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BK’in Merkel: Meine Damen und Herren, der zweite Tag der China-Reise nach den Gesprächen gestern in Peking führte heute nach Wuhan in Zentralchina. Ich habe die Reise sehr bewusst gemacht. Diese Stadt, die ich noch nicht besucht hatte, hat über elf Millionen Einwohner und über eine Million Studentinnen und Studenten. Man sieht an einer solchen Stadt, vor welchen Dimensionen die Bürgermeister, Gouverneure und Parteisekretäre, die hier ja sehr stark Verantwortung tragen, stehen.

Man kann sich davon überzeugen, mit welcher Dynamik hier auch gearbeitet wird. Allein wenn man das Wohnungsbauprogramm sieht, merkt man, was dahintersteckt und vor welchen Problemen die Verantwortlichen hier stehen. Inzwischen spielt hier auch eine sehr viel größere Rolle, das möglichst umweltschonend zu machen. 

Ich konnte mich an der Universität davon überzeugen, dass die Studentinnen und Studenten sehr enge Beziehungen auch nach Deutschland haben. Der Wissenschaftsaustausch auch mit deutschen Universitäten spielt eine große Rolle - man wünscht sich sogar noch mehr Partnerschaften. 

Ich habe ein deutsch-chinesisches Krankenhaus, das Tongji-Krankenhaus, besuchen können. Daran, dass es dort schon 1900 eine Zusammenarbeit gab, sieht man, wie lange sich das durchträgt und wie viele auch in Deutschland gelernt haben, sodass sie hier mit diesem Wissen dann natürlich auch Aufbauarbeit leisten können. Man muss sagen, dass sich das chinesische Gesundheitssystem in den letzten Jahren sehr, sehr stark entwickelt hat und dass die Universitätskliniken inzwischen an vielen Stellen ein sehr, sehr hohes Niveau erreicht haben.

Danach konnte ich hier einen deutschen Zulieferer aus dem Automobilbereich besuchen, der allein 6,5 Millionen Schiebedächer verkauft und sich auch auf die Elektromobilität vorbereitet, und der mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hier sehr zufrieden ist.

Trotz völlig unterschiedlicher Systeme muss man doch sagen, dass China erhebliche Aufbauarbeitet leistet, um Menschen aus viel, viel ärmeren Verhältnissen in die Mittelschicht hinein zu holen. Das ist eine Aufgabe, die auch Respekt verlangt. Wir haben aber natürlich auch unterschiedliche politische Auffassungen; das ist gar keine Frage. Aber das hat gestern eine größere Rolle gespielt als heute.

Für mich war also sehr interessant, wie tief durch das Land in sehr, sehr großen urbanen Regionen die Dinge vorangehen.

Frage: Frau Bundeskanzlerin, haben Sie nach den Gesprächen gerade auch mit dem Präsidenten gestern jetzt ein besseres Gefühl dafür, was in Hongkong passieren wird und wie die chinesische Führung auf die Demonstrationen reagieren wird?

BK’in Merkel: Ich habe dafür geworben, dass Konflikte gewaltfrei gelöst werden, und gesagt, dass alles andere aus meiner Sicht eine Katastrophe wäre. Ich glaube, dass die Zurücknahme des Gesetzes ein Beitrag ist, aber es ist eben ein Land mit zwei Systemen, wie die Chinesen selber sagen. Das System in Hongkong gibt den Menschen mehr bürgerliche Rechte, als das in China der Fall ist. Ich hoffe - und habe mich jedenfalls sehr dafür eingesetzt -, dass es hier friedlich gelingt, diese Proteste zu bewerkstelligen.

Frage: Haben Sie denn den Eindruck, dass diese Nachricht beziehungsweise das Werben für eine friedliche Lösung auch bei der chinesischen Führung angekommen ist?

BK’in Merkel: Man hat mir zugehört, und das ist wichtig - wie es überhaupt wichtig ist, immer wieder im Gespräch zu bleiben. Ich glaube, solche Reisen sind sehr, sehr wichtig, auch wenn es um die Lösung anderer internationaler Konflikte geht. Dies ist ja bei weitem nicht der einzige Konflikt. Er steht in diesen Tagen bei uns berechtigterweise im Vordergrund, aber es gibt natürlich auch viele andere Menschenrechtsfragen, die hier in China zu diskutieren sind, und auch die davon betroffenen Menschen dürfen wir nicht vergessen.

Herzlichen Dank!