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Neue Hightech-Strategie

Sicherheit bei Großveranstaltungen

Panik im Fußballstadion – eine lebensgefährliche Situation. Forscher wollen wissen, wie sich Menschen im Gedränge verhalten, um Gefahren vorbeugen zu können: ein Projekt im Rahmen der Zukunftsaufgabe "Zivile Sicherheit" der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Projekt BaSiGo Experiment

Es wird eng bei der Großveranstaltung: Experiment vom Forschungszentrum Jülich.

Foto: Forschungszentrum Jülich / Marc Strunz-Michels

Im Fußballstadion beim Bundesligaspiel oder im Saal eines ausverkauften Konzerts: Wenn Menschen in Massen zum Ausgang drängen, kann es eng werden. Wie gefährlich solche Engpässe besonders bei Großveranstaltungen sein können, hat die Love Parade 2010 in Duisburg gezeigt. Wie kommt es zu einem Gedränge? Wie lassen sich Fußgängerströme leiten?

Projekt BaSiGo

Durch die Mütze identifizierbar

Foto: Forschungszentrum Jülich / Marc Strunz-Michels

Fußgängerströme sicher leiten

Wie die Ameisen wuseln die schwarz-weißen Punkte auf dem Computerbildschirm von Professor Armin Seyfried, Projektleiter im Forschungszentrum Jülich, umher. Dahinter verbergen sich die Teilnehmer eines Experiments. Sie tragen weiße Mützen, die mit einem schwarzen Muster ähnlich einem QR-Code versehen sind. Ihre Aufgabe besteht darin, an einer Kreuzung aneinander vorbei zu laufen. Das gestaltet sich allerdings umso schwieriger, je mehr Personen beteiligt sind und je enger der vorgegebene Weg ist.

Dynamik der Masse aufzeichnen

Im Juni 2013 führten Wissenschaftler des Jülich Supercomputer Centre (JSC) die weltweit größten Experimente zur Dynamik von Menschenmassen auf dem Gelände der Messe Düsseldorf durch. Über fünf Tage zeichneten sie die Bewegungsströme der insgesamt 2.500 Versuchspersonen per Videokamera auf. So beobachteten sie, wie sich Fußgänger an Kreuzungen und Engpässen verhalten und wie aus einem Stau letztendlich ein gefährliches Gedränge wird. "Fußgänger bewegen sich ungeordnet, denn im Gegensatz zum Straßenverkehr gibt es hier keine Regeln", betont Seyfried.

Video
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Film zum Forschungsprojekt „Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen“

Schwachstellen erkennen – Unfälle verhindern

Projekt BaSiGo

Der Blick der Forscher auf das Chaos

Foto: Forschungszentrum Jülich / Ralf Eisenbach

In ihren Experimenten stellten die Forscher aus Jülich typische Situationen von Großveranstaltungen nach. Dabei wollten sie herausfinden, wie die Menge zum Beispiel mit Anweisungen, Absperrungen oder Geländern gelenkt werden kann. Unter anderem testeten sie die Wirkung von Schildern wie die Darstellung eines Kreisverkehrs auf die Laufwege der Personen. Mit den Bewegungsdaten entwickelten sie dann Modelle zur Simulation von Fußgängerströmen. Die Modelle sollen dazu führen, dass Schwachstellen in der Planung von Großveranstaltungen frühzeitig erkannt werden – und eine Katastrophe wie die Love Parade 2010 in Zukunft verhindert werden kann.

Das Projekt "Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen" (BaSiGo) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. 17 Partner aus Forschung, Industrie, Feuerwehr und Polizei sind daran beteiligt.

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