Im Wortlaut

Pressestatements von Bundeskanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron

in Marseille

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Freitag, 7. September 2018

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultanübersetzung)

P Macron: Guten Tag! Vielen Dank, Frau Bundeskanzlerin, liebe Angela, dass du heute hier in Marseille bist. Wir hatten bereits im Juli vereinbart, dass wir uns in Frankreich wieder treffen, um uns hier jetzt auf den Gipfel in Salzburg vorzubereiten. Wir hatten auch schon mehrere Gespräche am Telefon im Laufe des Sommers. Ich freue mich sehr, dass wir uns jetzt hier in Marseille wiedersehen können. Ich kann auch sagen - und der Bürgermeister von Marseille wird das gleich ebenfalls sagen -, wie stolz Marseille ist, die Bundeskanzlerin hier zu empfangen, dich heute hier zu empfangen.

Vor einigen Stunden standen sich unsere Fußballspieler gegenüber; in einigen Wochen werden das Marseille und Frankfurt sein. Jetzt sind wir heute hier, um die Zukunft vorzubereiten, und natürlich stehen hier viele Termine zu verschiedenen Themen an.

Heute Abend werden wir die gemeinsame Agenda, die wir im Juni in Meseberg vorbereitet haben, weiter bearbeiten, aber auch an Themen arbeiten, die mit den großen Herausforderungen unserer Zeit zu tun haben, also auch mit dem Thema der Migration. Die Stadt Marseille kennt das nur zu gut, wie natürlich auch der gesamte Mittelmeerraum, in dessen Herz wir uns heute befinden, und auch im Herzen der europäischen Politik. Wir wollen daraus eine Chance und keine Furcht machen.

Wir werden ebenfalls über den Brexit und über die nächsten Termine, die dazu anstehen, sprechen. Wir werden auch über die gemeinsame Verteidigung, unsere gemeinsame Außenpolitik, unsere gemeinsamen Interessen außerhalb der Grenzen, die Vertiefung der Eurozone, die digitale Welt und weitere Themen sprechen.

Einmal mehr, liebe Angela: Ganz herzlichen Dank, dass du heute in Marseille bist, um diesen politischen Herbst und die Agenda für den nächsten Monat, die sehr voll ist, vorzubereiten. Ich weiß aber, dass Deutschland und Frankreich weiterhin gemeinsam arbeiten werden, um die Zukunft vorzubereiten.

Vielen Dank!

BK’in Merkel: Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Emmanuel Macron, ich freue mich sehr, heute hier in Marseille zu Gast sein zu können, denn Marseille ist eben auch ein wichtiges Stück Frankreich, und deutlich zu machen, dass Frankreich mehr ist als Paris - obwohl Paris wunderschön ist -, ist, glaube ich, auch richtig. Deshalb danke ich, dass wir hier sein können.

Marseille ist eine europäische Stadt, 2013 war sie Kulturhauptstadt Europas; deshalb ist dies auch ein wunderbarer Punkt, an dem wir unseren Weg von Meseberg mit der Agenda für Europa fortsetzen können. Wir werden in wenigen Monaten Europawahl haben, aber wir wollen bis dahin noch einiges schaffen.

Dazu gehört in der Tat die Weiterentwicklung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und der Bankenunion, aber eben auch die Stärkung der Eurozone.

Dazu gehören die Fragen die Migration. Wie du schon gesagt hast, ist Marseille dafür in der Tat ein geeigneter Ort. Deutschland und Frankreich haben hier dieselbe Art des Herangehens an die Probleme, und Europa muss sich in dieser Frage eben auch beweisen.

Außerdem müssen wir bedauerlicherweise das Thema des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union bearbeiten. Wir wollen das aber in einem Geist gestalten, der uns später auch enge Partner sein lässt; denn wir brauchen einander in sicherheits- und verteidigungspolitischen Dingen.

Wir werden auch über das Thema Verteidigungsunion sprechen, das wir angesichts der vielen außenpolitischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, fortentwickeln müssen.

Sie können also davon ausgehen, dass wir mit Blick auf die Wochen des Herbstes eine reich gefüllte Tagesordnung haben. Aber so, wie wir in Meseberg einige Probleme lösen konnten, bin ich sehr optimistisch, dass wir auch weiter gemeinsam vorangehen - für ein Europa, das selbstständig ist, für ein Europa, das eigenständig seine Probleme lösen kann. Ich muss als deutsche Bundeskanzlerin sagen: Ich war in den letzten Wochen oft sehr froh, dass wir eine gemeinsame Währung haben und dass wir eine gemeinsame Handelspolitik haben. Das macht uns stärker, und an dieser Souveränität Europas müssen wir weiter arbeiten.

Danke für die Einladung in diese wunderschöne Stadt mit dieser wunderbaren Kulisse!

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