Demografiepolitik

Zum Schlafen in die Kita

Ob Polizist, Ärztin, Busfahrerin oder Koch: Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten, wenn andere frei haben. Laut Bundesarbeitsministerium sind 26 Prozent der Arbeitnehmerinnen und -nehmer regelmäßig bis in den späten Abend oder am Wochenende berufstätig. Wer aber betreut dann die Kinder?

Schlafende Kinder im Montessori-Kinderhaus in Dortmund.

Das Bundesprogramm KitaPlus unterstützt Kitas und Tageseltern dabei, ihre Öffnungszeiten flexibler zu gestalten.

Foto: Jennifer Braun

Die meisten Kitas schließen spätestens um 17 Uhr. Für Alleinerziehende oder Eltern, die beide im Schichtdienst arbeiten, ist das ein echtes Problem. Denn nicht immer wohnt in der Nähe Verwandtschaft, die sich kümmern kann.

Flexible Betreuungsangebote helfen

Mit dem Programm "KitaPlus" unterstützt der Bund Kitas und Tageseltern dabei, Öffnungszeiten flexibler zu gestalten und Angebote in Randzeiten auszubauen.

Mit dabei ist auch das Familienzentrum Montessori-Kinderhaus. Trägerin ist die Caritas Dortmund. In der Kita des Familienzentrums betreuen 15 Erzieher 75 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren nun schon ab sechs Uhr morgens bis 20 Uhr. Bei Bedarf können die Kinder auch in der Kita übernachten. Speziell für die Betreuung in Randzeiten konnte das Familienzentrum 2,5 Fachstellen zusätzlich besetzen. Es sei wichtig, dass die Kinder feste Bezugspersonen hätten, auf die sie sich freuen könnten, so Yvonne Oberhaus, die Leiterin des Kinderhauses.

Das Bundesprogramm KitaPlus unterstützt Kitas und Tageseltern dabei, ihre Öffnungszeiten flexibler zu gestalten und in Randzeiten auszubauen. Insgesamt stehen dafür von Januar 2016 bis Dezember 2018 100 Millionen Euro zur Verfügung.

Nicht länger betreut, nur zu anderen Zeiten

"Der Bedarf ist groß", weiß Oberhaus aus vielen Gesprächen mit Eltern. Insbesondere für Alleinerziehende und Mütter, die wieder oder mehr arbeiten wollen, sind die verlängerten Öffnungszeiten eine echte Erleichterung. Eine enge Zusammenarbeit gibt es zum Beispiel mit dem Caritas-Altenzentrum St. Josef. Dessen Mitarbeiter können jetzt nach der Kinderpause wieder früher in den Beruf einsteigen oder Stunden aufstocken.

Die Eltern gingen mit den neuen Möglichkeiten verantwortungsvoll um, berichtet Oberhaus. Die Betreuungszeit sei nicht länger als in einer normalen Kita. Es gehe darum, die Zeiten abzudecken, in denen Eltern arbeiten müssten. Die Zeit mit der Familie gibt es für die Kinder trotzdem: Übernachtet ein Kind in der Kita, hat es zu anderen Zeiten unter der Woche freie Zeit mit den Eltern.

Deutschland verändert sich: Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich, aber es gibt immer weniger junge Menschen und der Anteil der Menschen im erwerbstätigen Alter sinkt. Mit ihrer Demografiestrategie gibt die Bundesregierung Antworten auf die Bevölkerungsentwicklung. Sie will Wohlstand und Lebensqualität für alle Generationen sichern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

Es gilt, Kindern und Jugendlichen eine gute Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, Familien die Vereinbarung von privaten mit beruflichen Pflichten zu erleichtern, soziale Sicherungssysteme demografiefest zu gestalten, die Lebensqualität in Stadt und Land zu erhalten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ältere Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können.

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