Ausstellung zum Europäischen Kulturerbejahr

Tempelhof: Geschichte eines Flughafens

In der Ausstellung "EIN WEITES FELD" zeichnet die Stiftung Topografie des Terrors die bewegte Geschichte des Flughafens Tempelhof nach. "Erinnerungsorte wie dieser vermitteln, wie sehr die Bürgerinnen und Bürger Europas einander über nationale Grenzen hinweg verbunden sind", erklärte Kulturstaatsministerin Grütters.

Kulturstaatsministerin Grütters bei ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung 'EIN WEITES FELD' auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Grütters: "Wir brauchen die eindringlichen Botschaften authentischer Erinnerungsorte."

Foto: Jürgen Sendel/Stiftung Topographie des Terrors

Einst Propagandabühne für die Nazis, später Start- und Landebasis für die sogenannten Rosinenbomber während des Kalten Krieges, heute größtes Naherholungsgebiet mitten in der Hauptstadt: Der Flughafen Tempelhof hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Im Europäischen Kulturerbejahr macht die Stiftung Topographie des Terrors diese nun in ihrer Ausstellung "EIN WEITES FELD. Der Flughafen Tempelhof und seine Geschichte" erfahrbar.

Die Topographie des Terrors gehört zu den meist besuchten Erinnerungsorten in Berlin. Auf dem Gelände neben dem Martin-Gropius-Bau und unweit des Potsdamer Platzes befanden sich während des "Dritten Reichs" die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamts. Die Stiftung wird seit 1994 gemeinsam durch das Land Berlin und den Bund finanziert. Die Kulturstaatsministerin fördert die Stiftung im Jahr 2018 mit rund zwei Millionen Euro.

Ort unermesslicher Qualen ...

Darin zeigt sich, dass das ehemalige Flughafengelände nicht nur Schaubühne für nationalsozialistische Propagandaveranstaltungen war. Weitgehend unbekannt war bislang die Tatsache, dass am Rande dieses Geländes das erste Konzentrationslager betrieben wurde.

Eröffnung der Ausstellung 'EIN WEITES FELD' auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Kulturstaatsministerin Grütters bei ihrem Rundgang zur Eröffnung der Ausstellung "EIN WEITES FELD".

Foto: Jürgen Sendel/Stiftung Topographie des Terrors

Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus 17 Nationen mussten hier unter unmenschlichen Bedingungen Rüstungsgüter produzieren.

Die Bedeutung des Flughafens während der NS-Zeit bildet daher auch den thematischen Schwerpunkt der Ausstellung. Die Schau zeige die Vielschichtigkeit dieses Erinnerungsortes mit beeindruckender historischer Tiefenschärfe, stellte Kulturstaatsministerin Grütters nach ihrem Ausstellungsrundgang fest.

... und Schlüsselort europäischer Demokratiegeschichte

"EIN WEITES FELD" leiste damit einen wichtigen Beitrag zur bisher nur sehr unzureichenden Aufarbeitung insbesondere der NS-Zwangsarbeit, erklärte Grütters, aber auch zur öffentlichen Auseinandersetzung mit der wechselvollen Geschichte Deutschlands und Europas im Europäischen Kulturerbejahr.

"Dieses aktuelle Europäische Themenjahr soll 400 Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges und 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges insbesondere für die jüngere Generation erfahrbar machen, worauf Europa im wahrsten Sinne gebaut ist. Es führt uns vor Augen, wie hart errungen, mit wie viel Krieg, Leid und Gewalt bezahlt Demokratie, Toleranz und Freiheit in Europa doch sind", mahnte die Staatsministerin.

Tempelhof als Erinnerungsort zugänglich machen

Der Flughafen Tempelhof sei ein Kristallisationspunkt deutscher, europäischer und globaler Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts mit all ihren Brüchen, Umbrüchen und Aufbrüchen, fuhr die Staatsministerin fort. Die Ausstellung werde einmal mehr unterstreichen, "dass es sich lohnt, dieses – räumlich und zeitlich - 'weite Feld' gemeinsam zu vermessen und nicht nur als Naherholungsraum, sondern auch als Erinnerungsort zugänglich zu machen.

Es seien nicht zuletzt Erinnerungsorte wie dieser, "die eindringlich vermitteln, wie sehr die Bürgerinnen und Bürger Europas einander über nationale Grenzen hinweg verbunden sind," so Grütters. Deshalb sei es erfreulich, dass der Bund im Rahmen des Kulturerbejahres bisher mehr als 60 bundesbedeutsame Projekte mit Mitteln aus dem Kulturetat ermöglichen konnte, und dass dazu auch die Ausstellung "EIN WEITES FELD" samt Begleitprogramm und einer mehrsprachigen App gehöre.

Symbol transatlantischer Verbundenheit

Die Tempelhof-Schau erinnere im Übrigen nicht zuletzt auch daran, "was Deutschland den Westalliierten und insbesondere den USA zu verdanken hat - man denke nur an die 'Rosinenbomber', die Westberlin über ein Jahr lang versorgten: mit 2,1 Millionen Tonnen Gütern jeder erdenklichen Art, vor allem natürlich mit Lebensmitteln und Kohle, verteilt auf rund 280.000 Flüge!", rief Grütters in Erinnerung.

"Als überzeugte Transatlantikerin hoffe und glaube ich, dass das Wertebündnis für Freiheit und Demokratie, das in dieser Zeit zwischen Deutschen und Amerikanern geschmiedet wurde, auch eine Präsidentschaft unter dem Motto 'America first' überdauert", betonte die Kulturstaatsministerin.

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