Regierungsbericht Lebensqualität

Zeit haben für Familie und Beruf

Ausreichend Zeit für Familie und Beruf wünschen sich viele Menschen: Zeit für die Kinder, den Partner, Freunde und Hobbys, oder im Krankheitsfall für die Pflege von Angehörigen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein zentrales gesellschaftliches Thema. Dies unterstreicht der Regierungsbericht zur Lebensqualität.

Familie - Vater, Mutter und zwei Kinder sitzen in häuslicher Umgebung zusammen auf dem Boden.

Eine gute Balance zwischen Familie und Beruf war den Menschen im Bürgerdialog besonders wichtig.

Foto: Judith Affolter

Eine ausgewogene Zeitaufteilung für Familie und Beruf ist daher besonders wichtig für ein gutes Leben. Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist gestiegen und die Leitbilder von Müttern und Vätern haben sich verändert. Die gewünschte und tatsächliche Arbeitszeit, die Kinderbetreuung, angemessene Zeit für die Pflege Angehöriger und die durchschnittliche Pendeldauer zur Arbeit sind in diesem Zusammenhang wichtige Aspekte.

Tatsächliche und gewünschte Arbeitszeit

Eine gute Balance zwischen Familie und Beruf war den Menschen im Bürgerdialog besonders wichtig. Hohe Anforderungen im Job, zu wenig Zeit für die Kinder und den Partner und den daraus resultierenden Stress beeinträchtigen das Leben stark. Als besonders belastend empfinden viele Menschen, wenn gewünschte und tatsächliche Arbeitszeit dauerhaft voneinander abweichen.

Grafik: Arbeitszeit von Frauen und Männern

Es gibt eine Annäherung der Unterschiede über die tatsächlichen Arbeitszeiten von Männern und Frauen.

Foto: Berechnung des DIW Berlin,SOEPv31.1. CC BY 4.0 Bundesregierung

Die tatsächlichen Arbeitszeiten von Männern und Frauen sind seit dem Jahr 2000 leicht rückläufig und haben sich einander angenähert: Männer arbeiteten 2015 demnach 41,6 Stunden, Frauen 32,6 Stunden. Männer arbeiten dabei durchschnittlich zehn, Frauen acht Prozent länger als vertraglich vereinbart. Über die Hälfte der Beschäftigten möchte weniger arbeiten: Sie arbeiten mehr als fünf Stunden länger in der Woche als eigentlich gewünscht.

Kinderbetreuungsquote ist entscheidend

Eine große Herausforderung stellt für viele Menschen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie dar. Zentrale Rolle spielt hierfür eine umfassende Kinderbetreuung – darin waren sich die Dialogteilnehmer weitestgehend einig. Die Angebote für Kinderbetreuung haben sich in den vergangenen Jahren verbessert: 43,9 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden 2015 ganztägig betreut, das sind über zwanzig Prozent mehr als 2006. Bei den Unter-Dreijährigen stiegen die Zahlen um 6,5 auf 18,1 Prozent.

Regional zeigen sich starke Unterschiede zwischen Ost und West: Während die Ganztagsquoten in den neuen Ländern 2015 bei 39,6 Prozent (Kinder unter drei Jahren) und 74,2 Prozent (Kinder zwischen drei und sechs Jahren) lagen, betrugen sie in den alten Ländern nur 12,8 beziehungsweise 36,5 Prozent.

Die Bundesregierung bemüht sich, die Ganztagsbetreuung von Kindern weiter auszubauen: Insgesamt stellt sie jährlich mehr als 900 Millionen Euro für den Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten zu Verfügung.

Weniger arbeiten im Pflegefall und kürzere Arbeitswege

Für vielen Bürgerinnen und Bürger ist Anerkennung besonders wichtig, wenn sie Angehörige zu Hause selbst pflegen. Arbeitszeitverkürzung, bessere und schnellere Antragsverfahren für Pflegeleistungen und insgesamt weniger Bürokratie nannten sie in diesem Zusammenhang besonders häufig.

Deutlich wurde im Dialog auch: Ein langer Weg zur Arbeit verringert die Lebensqualität. Viele Bürgerinnen und Bürger sprachen sich deshalb dafür aus, Arbeit insgesamt deutlich mobiler und flexibler zu gestalten. Sie bemängelten die oft noch fehlenden technischen Voraussetzungen, wie etwa schnelle und flächendeckende Breitband- und Mobilfunkverbindungen. Sie wünschten sich aber auch eine bessere Verkehrsinfrastruktur einschließlich zusätzlicher Radwege und eines breiteren öffentlichen Nah- und Fernverkehrs.

Interaktiver Bericht zur Lebensqualität
Auf der Plattform www.gut-leben-in-deutschland.de hat die Bundesregierung den Bericht zur Lebensqualität in Deutschland interaktiv aufbereitet. Hier finden sich alle Daten und Fakten, Statistiken und Diagramme sowie weiterführende Informationen.

Der Bericht umfasst zwölf Themenschwerpunkte und 46 Indikatoren. Die Bundesregierung wählte sie auf Grundlage der Erkenntnisse aus ihrem Bürgerdialog aus. Zusätzlich flossen weitere nationale aber auch internationale Feststellungen ein. So ist es gelungen, Stand und Entwicklung der Lebensqualität in Deutschland zu beschreiben und messbar zu machen.

Der Bericht zeigt: Die Bürgerinnen und Bürger haben ein breites und facettenreiches Verständnis von Lebensqualität. Mit der Regierungsstrategie "Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist" rückt die Bundesregierung die Lebensqualität in den Fokus ihres Regierungshandelns. Sie soll Maßstab für eine erfolgreiche Politik werden.

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