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Deutscher Mobilitätspreis 2018

Per App umweltbewusst mobil 

Ob die Fahrt mit dem Auto oder die Flugreise, beides trägt zur CO2-Belastung bei. Das lässt sich aber durch umweltbewusstes Verhalten kompensieren, findet Barbara Schlindwein. Mit ihrer App-Idee "Mobile Footprint" hat sie den dritten Platz des Deutschen Mobilitätspreises 2018 gewonnen. Über eine App können Nutzer ihre persönlichen Verkehrswege tracken und bekommen ihre CO2-Bilanz in einem digitalen Fußabdruck erstellt.

Grafik: Umweltfreundlich unterwegs mit "Mobile Footprint". Ein gezeichnetes Handy zeigt den erreichten Score an. Zudem symbolisiert eine Wegstrecke mit zwei Markierungspunkten und zwei Schuhabdrücke die App-Idee.

Die App-Idee "Mobile Footprint" befindet sich gerade in der Realisierungsphase.

Foto: Bundesregierung/"Deutschland – Land der Ideen"/Deutscher Mobilitätspreis

Wie sind Sie auf die Idee "Mobile Footprint" gekommen? 

Barbara Schlindwein: Bei einem Spaziergang mit meiner Mutter ist die Idee entstanden. Damals begann gerade die Diskussion um die Zukunft der Diesel Fahrzeuge. Meine Mutter lebt überaus umweltkonform, sie hinterlässt einen überdurchschnittlich kleinen ökologischen Fußabdruck. Sie ist seit Jahren nicht in den Urlaub geflogen, kauft regionale Produkte, fährt ihr Leben lang Kurzstrecken mit dem Fahrrad, aber fährt natürlich auch hin und wieder mit ihrem Auto in die nächste Großstadt. Aber durch diesen kleinen "Fehltritt" wird sie ja nicht gleich zu einem nicht umweltbewussten Menschen. Vielmehr sollte sich die Fahrt mit dem Auto kompensieren lassen. 

Grafik: Foto von Barbara Schlindwein, 35 Jahre alt, wohnt in Neufran bei München. Sie ist studierte Industrie-Designerin und Gründerin von ProGestalt. Ihr Anliegen ist es, selber etwas zu bewegen und nicht auf andere zu warten.

Die Produktdesignerin arbeitet an innovativen Problemlösungen der Zukunft.

Foto: David Schlindwein/"Deutschland – Land der Ideen"/Deutscher Mobilitätspreis

So ist die Idee entstanden. Und da wir mit unseren mobilen Geräten ohnehin schon eine Menge Daten sammeln und teilen, dachte ich mir, könnte man das doch auch nutzen, um sich selber und der Umwelt etwas Gutes zu tun. Es gäbe also Gewinner auf allen Seiten.

Die Idee hinter "Mobile Footprint": ein Angebot zu schaffen, über das umweltbewusste Verkehrteilnehmer einen digitalen Fußabdruck erstellen können. Dazu registriert eine App alle Fußmärsche, Fahrten mit dem Fahrrad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und veranschaulicht die dabei gesammelten CO2-Einsparungen. Die gesammelten "Boni" wiederum können für eine Fahrt mit dem Dieselfahrzeug oder für Tickets des öffentlichen Nahverkehrs eingelöst werden.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem mobilen Fußabdruck?

Barbara Schlindwein: Das Ziel ist Lob und Bestätigung in Form von handfesten Boni für Umweltengel. Das Bonussystem wird keinem aufgezwungen. Es ist kostenfrei, aber gewinnbringend. So animiert es auch Umweltsünder dazu, selber zu Wohltätern zu werden.

Welche "Umweltsünden" genau können Nutzer mit Ihrer App kompensieren?

Barbara Schlindwein: Die grundlegende Idee war es, Kilometer, die mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt wurden, zu tracken, um sich Freifahrten mit seinem Dieselauto zu erwirtschaften. Das tolle an einer App ist, dass sie sich ändern und an den Benutzer anpassen kann. Inzwischen ist die Rede von Wertgutscheinen für die Bahn.

Ebenso könnte man Müllvermeidung thematisieren. Warum nicht? Der Knackpunkt ist immer derselbe: Wie kontrolliert man das System, um es vor Missbrauch zu schützen.

Gelaufene Strecken lassen sich leicht über Geschwindigkeit und Route nachvollziehen. Wenn wir andere Themen mit einbeziehen, dann gilt es immer diese Kontrollfrage zu beantworten, um glaubwürdig zu bleiben.

Wie geht es mit Ihrer Idee weiter? Gibt es schon Realisierungsoptionen? 

Barbara Schlindwein: Es gab bereits spannende Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern. Ganz vorne mit dabei ist die Deutsche Bahn. Zukünftig ist dann vorstellbar, dass Nutzerinnen und Nutzer der "Mobile Footprint"-App ihre Bonuspunkte auch beim Kauf eines Zugtickets einlösen können.

Sie arbeiten als Produktdesignerin und haben sich dem Bereich Nachhaltigkeit verschrieben. Warum ist Ihnen dieses Feld so wichtig?

Barbara Schlindwein: So kann man das nicht sagen. Nachhaltigkeit ist für mich kein Bereich, den man sich an die Fahnenstange schreibt. Er ist für mich kein besonderes Augenmerk meiner Arbeit. Vielmehr ist nachhaltiges Handeln ein Standard für gutes Design. Die Norm. Nicht nur in Bezug auf meine Arbeit bei ProGestalt.