Perspektiven für die junge Generation

Jugendarbeitslosigkeit in Europa Perspektiven für die junge Generation

Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa bleibt Schwerpunktthema. Eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung fordert eine verstärkte Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft sowie Strukturreformen in den EU-Staaten.

Für die Bundeskanzlerin ist die Jugendarbeitslosigkeit ein sehr drängendes Problem in Europa. Bei ihrem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Rajoy in Santiago de Compostela vor wenigen Tagen forderte sie erneut schnelle praxisnahe Lösungen. Für die Jugendbeschäftigung stehen sechs Milliarden Euro zur Verfügung. „Auch hier muss es gelingen, praxisnahe Lösungen zu finden, mit denen sehr schnell jungen Leuten geholfen werden kann.“

Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland niedriger

Die von der Robert Bosch Stiftung in Auftrag gegebene ZEW-Studie fand heraus, dass bereits 2006 – also vor der Krise –  die Jugendarbeitslosenquote im EU-Durchschnitt bei 17,6 Prozent lag. In den vergangenen Jahren erreichte sie dann den Höchststand von 23,5 Prozent. Auch wenn sie seitdem auf aktuell 22 Prozent gefallen ist, sind immer noch zu viele Jugendliche ohne Beschäftigung. Durch die praxisnahe Ausbildung in den Betrieben und an Berufsschulen (duale Ausbildung) ist die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland wesentlich niedriger. Sie beträgt 7,8 Prozent- das ist europaweit die geringste Quote. Umso wichtiger sind entschlossene Reformen der Bildungssysteme und der Arbeitsmärkte in den Krisenstaaten in Südeuropa.

Arbeitsmarktreformen vorantreiben

Um Jugendlichen den Einstieg zu erleichtern, fordert die Studie, dass neben der Bereitstellung von Fördergeldern vor allem strukturelle Defizite in den Mitgliedstaaten abgebaut werden.

Problematisch sei auch eine Spaltung des Arbeitsmarktes. So stehe ein starker Kündigungsschutz von Festangestellten befristeten Arbeitsverträgen von Berufseinsteigern gegenüber. Darauf hatte die Bundeskanzlerin bereits auf der 1 . Konferenz zur Förderung von Jugendbeschäftigung im Juli 2013 hingewiesen. Damals hatte sie bemängelt, dass es nicht klug sei, „wenn das Arbeitsrecht in manchen Ländern nur für junge Leute flexibilisiert ist, nicht aber für Ältere, die schon lange Arbeit haben.“ Neben Reformen forderte Merkel damals auch „mehr Mobilität in Europa.“

Nach Ergebnissen der ZEW-Studie sind die rechtlichen Voraussetzungen für die berufliche Mobilität innerhalb der EU bereits geschaffen. „Das Problem ist häufig der Wissens- und Erfahrungsmangel bei den Jugendlichen“, sagt Holger Bonin vom ZEW. Es gebe Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Information über Beschäftigungschancen. Helfen soll hier der Ausbau der europaweiten Jobbörse EURES.

Politik und Wirtschaft sollen besser zusammenarbeiten

Die ZEW-Studie fordert zudem eine stärkere Kooperation zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Eine Zusammenarbeit könnte helfen, Anforderungen des Arbeitsmarktes an die berufliche Qualifikation besser gerecht zu werden. Wichtig sind vor allem betriebsnahe Konzepte. Das deutsche System der dualen Berufsbildung könnte hier als Orientierungshilfe für andere europäische Länder dienen.

Einen Schritt zur schnellen Hilfe für junge Leute haben Robert Bosch Stiftung und Unternehmen getan. Mit der „Ausbildungsinitiative Südeuropa“ wurden 2014 zusätzlich 100 Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Italien, Spanien und Portugal geschaffen. Die Hälfte davon in Deutschland.

Gute Chancen in Deutschland

In vielen Branchen fehlen hier mittlerweile die Fachkräfte. Junge Erwachsene aus der EU haben durch das MobiPro-EU Programm der Bundesregierung die Möglichkeit, in Deutschland erfolgreich eine duale Ausbildung zu absolvieren. Dafür stehen in diesem Jahr insgesamt 560,1 Millionen Euro zur Verfügung. Tausende machen davon Gebrauch.

Im April 2013 verabschiedete der Europäische Rat die Jugendgarantie. Ziel ist es, jedem jungen Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Schulende oder Beginn der Arbeitslosigkeit einen hochwertigen Arbeits-, Praktikums- oder Ausbildungsplatz anzubieten. Die EU unterstützt die betroffenen Länder über den Europäischen Sozialfonds (ESF) und mit sechs Milliarden Euro über die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen. Außerdem stehen Kredite der Europäischen Investitionsbank in Milliardenhöhe für die Schaffung von Ausbildungsangeboten insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen zur Verfügung.