Flüchtlinge frühzeitig informieren

Realistisches Deutschlandbild vermitteln

Flüchtlingen schon in ihren Heimatländern ein realistisches Deutschlandbild vermitteln und über die Risiken einer Flucht informieren: Dieses Ziel verfolgen aktuelle Kampagnen der Bundesregierung, die die Menschen von der Flucht abhalten sollen, berichtete Außenminister Steinmeier im Kabinett.

Ein Plakat mit der Aufschrift «Sie verlassen Afghanistan? Sind sie sicher?»

Plakataktion in Kabul um Afghanen von der Flucht abzuhalten: "Sie verlassen Afghanistan? Sind sie sicher?"

Foto: picture-alliance/dpa

Wer nach Deutschland kommt, weil er vor Krieg, Verfolgung und Terror flieht, hat Anspruch auf unsere Hilfe. Doch viele Menschen aus Krisenländern haben falsche Vorstellungen über die Einreisebedingungen nach Europa, ihre Aufnahmemöglichkeiten und die Lebensbedingungen in Deutschland. Darüber informierte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier das Kabinett.

Realistisches Bild vermitteln

Durch Falschmeldungen von Schleppern werden viele Menschen zur Flucht nach Europa und Deutschland ermuntert. Die Bundesregierung versucht, den gestreuten Gerüchten entgegenzuwirken. Sie nutzt gezielt die Foren und Netzwerke der Flüchtlinge, um ein realistisches und aktuelles Deutschlandbild zu vermitteln. So sollen Menschen über die Einwanderungs- und Asylbedingungen aufgeklärt werden. Auch vor den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gefahren von illegaler Migration werden sie gewarnt.

"Der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung im Ausland kommt angesichts der anhaltenden Flüchtlingsbewegungen und der Gefahren, die für die Menschen mit illegaler Migration einhergehen, in den Herkunfts- und Transitländern eine zentrale Bedeutung zu", betonte Regierungssprecher Steffen Seibert in der Regierungspressekonferenz.

Kampagnen gestartet

Mit verschiedenen Kampagnen und Aufklärungsmaßnahmen sind vor allem die Botschaften und Auslandsvertretungen in den Herkunftsländern aktiv. Über klassische Medien wie Fernsehen, Plakate und Flyer, aber auch über soziale Medien wie Facebook und Twitter klären sie die Flüchtlinge vor Ort möglichst schnell und umfangreich auf. "Wir haben diese Kommunikationsstrategien natürlich nicht pauschal über die Länder ergossen, sondern sie sind an die regionalen Besonderheiten angepasst", sagte der Regierungssprecher.

So startete die Botschaft Kabul zum Beispiel eine Plakatkampagne und zeigt landesweit Video-Clips in den Lokalsprachen Dari und Pashtu. Darin werden die Flüchtlinge über die Risiken der illegalen Migration aufgeklärt und zum Verbleib in den sicheren Gebieten Afghanistans aufgefordert.

Aufklärungskampagnen der Bundesregierung

Kampagnen sollen ein realistisches Deutschlandbild vermitteln.

Foto: Bundesregierung

"Rumours about Germany"

Auch mit der Aufklärungskampagne "Rumours About Germany" versucht die Bundesregierung über Twitter und Facebook vor allem junge Männer in Afghanistan über die Gefahren der Flucht und die Rahmenbedingungen für die Einwanderung nach Deutschland zu unterrichten. Gleichzeitig wird über das deutsche Engagement vor Ort informiert und die junge Generation zur Mitwirkung am Wiederaufbau ihres Landes ermuntert.

Bleibeperspektiven aufzeigen

Im Westbalkan, aber auch in Syrien, im Irak und in Afrika konzentrieren sich die Informationsstrategien darauf, den Menschen vor Ort Bleibeperspektiven aufzuzeigen und sie von einer Überfahrt nach Europa abzuhalten. Das Deutschlandzentrum in Kairo bietet beispielsweise täglich Informationen zu den Möglichkeiten, in den Anrainerstaaten zu bleiben und bindet auch Multiplikatoren vor Ort ein.

In Afrika wollen die Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen fliehen. Insbesondere im Maghreb und in Subsahara-Afrika sind viele Länder außerdem Herkunfts- und Transitländer zugleich. In diesen Staaten werden neben den Informationsmaßnahmen des Auswärtigen Amtes auch Projekte der Deutschen Welle (Africa on the Move) und des Bundesentwicklungsministeriums (Initiative Digitales Afrika) genutzt, um die Menschen über die Herkunfts- und Zielländer zu informieren. Die Diaspora in Deutschland spielt auch hier eine wichtige Rolle bei der Aufklärung.

Internationale Zusammenarbeit

Um in den Herkunfts- und Transitländern möglichst wirkungsvoll gegen illegale Migration vorzugehen, arbeitet die Bundesregierung mit der EU, verschiedenen EU-Partnern, internationalen Hilfsorganisationen und deutschen Institutionen vor Ort zusammen. Durch eine einheitliche und gemeinsame Informationsstrategie sollen Gerüchte wirkungsvoll entkräftet werden. Auch wird zielgerichtet auf Entwicklungsprojekte hingewiesen, die den Menschen eine Bleibeperspektive in ihren Heimatländern bieten.

Das Thema Flüchtlinge und Asyl wird bis auf weiteres ständiger Tagesordnungspunkt jeder Kabinettsitzung sein. Das sieht das Koordinierungskonzept zur Bewältigung der Flüchtlingssituation vor.

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