DDR-Volksaufstand am 17. Juni 1953

Sie werden nicht vergessen

Am Sonntag hat die Bundesregierung der Toten des 17. Juni 1953 gedacht. Zum Jahrestag des Aufstands erklärte Staatsministerin Grütters: "Wir dürfen und werden jene nicht vergessen, die für Freiheit und Demokratie auf die Straße gingen".

Kränze verschiedener Organisationen liegen am Donnerstag (17.06.2010) auf dem Friedhof Seestraße im Berliner Stadtteil Wedding unter dem Schriftzug "Den Opfern des 17. Juni 1953" bzw. neben dem Denkmal von Bildhauer Karl Wenke. Auf dem Friedhof fand die …

Acht Opfer des Aufstands wurden auf dem Friedhof Seestraße beigesetzt. Dort ist heute das zentrale Mahnmal.

Foto: picture alliance / ZB /Soeren Stache

Seit 1990 zähle die Erinnerung an die SED-Diktatur zum historischen Erbe des wiedervereinten Deutschlands, mahnte Kulturstaatsministerin Grütters in einer Erklärung vorab. Am Sonntag hat sie auf dem Friedhof Seestraße in Berlin, am zentralen Mahnmal für die Opfer, für die Bundesregierung einen Kranz niedergelegt und die Gedenkrede gehalten.

Unrecht der SED-Diktatur klar benennen

Was im Juni 1953 als Straßenprotest von Bauarbeitern gegen höhere Arbeitsnormen begann, weitete sich zum Volksaufstand in der DDR aus: Mindestens 55 Aufständische starben. Die SED-Machthaber hatten den Aufstand brutal niedergeschlagen.

"Das Unrecht der SED-Diktatur sichtbar zu machen und klar zu benennen, sind wir denjenigen schuldig, deren Hoffnungen auf ein Leben in Freiheit und Demokratie am 17. Juni 1953 von sowjetischen Panzern zermahlen wurden", erklärte die Kulturstaatsministerin.

Verantwortung für die Demokratie

Aus der Zivilcourage der Aufständischen vom 17. Juni 1953 könnten alle lernen, sich "als Wählende und für die Demokratie Verantwortliche zu begreifen", mahnte Grütters. "Gerade weil wir uns heute glücklich schätzen, in einem freien und geeinten Deutschland zu leben, dürfen und werden wir jene nicht vergessen, die am 17. Juni 1953 nicht zuletzt auch für Freiheit und Demokratie zu Hunderttausenden auf die Straße gingen."

Wert der Freiheit vermitteln

Ebenso wichtig sei es, der jungen Generation den Wert der Demokratie deutlich zu machen, betonte die Staatsministerin. "Wir stehen auch gegenüber der jungen Generation in der Pflicht zu vermitteln, wie hart errungen unsere demokratischen Freiheitsrechte sind und welche Gefahren für Demokratie und Menschenrechte von totalitären Ideologien ausgehen, in welchem Gewand auch immer sie daherkommen."

Neben Kulturstaatsministerin Grütters haben Vertreter des Landes Berlin und Vertreter der "Vereinigung 17. Juni" ebenfalls einen Kranz niedergelegt. An der Zeremonie nahmen auch Zeitzeugen, Angehörige von Opfern, Vertreter der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft und Vertreter von Einrichtungen teil, die sich um die Aufarbeitung des SED-Unrechts kümmern.

Gedenken während des Kalten Krieges

Im Gedenken an den Aufstand in der DDR erklärte die damalige Bundesrepublik Deutschland den 17. Juni als "Tag der deutschen Einheit" zum gesetzlichen Feiertag. Schon am 4. August 1953 wird ein entsprechendes Gesetz erlassen.

Der 17. Juni sollte fortan an die Menschen erinnern, die für ihre Rechte und ihre Freiheit gekämpft und unter der Niederschlagung des Aufstands gelitten haben. Vor allem aber soll er daran erinnern, dass die beiden deutschen Staaten, dass Ost und West zusammengehören.

In der DDR hingegen gab es kein Gedenken an die Opfer des 17. Juni.

Gedenken im wiedervereinten Deutschland

Der Aufstand in Ost-Berlin und der DDR zählt zu den prägendsten und bedeutendsten Ereignissen der jüngeren deutschen Geschichte. Ohne Kenntnisse darüber lässt sich die deutsche Geschichte der vergangenen Jahrzehnte kaum erklären noch verstehen. Das gilt für die Fluchtbewegung in den Folgejahren, die "Abstimmung mit den Füßen", ebenso wie für den Bau der Mauer, die systematische Verfolgung Andersdenkender, die Proteste gegen das Regime oder die Friedliche Revolution.

Mit dem Einigungsvertrag wurde der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit staatlicher Feiertag. Der 17. Juni hat seitdem den Status eines Gedenktages.

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