Tüfteln an der Arbeit 4.0

Arbeitsministerium fördert Projekte Tüfteln an der Arbeit 4.0

Unternehmen und Verwaltungen, die mit neuen Arbeitsformen experimentieren, können sich für eine finanzielle Unterstützung bewerben. Bewerbungsschluss ist der 30. Oktober 2017. Das Bundesarbeitsministerium übernimmt bis zu 70 Prozent der Kosten.

Eine Mitarbeiterin des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation präsentiert einen Rollcontainer für einen wechselnden Arbeitsplatz.

Flexibel, digital, vernetzt - wie Arbeiten 4.0 aussehen kann, sollen Arbeitgeber und Belegschaft gemeinsam entwickeln.

Foto: Martin Stollberg

Zukunftsfähig arbeiten - aber wie? Viele Unternehmen und Verwaltungen haben dafür gute Ideen, wollen neue Arbeitsweisen entwickeln und ausprobieren. Das Bundesarbeitsministerium (BMAS) fördert solche Projekte für die Arbeitswelt von Morgen mit einem Zuschuss. Bis zu 70 Prozent der Kosten können aus Bundesmitteln finanziert werden. Mindestens 30 Prozent sind als Eigenanteil zu erbringen. Sowohl Personal- als auch Sachausgaben können bezuschusst werden.

Am 30. Oktober ist Bewerbungsschluss!

Im ersten Schritt reichen die Unternehmen oder Verwaltungen eine Projektskizze mit grobem Finanzplan ein. Wird sie als förderfähig bewertet, folgt im zweiten Schritt der förmliche Antrag auf die Projektförderung. Die Förderung beginnt frühestens im ersten Halbjahr 2018 und dauert maximal drei Jahre. Rechtliche Grundlage für den Zuschuss ist die Förderrichtlinie "Zukunftsfähige Unternehmen und Verwaltungen im digitalen Wandel".

Nachmachen erwünscht

Die Ergebnisse sollten beispielgebend sein und Impulse für andere setzen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen – deren Ressourcen oft knapp sind – sollen sich angesprochen fühlen. Gleichzeitig soll ihnen die Projektförderung einen Anreiz bieten, eigene Vorhaben einzubringen.

Auf dem Online-Portal der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) können teilnehmende Unternehmen und Verwaltungen ihre Projektergebnisse vorstellen und sich austauschen. Die gewonnenen Erfahrungen werden so verbreitet und sollen zum Nachahmen anregen.

Denn fast alle Unternehmen stehen heutzutage vor ähnlichen Fragen: Wie wirken Mensch und Technik künftig zusammen? Welches Wissen braucht es dafür? Was bedeutet das für die Arbeitsorganisation? Was müssen Führungskräfte leisten? Welche Arbeitszeitmodelle sind denkbar? Wie muss die Arbeit aussehen, damit sie nicht krank macht? Wie sieht Mitbestimmung aus?

Kleine Ideen mit großer Wirkung

Ob Führung, Arbeitsorganisation, Chancengleichheit und Teilhabe, Gesundheit oder Wissensmanagement – neue Konzepte braucht es in all diesen Themenfeldern. Deswegen soll das Projekt in mindestens einem davon angelegt sein. Besonders interessant sind Vorhaben, die sich mit guten und gesunden Arbeitsbedingungen beschäftigen.

Zum Beispiel: Wie verträgt es sich mit dem Datenschutz, wenn durch digitales Arbeiten viele Daten erfasst werden? Und wie lässt sich orts- und zeitflexibler arbeiten? Das kann gerade für Beschäftigte mit Betreuungspflichten oder Menschen mit Behinderung relevant sein. IT-basierte Konzepte zur Planung von Schichtarbeit sind genauso gefragt wie digitale Wege der Personalentwicklung.

Die Projektgröße ist dabei nebensächlich. Denn auch kleine Lösungen können große Wirkung entfalten.

Fehler sind erlaubt

Wichtig für erfolgreiche Projekte zum Arbeiten 4.0 ist ein Miteinander von Leitung und Belegschaft. Dafür kommen sie in einem geschützten Umfeld ohne Vorbehalte zusammen. Hier sind Fehler erlaubt, Ideen dürfen verworfen, Methoden können verbessert werden.

Solche "Lern- und Experimentierräume" sind nicht ortsgebunden. Denn Ideen entwickeln, lernen und ausprobieren kann grundsätzlich überall stattfinden – im täglichen Arbeitsumfeld, einem Seminar- oder Forschungsraum, beim Wochenend-Workshop oder auf der grünen Wiese. Hauptsache ist, dass das Ergebnis am Ende für alle passt.

Deswegen werden nur Projekte gefördert, die die Interessen von Arbeitgebern und Beschäftigten gleichermaßen berücksichtigen. Zudem müssen sie von wissenschaftlichen Einrichtungen – zum Beispiel von Instituten, Hochschulen oder Akademien – begleitet und evaluiert werden.

Der Begriff Arbeiten 4.0 knüpft an die "industriellen Revolutionen" an:

Arbeiten 1.0 – Am Ende des 18. Jahrhunderts geht die Agrargesellschaft in die Industriegesellschaft über. Erste Arbeiterorganisationen entstehen.
Arbeiten 2.0 – Am Ende des 19. Jahrhunderts beginnt die Massenproduktion von Waren. Soziale Probleme verschärfen sich durch die Industrialisierung. Die Sozialversicherung wird eingeführt.
Arbeiten 3.0 – Ab Mitte des 20. Jahrhunderts verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Augenhöhe. Der Sozialstaat festigt sich. Ab etwa 1980 wird die Produktion immer stärker automatisiert.
Arbeiten 4.0 – Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wird die Arbeitswelt vernetzter, digitaler, flexibler. Das führt zu neuen Arbeitsformen.