Straßenverkehr fit machen für die Zukunft

Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) Straßenverkehr fit machen für die Zukunft

Die Zahl der Verkehrstoten soll sich bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 2011 verringern: So heißt es im Verkehrssicherheitsprogramm der Bundesregierung. Um dieses und weitere Ziele für unsere Mobilität zu erreichen, forscht die Bundesanstalt für Straßenwesen an neuen Konzepten und Richtlinien.

Auf dem Testfeld: vorne ein Dummy auf einem Fahrrad, hinten ein Lkw.

Forscher der BASt entwickeln Prüfverfahren für Fahrerassistenzsysteme, die Radfahrer schützen sollen.

Foto: BASt

Unfälle, bei denen Radfahrer von rechts abbiegenden Lkw getötet werden, sind nicht sehr häufig, dafür aber sehr tragisch und vermeidbar. Lasterfahrer können den toten Winkel trotz mehrerer Spiegel in bestimmten Situationen schlecht einsehen. Fahrerassistenzsysteme mit Kamera und ausgeklügeltem Bilderkennungsprogramm könnten den Fahrer informieren, wenn ein Fahrrad rechts neben ihm fährt.

Das Gelände der BASt in Bergisch-Gladbach aus der Vogelperspektive

Die BASt in Bergisch-Gladbach

Foto: BASt

Genaue Kriterien für das Prüfverfahren solcher Systeme entwickeln die Forscher der BASt anhand von Versuchen mit einem mit Sensoren ausgestatteten Dummy. Dabei handelt es sich um eine dem Menschen in Größe und Gewicht nachempfundenen Puppe. Die neue Technik muss, um zugelassen zu werden, zuverlässig das bewegte Fahrrad erkennen und darf nicht auf Fußgänger, Straßenschilder oder Ähnliches reagieren.

Neue Systeme zulassen

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) entwickelt nicht selbst Fahrerassistenzsysteme, das ist Sache der Industrie. Die BASt erarbeitet die Testverfahren und Prüfmethoden für derartige Systeme und setzt sich in internationalen Gremien für Europa ein mit dem Ziel, dass der Einbau solcher Systeme bei neu zugelassenen Fahrzeugen gesetzlich vorgeschrieben wird.

Gefahr im Tunnel

Ein Mann arbeitet am Tunnelmodell. Vorne Modellautos.

Tunnelsicherheit im Modell

Foto: BASt

Eine weitere Gefahr für Verkehrsteilnehmer droht in Tunneln. Der Brand in einem Tunnel kann Menschenleben kosten, bedingt durch die Rauchgase, für deren Ableitung große Ventilatoren eingebaut sind. Wie groß diese allerdings wirklich sein müssen, wo und wie sie angebracht sind und wie sich Luft und Rauchgase überhaupt im Tunnel bewegen, weiß man bisher nicht so genau.

Die Forscher der BASt verfügen nun über das Modell eines fast 700 Meter langen Tunnels im Maßstab 1:18, durch das Modellautos fahren. Ausgeklügelte Messmethoden gestatten eine genaue Analyse der Luftbewegung in unterschiedlichen Situationen. Auch Brände und die Rauchentwicklung werden sich simulieren lassen. Langfristig werden die Ergebnisse genutzt werden können, um Tunnel immer sicherer zu machen.

Modelltunnel in der BASt

Modelltunnel in der BASt

Foto: BASt

Tipps zum richtigen Verhalten

Die Forscher betonen allerdings das wichtigste Ziel beim Tunnelbau: der Selbstschutz der Menschen. Hier sind technische Mittel zweitrangig. Entscheidend ist hier der Mensch selbst, der lernen muss, wie er sich im Gefahrenfall verhalten soll. Zu diesem Zweck produziert die BASt Filme und Broschüren zum richtigen Verhalten.

"Alle mittel- und langfristigen Prognosen zur Entwicklung des Verkehrs sagen einen deutlichen Anstieg sowohl des Personenverkehrs, als auch des Güterverkehrs voraus", sagt Stefan Strick, Präsident und Professor der BASt. Forschungen auf allen Gebieten des Verkehrs sollen die Sicherheit, Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit der Straßen verbessern.

BASt Interview Stefan Strick, Präsident und Professor der Bundesanstalt für Straßenwesen

Forschungsthema Straßenbau

Das Versuchsareal am Autobahnkreuz Köln-Ost aus der Vogelperspektive

Versuchsareal am Autobahnkreuz Köln-Ost

Foto: BASt

Die klassische Aufgabe des Instituts ist der Straßenbau. Straßen, insbesondere Fernstraßen und Autobahnen besitzen einen komplizierten mehrschichtigen Aufbau. Nur die oberste Schicht aus Asphalt oder Beton assoziieren wir mit dem Begriff Straße. Dabei ist der Unterbau, der meist aus regionalem Schotter und Sand besteht, besonders wichtig, um den immer mehr zunehmenden Schwerlastverkehr zu verkraften. Aber auch der Klimawandel mit häufiger werdenden Extremwetterereignissen und der Umweltschutz etwa bei der Lärmminderung erfordern immer neue Materialien und Techniken.

Asphaltiermaschine: Ein neues Testfeld wird asphaltiert

Ein neues Testfeld wird asphaltiert

Foto: BASt

Ob allerdings ein neuer Belag, ein neuer Unterbau auch wirklich der künftigen Belastung standhält, lässt sich im Labor nicht ausreichend sicher ermitteln. Auch in den Laborhallen der BASt, in denen bis zu 35 Meter lange Testfelder mit extra dafür entwickelten Maschinen stark belastet werden, befriedigen Forscher und Hersteller nicht mehr. Es entsteht daher in der Nähe der Autobahnkreuzes Köln-Ost ein Versuchsgelände. So können künftig auch auf längeren Untersuchungsabschnitten Neuerungen unter normalen äußeren klimatischen Bedingungen geprüft werden. Noch bevor die Anlage fertiggestellt ist, ist sie bereits mit Experimenten ausgebucht.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesverkehrsministeriums. Sie wurde 1951 gegründet. Ihre nationalen und internationalen Zuständigkeiten liegen auf dem Gebiet der wissenschaftlich-technischen Forschung für Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Straßenverkehrs- und Fahrzeugtechnik sowie Sicherheit und Verhalten im Verkehr.

Die BASt wurde 1970 auf Beschluss des Deutschen Bundestages zur zentralen Stelle für die Unfallforschung bestimmt. Seit 1983 hat sie ihren Sitz in Bergisch Gladbach auf einem rund 20 Hektar großem Gelände mit zehn Versuchshallen und teils weltweit einzigartigen Großversuchsständen.

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