie

Die teils kilometerlangen Linien in der Wüste Perus sind wohl das bekannteste Relikt der Nasca-Kultur. Doch auch kunstvolle Keramiken, bemalte Gefäße und farbenprächtige Textilien sind ebenso beeindruckend. Die Bundeskunsthalle in Bonn bringt mit den archäologischen Funden Leben, Geschichte und Kunst der Nasca näher.

Wohl vor mehr als 2.000 Jahren entwickelte sich zwischen den Hoch-Anden und der zum Pazifik vorgelagerten Wüste eine außergewöhnliche Kultur. Sie war geprägt von Ritualen, Kunst, hochentwickeltem handwerklichen Können, Musik und dem Leben unter extremen klimatischen Bedingungen. Mit der Ausstellung "Nasca. Im Zeichen der Götter" gibt die Kunst- und Ausstellunghalle Bonn einen Einblick in eine untergangene, faszinierende Kultur.

Farbenprächtiges und kunstvolles Handwerk

Mit mehr als 200 Exponaten illustriert die Ausstellung in Bonn eindrucksvoll das Leben des südamerikanischen Volkes. Vor allem die kunstvoll gearbeiteten, überaus farbenprächtigen Textilwaren und die Keramikarbeiten sorgen für staunende Blicke. Die Malereien der prähispanischen Kultur sind nicht nur von großer archäologischer Bedeutung, sondern auch der einzige Zugang zu den Ritualen und der Lebensweise der Nasca-Kultur. Denn: Es gibt keinerlei Schriftzeugnisse.

Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn: Tasse in Kopfform mit Gesichtsbemalung

Die Tasse in Kopfform und Gesichtsbemalung zeigt eindrucksvoll die Kunstfertigkeit der Nasca.

Foto: Museo de Arte de Lima Nachlass Familie Prado

Die Fundstücke der Archäologen sind der Schlüssel, um die Kultur zu verstehen: prachtvolle Tonarbeiten, bunt gemusterte Stoffe, filigrane Schmuckstücke aus Gold oder weitere Grabbeigaben. Die Bildsprache auf Krügen, Schalen oder Vasen ist teilweise klar: Eine Panflöte ist eine Schlange, Flaschen mit zwei Ausgüssen haben die Form eines Meerschweinchens oder von Fischen.

Viele Rätsel weiter ungelöst

Oft ist auf Gefäßen auch Mythisches abgebildet. Wissenschaftler vermuten, die übermenschlichen Wesen stellen Götter dar. Wo die Grenze zwischen Kunst und Ritus verläuft, ist unklar. Bei aller Faszination bleiben viele Fragen offen: Wie wurden Farben mit immenser Leuchtkraft hergestellt? Und warum verschwand die hochentwickelte Kultur?

Warum der Namen Nasca? Benannt ist das untergegangene südamerikanisches Volk nach der südperuanischen Stadt Nazca.

Ein Fisch im Wüstenboden

In den 1930er Jahren wurde ein weiteres mysteriöses Puzzlestück entdeckt. In den Tälern am Fuß der Anden sind teils großflächige Zeichnungen in den steinigen Boden geschlagen. Aus der Luft lassen sich Tiermotive - Wal, Kolibri, Affe - oder geometrische Figuren erkennen. Den Flug über die Erdgravuren übernehmen Besucher der Ausstellung mit 3D-Brillen.

Die Ebene in der Wüste zwischen den Wohnorten der Nasca und den Bergen der Anden galt als eine Zwischenebene zum Göttlichen. So sind sich die Forscher heute sicher, dass es sich bei den Geoglyphen um Ritualorte handelt. Durch Abschreiten der Linien unter Musik und Einnahme von Drogen wurde der Kontakt hergestellt. Die Nasca-Linien gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.

Die Ausstellung "Nasca. im Zeichen der Götter" ist noch bis 16. September 2018 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu besichtigen. Die Schau ist in Zusammenarbeit zwischen dem Museo de Arte de Lima, dem Museum Rietberg und der Bundeskunsthalle unter Beteiligung der bedeutendsten Nasca-Archäologinnen und -Archäologen entstanden.

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