Tag der Erfinder

Zug um Zug weniger Abgase

Passend zum "Tag der Erfinder" hat die Firma Alstom den Verkehrsministern von Bund und Ländern in Wolfsburg einen umweltfreundlichen Wasserstoffzug präsentiert. Bald kommen 14 dieser Züge im niedersächsischen Nahverkehr zum Einsatz. Der Bund hat die Entwicklung des Projekts gefördert.

Alstom Brennstoffzellenzug

Umweltfreundlich unterwegs: Der Wasserstoffzug soll bald in den Probebetrieb gehen.

Foto: Alstom/Michael Wittwer

Wer Bahn fährt, entlastet die Atmosphäre. Denn die elektrisch betriebenen Züge der Deutschen Bahn nutzen fast ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Was allerdings wenige wissen: Die Hälfte aller Bahnstrecken in Deutschland – immerhin 200.000 Kilometer – sind nicht elektrifiziert. Die Lokomotiven auf diesen Strecken fahren daher mit Diesel und stoßen Stickoxyde und Kohlendioxid aus.

Eine umweltfreundliche Alternative ist es, die Loks mit Wasserstoff anzutreiben. Reagiert Wasserstoff mit dem Sauerstoff der Luft entsteht elektrische Energie - und lediglich Wasserdampf. Der in dieser sogenannten Brennstoffzelle erzeugte, abgasfreie Strom treibt dann einen Elektromotor an.

Dieses Prinzip wird nun erstmals in einem Wasserstoffzug eingesetzt. Das Bundesverkehrsministerium hat die Entwicklung dieses Antriebs mit 7,9 Millionen Euro gefördert.

Effektiv und leistungsfähig

Alstom Brennstoffzellenzug

Gemütlich und abgasfrei reisen

Foto: Alsom/Michael Wittwer

Der erste Zug für bis zu 300 Passagiere soll schon bald in den Probebetrieb gehen. Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde und beschleunigt ähnlich schnell wie ein Dieselzug. Seine Reichweite beträgt 1.000 Kilometer.

Besonders effektiv ist der Zug, weil er gleichzeitig Batterien besitzt, die erzeugten Strom etwa bei Rollphasen speichern. Auch Strom, der beim Bremsvorgang zurückgewonnen wird, wird hier gespeichert. Beim Beschleunigen kann dann dieser Strom aus den Batterien zusätzlich eingesetzt werden.

Langfristig könnten die Wasserstoffzüge die mehr als 4.000 Diesellokomotiven ablösen, die derzeit im Einsatz sind. Den Anfang macht dabei Niedersachsen: Für die Anschaffung von 14 Brennstoffzellen-Züge wird das niedersächsische Verkehrsministerium 81 Millionen Euro bereitstellen. Auch der Bund beteiligt sich mit gut acht Millionen Euro. Das teilte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, mit. Die Züge seien "emissionsfrei, energieeffizient und kostengünstig", lobte Ferlemann.

Überschüssigen Strom nutzen

Aber auch Wasserstoff muss zunächst produziert werden. Dies geschieht durch Aufspaltung von Wasser durch elektrischen Strom. Damit die Umweltbilanz positiv ist, muss dieser Strom aus Wind-, Wasser- oder Solarkraftwerken kommen.

Genau hier liegt eine große Chance für Wirtschaft und Umwelt: Bei starkem Wind oder viel Sonne entsteht zu abnahmearmen Zeiten mehr Strom als verbraucht wird. Derzeit wird dieser Strom oft ins Ausland verkauft oder kostenlos abgegeben. Es kann sogar dazu kommen, dass Energieunternehmen dafür zahlen, dass der Strom abgenommen wird.

Überschüssiger Strom könnte also für die Herstellung von Wasserstoff genutzt werden - gleichermaßen kostengünstig und umweltfreundlich. Denn anders als Strom kann man Wasserstoff speichern.

Wegbereiter für Wasserstoffautos?

Bis es ein flächendeckendes Tankstellennetz für Wasserstoffautos gibt und die Fahrzeuge damit attraktiver werden, vergehen sicher noch einige Jahre. Insofern ist der Schienenverkehr ein guter Wegbereiter, um diese Technologie im Alltag zu verankern.

Übrigens erbringt der Zug noch einen weiteren Beitrag für den Schutz von Mensch und Umwelt: Er ist erheblich leiser als ein Dieselzug.

Der "Tag der Erfinder" wird in Deutschland am 9. November begangen, dem Geburtstag der Erfinderin Hedy Lamarr. Die private Initiative "Tag der Erfinder" will Menschen Mut zu eigenen Ideen machen und an bekannte und weniger bekannte Erfinder erinnern.

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