Im Wortlaut

Pressestatement von Bundeskanzlerin Merkel beim Gipfeltreffen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union

in Abidjan

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Mittwoch, 29. November 2017

BK'in Merkel: Guten Morgen! Wir sind als Europäer heute hier in der Elfenbeinküste für den EU-AU-Gipfel zu Gast.

Ich konnte heute Morgen bereits ein Gespräch mit dem Gastgeber, Präsident Ouattara, über die Lage hier in der Elfenbeinküste führen. Das Gastgeberland hat in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung vorweisen können, und es gehört damit zu den afrikanischen Ländern, die durchaus optimistisch in die Zukunft sehen wenngleich die sozialen Ungleichheiten noch sehr groß sind und, gerade was die Verteilung des Wohlstandes anbelangt, noch vieles zu tun ist. Der Präsident macht dennoch einen gefestigten Eindruck, dass er für wirtschaftliche Entwicklung und für Frieden und Sicherheit in dieser Region auftritt. Das ist ja auch eines der großen Themen, die hier auf diesem Gipfel der Europäischen Union mit der Afrikanischen Union eine Rolle spielen werden: sowohl wirtschaftlicher Wohlstand, wirtschaftliche Entwicklung, als auch Sicherheit und Frieden, und das natürlich ganz besonders mit Blick auf die afrikanische Jugend.

Die Elfenbeinküste gehört zu dem westafrikanischen Staatenverbund, und dieser hat sich gerade auch der Herausforderung der Demografie angenommen. Man will hier bis 2030 sichtbare Resultate erzielen, und ich habe mit dem Präsidenten heute gerade auch über diese Frage gesprochen, die natürlich aufs Engste mit der Frage der Bildung von Kindern und Jugendlichen ganz besonders von Mädchen verbunden ist. Insofern wollen wir die Elfenbeinküste auch verstärkt unterstützen. Wir hatten jahrelang keine Entwicklungshilfe. Seitdem Präsident Ouattara im Amt ist, also seit 2011, haben sich die Beziehungen wieder intensiviert, und demzufolge hat die Elfenbeinküste auch als eines der ersten Länder die Möglichkeit des Compacts mit Afrika aufgenommen diese Initiative haben wir ja während unserer G20-Präsidentschaft aufgelegt. Hier arbeitet die Elfenbeinküste intensiv mit, und der Präsident hat mir gegenüber heute noch einmal erklärt, dass das für ihn sehr wichtig ist. Die Frage, wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerade auch für die verarbeitende Industrie verbessert werden können, spielt hierbei eine große Rolle. Die Elfenbeinküste ist der zentrale Hersteller von Kakao, und der Präsident hat an diesem Beispiel noch einmal deutlich gemacht, dass Verarbeitung in seinem Land viel zu wenig stattfindet und er sich mit Blick auf den Wohlstand der Menschen mehr Verarbeitungsstufen hier im Land wünscht.

Ich werde eine Vielzahl von weiteren bilateralen Gesprächen führen, bevor dann am Mittag der eigentliche Gipfel beginnt, und werde damit einen Überblick bekommen. Das gilt natürlich auch mit Blick auf ein Thema, das uns sehr beschäftigt: das Thema der illegalen Migration. Man kann sagen, dass dieses Thema hier auf dem afrikanischen Kontinent wirklich flächendeckend eine Rolle spielt; denn es gibt Berichte darüber, dass afrikanische junge Männer in Libyen wie Sklaven verkauft werden, und damit hat das Thema hier eine hohe emotionale Bedeutung bekommen. Ich glaube, daraus ergibt sich auch ein gemeinsames Interesse daran, die illegale Migration zu beenden und stattdessen legale Möglichkeiten für Menschen aus Afrika zu schaffen, bei uns eine Ausbildung zu bekommen und studieren zu können. Insofern hat hier natürlich auch das Thema Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der illegalen Migration eine Rolle gespielt, und das werde ich auch mit vielen anderen afrikanischen Staats- und Regierungschefs vertiefen. Sehr wichtig ist aber, dass wir die Afrikaner einfach auch dabei unterstützen, der illegalen Migration dahingehend das Handwerk zu legen, dass nicht Menschen auf schrecklichste Weise entweder in Lagern in Libyen sind oder sogar gehandelt werden, was die Afrikaner richtigerweise und mich genauso empört. Damit haben wir hier auch ein gemeinsames Anliegen, das auf dieser Konferenz sicherlich auch eine Rolle spielen wird.

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