Im Wortlaut

Pressestatement von Bundeskanzlerin Merkel beim Besuch der Bundeswehrsoldaten auf der Luftwaffenbasis Al-Azraq

in Al-Azraq

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Donnerstag, 21. Juni 2018

BK'in Merkel: Liebe Soldatinnen und Soldaten, ich freue mich, dass ich heute hier in Al-Azraq bin. Ich habe heute Vormittag die Deutsch-Jordanische Universität besucht. Da sieht man ein Bild, wie wir auch jordanische junge Leute ausbilden. Dann habe ich mit dem König und dem Ministerpräsidenten Gespräche geführt. Jetzt war es mir ein Herzensanliegen, auch Sie hier in Al-Azraq zu besuchen. Denn wir wissen, dass Sie hier gut aufgenommen sind. Der König hat mich gebeten, Ihnen ganz herzliche Grüße zu übermitteln. Man freut sich über die deutschen Soldaten hier in Jordanien. Wir haben ja auch eine Ertüchtigungsinitiative mit Jordanien. Insgesamt ist die deutsch-jordanische Zusammenarbeit in den letzten Jahren doch sehr angestiegen.

Sie versehen hier einen wichtigen Dienst. Ihr Chef hat mir eben einen Einblick in das gegeben, was Sie tun. Die Operation gegen den IS ‑ oder gegen Da’esh, wie man hier in der Region sagt ‑ ist natürlich eine Operation, an der man auch den Erfolg sieht. Die Operation ist nicht beendet. Wir haben auch die Rückzugsvarianten ins Auge gefasst. Wir haben auf den Bildern gesehen, wie der Einflussbereich von Da’esh zurückgegangen ist. Nicht bei jedem Einsatz sieht man ja so, wie es vorangeht. Dennoch kann man auch erkennen, dass die Rückzugsräume immer noch da sind und dieser Einsatz deshalb weiterhin geflogen werden muss.

Sie sind Teil eines interessanten und wirklich nicht einfachen Verbundes von Streitkräften. Wenn man über internationale Zusammenarbeit spricht, über multilaterale Zusammenarbeit, dann muss sich hier wirklich jeder auf jeden verlassen können. Sie stellen natürlich wichtige Informationen für andere zur Verfügung, die dann die Bekämpfung der Ziele vornehmen müssen. Wir wissen ‑ deshalb haben Sie eine so wichtige Mission; das will ich ausdrücklich noch einmal sagen ‑, dass die Terroranschläge von Paris von Rakka aus geplant wurden und dass zwischen unserer Sicherheit zu Hause und dem, was Sie hier tun, ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Deshalb helfen Sie den Menschen in Deutschland, sicherer zu leben. Das ist wirklich ein großer Beitrag.

Die Umgebung hier ist, sagen wir einmal so, überschaubar. Wir haben eben auch darüber gesprochen, dass die Sicherheitslage natürlich trotzdem so ist, dass Sie nicht einfach aus dem Camp hinauskommen. Deshalb ist es, denke ich, gut, dass Sie hier ein schönes Camp haben. Aber insgesamt ist es auch wichtig für uns, aber auch für die mitreisenden Bundestagsabgeordneten, dass wir sehen, was für ein Mandat das ist. Wenn man das hier vor Ort sieht, hat man natürlich ein ganz anderes Gefühl für die Dinge, als wenn wir dieses Mandat einfach im Deutschen Bundestag beschließen. Insofern glaube ich, dass die Bundeswehr ‑ oft wird ja auch darüber geschrieben, was alles nicht geht ‑ an dieser Stelle zeigen kann, dass sie ein verlässlicher, wichtiger Partner in einer großen internationalen Organisation ist.

Ich freue mich, in wenigen Minuten mit einigen von Ihnen noch ein bisschen mehr im Detail sprechen zu können. Die Region rückt geistig viel näher an uns heran, als das früher der Fall war, durch die Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, durch Ihre Arbeit, auch wenn man sieht, wo überall in der Region wir jetzt vereinzelt Soldaten haben, von Bagdad über Erbil bis Katar und hier an dieser Stelle, auch noch in der Türkei, in Konya, im NATO-Zusammenhang. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber irgendwo entwickelt sich dann doch dieses Gefühl, dass das alles gar nicht so weit weg ist. Es ist zwar völlig anders und auch schon in einiger Flugentfernung, aber insgesamt doch vor unserer Haustür und eben mit direkten Wirkungen auf uns. Deshalb entwickeln wir auch politisch ein Gefühl dafür, dass das, was wir hier unterlassen, zum Beispiel die Finanzierung von Flüchtlingscamps in Jordanien oder die Nichtbeschulung von Kindern oder das Gleiche im Libanon, letztlich ganz intensive Auswirkungen auf uns hat.

Wenn Sie sich hier mit den Gegebenheiten, auch den militärischen Gegebenheiten, in Syrien befassen, dann sehen Sie, wie eng die früher im Kalten Krieg ja völlig verfeindeten Blöcke zusammengerückt sind. Koordinierung mit Russland gehört sozusagen zur Tagesaufgabe. Denken Sie an unseren NATO-Partner Türkei mit wiederum natürlich sehr eigenen Interessen in dieser Region.

Insofern zeigt sich hier auch, wie geschichtliche Zusammenhänge im Grunde wieder auferstehen. Ich habe mir neulich noch einmal angeschaut, was nach dem Ersten Weltkrieg eigentlich passiert ist. Damals ist die ganze Region neu aufgeteilt worden. Die Sykes-Picot-Linie ist ja so entstanden, dass man gesagt hat: Von Acre in Israel bis zum zweiten K von Kirkuk wird jetzt eine Linie gezogen. Ein Teil kommt zu Großbritannien, der andere zu Frankreich. Die Nachwirkungen spüren Sie hier in der Region noch an vielen, vielen Stellen, weil sich viele Nationen hier auch gar nicht so entwickelt haben, wie das bei uns über viele Jahrhunderte ‑ leider auch mit sehr vielen Kriegen ‑ stattgefunden hat.

Insofern danke ich Ihnen noch einmal von ganzem Herzen für Ihre Arbeit für den Frieden und für die Sicherheit. Ich sage das etwas emphatisch. Das ist mit vielen Nachteilen auch für Ihre Familien verbunden, die auf Sie verzichten müssen. Einmal im Jahr lade ich ja Angehörige von Bundeswehrsoldatinnen und ‑soldaten ein, die das alles aus der Heimatperspektive verfolgen. Aber ein Stück Deutschland haben Sie sich ja hierhergeholt. Der gut riechende Rasen ist eine deutliche Besonderheit hier in der Region. Jetzt wollen wir hoffen, dass auf dem Rasen in Russland Vernünftiges für unsere Mannschaft passiert. Das werden Sie hier ja auch verfolgen.

Danke, dass Sie mich empfangen. Alles Gute! Es scheinen ja ziemlich viele hier zu sein. Manche haben vielleicht auch noch etwas anderes zu tun, als sich jetzt mit mir zu befassen. Danke auch an diejenigen, die Betankung vornehmen. Das finde ich auch eine der spektakulärsten Übungen, die man durchführen kann. Ist jemand hier, der in solch einem Betankungsflugzeug fliegt? ‑ Sie arbeiten daran? Das ist alles hohe Präzision. Ich werde nachher noch die Frage stellen, ob das technische Gerät in der Wüstenumgebung hier sehr leidet und ob man dann doppelt so viel Pflege hat. Aber das ist nicht für die große Runde. ‑ Danke! Alles Gute! Herzliche Grüße aus der Heimat, auch ‑ das darf ich, glaube ich, sagen ‑ im Namen der Bundestagsabgeordneten, die mich hierher begleitet haben!

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