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Frankfurter Buchmesse

Zeitzeugen am Stand der Bundesregierung

Der Mauerfall vor 25 Jahren - ein Thema, das die Bundesregierung auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse besonders im Blick hat. An ihrem Stand berichteten Roland Jahn und Barbara Boday, wie sie den Fall der Mauer erlebt haben. Welche Rolle die Stasi in der DDR spielte, beschäftigt beide noch heute.

Roland Jahn und Daniela Münkel

Roland Jahn und Daniela Münkel am Stand der Bundesregierung

Foto: Jürgen M. Kornaker

Immer noch sind nicht alle Akten gesichtet, die die Staatssicherheit in der DDR angelegt hat. Bürgerinnen und Bürger, die 1989 die Friedliche Revolution auf den Weg brachten, wurden umfassend bespitzelt.

Die DDR im Blick der Stasi

Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR ermittelte "politische Straftaten". Bürgerinnen und Bürger wurden umfassend bespitzelt, teilweise von engen Freunden. Der Alltag der Bürger war davon geprägt, zwischen Widerspruch und Anpassung zu balancieren. Wer sich in der DDR kritisch gegenüber der politischen Führung äußerte, musste mit Schwierigkeiten rechnen. Oppositionelle wurden beobachtet, inhaftiert und zwangsweise ausgebürgert.

Das musste auch Roland Jahn erleben. "Ich wollte bleiben. Hier war meine Heimat und meine Familie. Aber das Unrechtssystem hat mich gegen meinen Willen außer Landes transportiert." 1983 wurde er festgenommen und musste in die Bundesrepublik ausreisen. Heute ist er Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Die Stasi-Protokolle reihen sich auf 111 Kilometer Akten.

Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen

Jeden Monat stellen rund 5.000 Menschen bei der Stasi-Unterlagenbehörde einen Antrag, um ihre Akten einzusehen. Darunter sind nicht nur frühere DDR-Bürger, sondern auch Bürger aus der Bundesrepublik. "Die Dokumente helfen uns, die Vergangenheit aufzuklären", so Jahn.

Gemeinsam mit Daniela Münkel stellte Jahn den aktuellen Bericht der Forschungsabteilung des BStU "Herbst '89 im Blick der Stasi" vor. Darin wird der Zeitraum von Mitte September bis zum 9. November 1989 genau unter die Lupe genommen. Die Stasi-Unterlagen zeichnen ein eindrucksvolles Bild der sich überschlagenden Ereignisse vor dem Fall der Mauer.

Roland Jahn gehörte schon in den 70er Jahren in der DDR zur Opposition. 1983 war er einer der Mitbegründer der Friedensgemeinschaft Jena und wurde noch im gleichen Jahr zwangsausgebürgert. In der Bundesrepublik arbeitete er als Journalist. Am 28. Januar 2011 wählte der Bundestag Jahn zum neuen Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU).

Die Friedliche Revolution begleitete Jahn im monatlichen Politik-Magazin "Kontraste" mit Beiträgen über Demonstrationen, Besetzungen der Stasi-Zentralen. Als Leiter der BStU ist widmet er sich der Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Mit der Lufthansa nach Leipzig

Am Stand der Bundesregierung waren auch Zeitzeugen eines spektakulären Linienfluges. Am 10. August 1989 startete der erste Linienflug von Frankfurt nach Leipzig. Damit flog die Lufthansa das "erste Loch in die Mauer", sagte Wolfgang Weber. Er war damals mitreisender Journalist und ist heute Pressesprecher der Lufthansa Nord/Ost.

Barbara Boday begleitete diesen Flug als Chefstewardess. Für sie war es ein besonders bewegendes Ereignis, denn ihre Heimat lag eigentlich in Thüringen. Für die Passagiere war es ebenfalls kein "normaler" Flug. Einfach in Leipzig das Flugzeug zu verlassen war nicht möglich: "Westzeitungen" mussten im Flugzeug verbleiben, die Passagiere wurden genau kontrolliert.

Erste Erleichterungen im Reiseverkehr zwischen Ost und West

Der "Eiserne Vorhang" bestand auch in der Luft, die drei möglichen Flugkorridore waren den Alliierten vorbehalten. Und nur Fluggesellschaften der Alliierten durften Berlin anfliegen. So führte der erste Linienflug von Frankfurt nach Leipzig über Bamberg, Prag und Dresden, ein Umweg von mehr als 400 Kilometern.

Seit 1980 bemühten sich die deutsch-deutschen Verkehrsminister, den innerdeutschen Flugverkehr zu erleichtern. Aber nur für besondere Ereignisse, wie zum Beispiel zur Leipziger Messe, gab es Ausnahmegenehmigungen. Regulär konnte der Linienverkehr erst nach dem Tag der Deutschen Einheit zu Beginn der Neunziger Jahren aufgenommen werden.

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