Im Wortlaut

Pressestatement von Bundeskanzlerin Merkel im Rahmen des Besuchs der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt des DDR-Staatssicherheitsdienstes

in Berlin-Hohenschönhausen

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Freitag, 11. August 2017

BK’in Merkel: Meine Damen und Herren, ich möchte mich bei Hubertus Knabe ganz herzlich bedanken, dass ich heute wieder die Gedenkstätte in Hohenschönhausen besuchen konnte.

Es zeigt sich, dass auf der einen Seite hier sehr viel geschaffen wurde und auf der anderen Seite aber auch noch sehr viel zu tun ist. Kulturstaatsministerin Monika Grütters und ich sind der Meinung, dass sich der Bund gemeinsam mit dem Land Berlin hier natürlich engagieren will, engagiert hat und weiter engagieren wird, um diesen Ort der Erinnerung offenzuhalten und damit auch deutlich zu machen, dass wir nur eine gute Zukunft gestalten können, wenn wir uns der Vergangenheit annehmen. Das Unrecht, das in der DDR geschehen ist, das hier auch viele Menschen persönlich in schrecklicher Weise erfahren mussten, darf nicht in Vergessenheit geraten, um eben einfach auch die Freiheit, die Demokratie von heute schätzen zu können.

Ich bin besonders dankbar, dass Herr Fröhnel und Herrn Drefke mich heute als ehemalige Gefangene auf einigen dieser Stationen begleitet haben. Natürlich hat mich besonders beeindruckt, dass Herr Fröhnel mir einen Schlüssel aus Bautzen übergeben hat, den ich im Kanzleramt natürlich an entsprechender Stelle ausstellen werde, um nie in Vergessenheit geraten zu lassen, dass das, was wir heute als selbstverständlich nehmen, viele, viele Jahre nicht selbstverständlich war.

Ich freue mich sehr, dass so viele Schulklassen, so viele Besucher hier nach Höhenschönhausen kommen - im vergangenen Jahr fast eine halbe Million. Ich bin sehr betroffen, dass zum Teil sogar Führungen abgesagt werden müssen; fast 50 000 Menschen mehr hätten hierherkommen können. Deshalb werden wir natürlich auch prüfen, ob wir noch andere Möglichkeiten haben, um Menschen diesen Kontakt mit der Vergangenheit, diesen sehr authentischen und damit auch sehr schmerzhaften und sehr bewegenden Kontakt, zu ermöglichen.

Aber erst einmal herzlichen Dank für Ihre Arbeit, Herr Knabe, für die Arbeit Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der vielen Freiwilligen. Wir werden uns im Deutschen Bundestag und auch mit dem örtlichen Abgeordneten dafür einsetzen, dass wir hier weiterarbeiten und sich auch der Bund an diesem Gedenkort von überregionaler Bedeutung weiterhin aktiv beteiligt.

Gerade wenige Tage vor dem 13. August, dem Tag des Mauerbaus im Jahre 1961, ist der Besuch dieser Gedenkstätte für mich noch einmal von besonderer Bedeutung. Es scheint lange her, aber es mahnt uns, heute auch kraftvoll für Freiheit und Demokratie einzutreten. Deshalb bin ich auch sehr froh, dass hier in der Gedenkstätte Arbeit gegen Linksradikalismus geleistet wird, denn das sind Erscheinungsformen von heute, die wir nicht negieren können, sondern um deren Bekämpfung wir uns kümmern müssen. Ich glaube, dieser Ort ist besser als viele andere dafür geeignet, das auch sehr authentisch tun zu können.

Herzlichen Dank!

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