Stereotype aufbrechen, Vielfalt sichtbar machen

Aktionstag „Solidarität mit Juden und gegen Antisemitismus“ Stereotype aufbrechen, Vielfalt sichtbar machen

Welche Bilder vermitteln deutsche Medien von Jüdinnen und Juden? Spiegeln sie die Vielfalt ihrer Lebensentwürfe wider? Wo bedienen sie Klischees, wo brechen sie sie? Diesen Fragen hat sich ein Thementag in Berlin gewidmet, der im Gedenken an den Anschlag auf die Synagoge von Halle vor zwei Jahren stattfand.

Konferenzsituation: Konferenzteilnehmer betrachten einen Einspieler zur Sendung "Freitagnacht Jews"

Stereotype aufbrechen: Die Sendung „Freitagnacht Jews“ ist ein Beispiel für neue Medienformate, die heutiges jüdisches Leben in den Fokus rücken.

Foto: Initiative kulturelle Integration / Svea Pietschmann

Medien prägen unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit entscheidend mit – auch die Bilder und Geschichten, die wir mit jüdischem Leben in Deutschland verknüpfen. Dass heute wieder mehr als 200.000 Jüdinnen und Juden hier eine Heimat gefunden haben und es gerade viele junge und kreative Menschen mit jüdischen Wurzeln nach Deutschland zieht, sei ein „unschätzbarer Gewinn“, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Auftakt des Thementages. Ein Geschenk, das mit der Verpflichtung zum Schutz jüdischen Lebens einhergehe. Grütters hob in diesem Zusammenhang die besondere gesellschaftliche Verantwortung der Medien hervor und die Notwendigkeit, die Realität in ihrer Vielfalt abzubilden. 

„Wir brauchen ein differenziertes Bild von Jüdinnen, Juden und jüdischem Leben in Deutschland und der Welt“, betonte Grütters. Es sei daher eine wichtige Aufgabe, die Medienberichterstattung, Soziale Medien sowie Mediennutzerinnen und -nutzer dafür zu sensibilisieren und Stereotype aufzubrechen. Insbesondere dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk komme hierbei eine Schlüsselfunktion zu, so die Staatsministerin.

Normalität und Vielfalt jüdischen Lebens sichtbar machen

Expertinnen und Experten aus Medien, Wissenschaft, Film und Museen waren zu dem Thementag „Medienbild im Wandel. Jüdinnen und Juden in Deutschland“ in der W. Michael Blumenthal Akademie in Berlin zusammengekommen. Im Fokus der Diskussion stand die Rolle medialer Bilder, nicht nur in den klassischen Medien, sondern auch auf Social-Media-Plattformen, in Filmen und Museen. 

Initiiert hatten den Thementag die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie die Initiative kulturelle Integration. Interessierte konnten die Veranstaltung im Livestream mitverfolgen.

Gedenken an Anschlag auf die Synagoge in Halle

Der Aktionstag „Solidarität mit Juden und gegen Antisemitismus“ wurde 2020 erstmals anlässlich des Jahrestags des Anschlags auf die Synagoge in Halle ins Leben gerufen. Am 9. Oktober 2019 hatte ein Attentäter nach einem gescheiterten Versuch, gewaltsam in die Synagoge einzudringen, zwei Menschen getötet und weitere Personen schwer verletzt. In diesem Jahr fand der Gedenktag zum zweiten Mal statt.

Die Initiatoren möchten mit dem Aktionstag ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus und für Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen. Zugleich soll der Aktionstag mit verschiedenen Begegnungsformaten zum Austausch zwischen Juden und Nicht-Juden in Deutschland anregen. 

Zum Auftakt wurde 2020 ein Fotowettbewerb ausgelobt. Die Wanderausstellung zu den zehn prämierten Bildern konnte in den vergangenen Monaten bereits an vielen Orten bundesweit gezeigt werden. Sie wurde auch im Rahmen des diesjährigen Thementags in der W. Michael Blumenthal-Akademie präsentiert. 

Der Aktionstag wurde durch die Initiative kulturelle Integration (IKI) veranstaltet, einem breiten Bündnis aus 28 Organisationen der Zivilgesellschaft, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Medien, kommunalen Spitzenverbänden, den Sozialpartnern und Migrantenverbänden sowie vier Ressorts der Bundesregierung. Sie wird finanziert aus dem Haushalt der BKM, die Mitgründerin und Schirmherrin ist.