Provenienzforschung

Transparenz bei kolonialen Kontexten

Der Deutsche Museumsbund hat einen Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten erarbeitet. Kulturstaatsministerin Grütters ist zuversichtlich, dass der Leitfaden die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte voranbringt. "Viel zu lange war die Kolonialzeit ein blinder Fleck in unserer Erinnerungskultur".

Vorstellung des Leitfadens des Deutschen Museumsbundes.

Umfassender Diskussionsbeitrag: Der Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten.

Foto: Bundesregierung/Loos

Für Kulturstaatsministerin Grütters ist das Werk des Deutschen Museumsbundes ein wichtiger Schritt bei einem aktuell überaus wichtigen Punkt auf der kulturpolitischen Agenda: "Es ist mein Ziel, in dieser Legislaturperiode Grundsätze für den Umgang mit den Kulturgütern aus kolonialen Kontexten in Sammlungen und Museen zu erarbeiten - als konsequente Fortsetzung einer Erinnerungspolitik", betonte Grütters am Montag.

Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien (l.), mit Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museum Bremen und Leiterin der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des Leitfadens (M.), und Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes (DMB, r.), …

Gemeinsames Ziel: Kulturstaatsministerin Grütters, Eckart Köhne, DMB-Präsident Köhne und die Leiterin der Arbeitsgruppe, Wiebke Ahrndt

Foto: Bundesregierung/Loos

Gemeinsam mit ihr haben der Museumsbund-Präsident Eckart Köhne und die Direktorin des Übersee-Museums Bremen, Wiebke Ahrndt, den Leitfaden am Montag im Bundespresseamt vorgestellt. Eine 14-köpfige Arbeitsgruppe hat daran mitgearbeitet.

Transparenz und Dialog notwendig

Schon in ihrer ersten Amstzeit hatte Grütters die Provenienzforschung stark vorangetrieben, insbesondere bei der Aufarbeitung von Werken, die die Nationalsozialisten geraubt hatten. "Es ist wichtig, dass die Provenienzforschung auch bei Beständen aus kolonialen Kontexten mit Nachdruck wahrgenommen wird". Dies erfordert Transparenz und den Dialog aller Beteiligten. Idealerweise sind bei einem Kunstwerk oder Exponat alle früheren Besitzverhältnisse bekannt. Einen Austausch auf Augenhöhe zu führen, ist aber nur möglich, wenn gesicherte Daten zu Erwerbs-, Sammler- und Objektgeschichte vorliegen.

Hilfe für Museen auch bei Rückforderungen

Der neue Leitfaden biete dazu eine wichtige Grundlage, so Grütters und soll als Impulsgeber wie als Hilfestellung bei der musealen Arbeit sowie bei möglichen Rückgabeforderungen dienen. Er erläutert Begrifflichkeiten, kategorisiert die kolonialen Kontexte, erläutert ausführlich den europäischen Kolonialismus, die Sammlungsgeschichte der Museumssparten und liefert konkrete Handlungsempfehlungen.

Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien (l.), mit Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museum Bremen und Leiterin der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des Leitfadens (M.), und Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes (DMB, r.), …

Vorstellung im Presszentrum des Bundespresseamts.

Foto: Bundesregierung/Loos

Fortschritt in der Aufarbeitung

"Ich bin zuversichtlich, dass dieser Leitfaden, angepasst an die Umstände des Einzelfalls, zu Lösungen für den Umgang mit sensiblen Sammlungsbeständen beiträgt – und damit zum Fortschritt in der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Deutschlands und Europas. Dieser Aufgabe sollten und müssen wir uns mit Aufrichtigkeit stellen. Viel zu lange war die Kolonialzeit ein blinder Fleck in unserer Erinnerungskultur."

Ein umfassender Beitrag zu einer Diskussion, die gerade erst beginnt, so Grütters. Ermöglicht wurde die Publikation durch die finanzielle Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Den Leitfaden finden Sie hier

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