5. Armuts- und Reichtumsbericht

Stabile Mitte, mehr Beschäftigung

Knapp zehn Jahre nach Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich die soziale Lage insgesamt positiv entwickelt. Auch im internationalen Vergleich steht die Bundesrepublik sehr solide da. Dies ist Kernbefund einer differenzierten Analyse der Lebenslagen in Deutschland.

Fussgaengerzone in Muenchen

Der Bericht belegt eine insgesamt positive Entwicklung der sozialen Lage in Deutschland.

Foto: Thomas Koehler/photothek.net

Er ist ein umfassendes Kompendium voller interessanter Informationen: Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht beschreibt auf mehreren hundert Seiten die soziale Lage der Bundesrepublik.

Der Bericht untersucht verschiedene Lebenssituationen, zum Beispiel Arbeit, Bildung und Gesundheit. Er ist auf die einzelnen Lebensphasen (frühe Jahre, junges Erwachsenenalter) und Übergangsphasen (Schuleintritt, Berufseinstieg) konzentriert. Zeitreihen mit Kernindikatoren aus früheren Berichten werden fortgeschrieben.

Zur Analyse des Berichtszeitraums 2012 bis 2016 griff das federführende Bundesministerium für Arbeit und Soziales nicht nur auf vorliegende Statistiken zurück. Es wurden auch eigene Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, um zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen. Zudem wurde die Entstehung des Berichts von mehreren Expertensymposien und einem Workshop mit von Armut betroffenen Menschen begleitet.

Seit Beginn der Arbeit am Armuts- und Reichtumsbericht informiert die Bundesregierung mit vielen Zahlen und Daten auf der Internetseite www.armuts-und-reichtumsbericht.de. Dort sind auch alle dem Bericht zugrunde liegenden Studien abrufbar.

Positive Rahmendaten

Ökonomische Stabilität und kontinuierliches Wirtschaftswachstum haben zur höchsten Beschäftigtenzahl und niedrigsten Arbeitslosigkeit seit der deutschen Einheit beigetragen. Seit 2005 hat sich die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um annähernd sechs Millionen Menschen erhöht.

Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Arbeitslosen in etwa halbiert, die Jugendarbeitslosigkeit ist sogar um rund 60 Prozent zurückgegangen. Erstmals seit 1993 ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen unter die Eine-Millionen-Marke gesunken. All diese positiven Entwicklungen sind zentral, um Armut effektiv verhindern zu können.

Absolute Armut sinkt

Seit 2005 steigen die Arbeitnehmerentgelte stärker als die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen. Auch die Reallöhne sind spürbar gestiegen, zuletzt vor allem für gering Qualifizierte. So stiegen die Nominallöhne der Ungelernten im Jahr 2015 um 4,1 Prozent.

Der Anteil derjenigen, die aufgrund eines vergleichsweise niedrigen Einkommens als armutsgefährdet gelten, ist in den vergangenen Jahren etwa gleich geblieben und hat sich zuletzt leicht erhöht. Die Zahl der von absoluter Armut betroffenen Menschen geht hingegen zurück. Nur wenige haben materielle Entbehrungen wie fehlende Mittel für Miete, Heizung, auskömmliche Mahlzeiten, Waschmaschine, TV oder Telefon.

Die Armutsrisikoquote misst den Bevölkerungsanteil mit einem Einkommen unterhalb von 60 Prozent des Medianäquivalenzeinkommens. Sie ist damit in erster Line ein Maß der Einkommensungleichheit. Die Quote gibt keine Auskunft über mögliche individuelle Bedürftigkeit, da nur die Höhe des äquivalenzgewichteten Einkommens betrachtet wird.

Stabile Mittelschicht

Befragungen aus dem Bericht kommen zu dem Ergebnis, dass Teile der Bevölkerung eine steigende Ungleichheit in Deutschland wahrnehmen. Der Bericht zeigt aber auch, dass nicht alle Wahrnehmungen anhand statistischer Daten bestätigt werden können. So sind beispielsweise zwischen 2005 und 2016 die Arbeitnehmerentgelte in Deutschland über neun Prozent stärker gestiegen als die Unternehmens- und Vermögenseinkommen.

Auch der Anteil der Bevölkerung im mittleren Einkommensbereich ist im Berichtszeitraum stabil geblieben. Nach wie vor gehören über drei Viertel der Bevölkerung der Mittelschicht an.

Armuts- und Reichtumsbericht
Gemäß der Beschlüsse des Bundestages vom 27. Januar 2000 und 19. Oktober 2001 muss die Bundesregierung jeweils zur Mitte der Legislaturperiode einen Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) vorlegen. Alle Organisationen und Verbände, die sich mit dem Thema befassen, werden verbindlich beteiligt. Der 5. ARB umfasst grundsätzlich den Zeitraum 2012 bis 2016, nach verfügbarer Datenlage bis einschließlich 2017. Er besteht aus einer Kurzfassung sowie einer Langfassung mit ausführlichen Analysen.

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