Taskforce ebnet Weg für weitere Rückgabe

Kunstsammlung Gurlitt Taskforce ebnet Weg für weitere Rückgabe

Kulturstaatsministerin Grütters hat vor kurzem die Rückgabeverträge für ein Liebermann- und ein Matisse-Gemälde aus dem Schwabinger Kunstfund unterzeichnet. Nun hat die Taskforce ein weiteres Werk als "NS-verfolgungsbedingt entzogen" bestätigt.

Ein Mitarbeiter der 'Taskforce - Schwabinger Kunstfund' geht den Flur des Taskforce-Büros entlang.

Die Taskforce Schwabinger Kunstfund klärt die Herkunft von Werken aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt.

Foto: picture-alliance/dpa

Bei dem Gemälde handelt es sich um "La Seine vue du Pont-Neuf, au fond le Louvre" von Camille Pissarro (1830-1903) aus dem Jahr 1902.

Camille Pissarro: La Seine vue du Pont-Neuf, au fond le Louvre (1902)

Camille Pissarro: La Seine vue du Pont-Neuf, au fond le Louvre (1902)

Foto: Kunstmuseum Bern

Als Bestandteil des Schwabinger Kunstfundes wurde es von den Provenienzforschern der Taskforce nach aufwändiger Recherche zweifelsfrei als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut eingestuft. Damit ist der Weg frei für eine zügige Rückgabe des Werkes an die rechtmäßigen Besitzer. Kulturstaatsministerin Grütters stehe dazu bereits in Kontakt mit der betreffenden Erbin, erklärte sie.

"Es ist mir ein großes Anliegen, das Werk so schnell wie möglich zurückzugeben. Auch hier geht es weniger um die materielle Komponente als vielmehr um die Anerkennung der familiären Leidensgeschichte. Nach der Entscheidung des Amtsgerichts München, die das Kunstmuseum Bern als Erben bestätigt, hoffe ich, dass die Erbstreitigkeit bald endgültig beigelegt wird. Dann können Restitutionen und auch die Arbeit der Taskforce frei von rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Erben im Sinne der Opfer und ihrer Rechtsnachfolger durchgeführt werden", sagte Grütters.

Der Fall Gurlitt hat weltweit Aufsehen erregt. 2012 hatte die Staatsanwaltschaft Augsburg ein Ermittlungsverfahren gegen Cornelius Gurlitt eingeleitet und in der Münchener - und später auch in der Salzburger - Wohnung des Kunstsammlers rund 1.260 Kunstwerke sichergestellt. Bis zu 500 von ihnen stehen unter dem Verdacht der NS-Raubkunst. Um die Herkunft der Werke zu klären, vereinbarten der Bund und der Freistaat Bayern, die Taskforce Schwabinger Kunstfund aus internationalen Provenienzforschern einzusetzen und die unter NS-Raubkunstverdacht stehenden Werke der Sammlung auf der Internetdatenbank Lost Art zu veröffentlichen.

Taskforce Schwabinger Kunstfund startet Internetangebot

Die Kulturstaatsministerin wies in diesem Zusammenhang auf den neuen Internet-Auftritt der Taskforce hin: "Hier findet die Öffentlichkeit nun auch ein erstes Verzeichnis des Dokumentenkonvoluts aus dem Salzburger Nachlass von Cornelius Gurlitt, das der Taskforce seit dem 20. März 2015 endlich zur Verfügung gestellt wurde. Aus diesen umfangreichen Unterlagen erhoffen wir uns weitere wichtige Erkenntnisse über die Geschichte der Kunstwerke im Besitz von Hildebrand und Cornelius Gurlitt."

Vor dem Hintergrund der verspäteten Übergabe dieser Dokumente betonte Grütters: "Dass diese Unterlagen der Taskforce erst jetzt für eine verantwortliche, wissenschaftlich fundierte Auswertung zugänglich sind, ist mit Blick auf die Opfer der NS-Verfolgung und ihrer Erben mehr als nur bedauerlich."

In Abstimmung mit dem Kunstmuseum Bern, das Cornelius Gurlitt als Erben seines Nachlasses bestimmte hatte, und dem Nachlasspfleger werde eine Inventarliste der zahlreichen Dokumenten-Kisten auf der Webseite veröffentlicht. Alle Dokumente sollen im Auftrag der Taskforce digitalisiert werden. Die für die Provenienzrecherche relevanten Unterlagen und Dokumente werden dann schrittweise – wie schon bei den Geschäftsbüchern auf www.lostart.de geschehen – auf der Webseite der Taskforce veröffentlicht.