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Internationales Deutschlandforum

Pandemien gemeinsam verhindern

Der Kampf gegen Infektionskrankheiten ist ein Schwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft: Das hob die Kanzlerin auf dem 3. Internationalen Deutschlandforum hervor. Fachleute aus 25 Ländern diskutierten im Kanzleramt über mehr Lebensqualität und Gesundheit - sowie über fliegende Medizin-Roboter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem 3. Internationalen Deutschlandforum im Bundeskanzleramt.

Gesundheitsfragen sind für die Kanzlerin zentrales Thema bei der Gestaltung der globalen Ordnung.

Foto: Bundesregierung/Steins

Das zweitägige Forum bot Gelegenheit, gute Ideen zu entwickeln, um die globale Gesundheit zu verbessern - über Sektorengrenzen hinweg, interdisziplinär und international. Ziel des Forums war es auch, die internationale Zusammenarbeit zu stärken, die beispielsweise bei der Vermeidung oder Bekämpfung von grenzüberschreitenden Krankheitsausbrüchen entscheidend ist.

G20-Schwerpunkt Gesundheit

Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, wolle Deutschland seine G20-Präsidentschaft nutzen, um auf die Gefahr von Infektionskrankheiten hinzuweisen, die sich schnell über ganze Länder oder gar Kontinente ausbreiten könnten. Dazu werde es während des deutschen G20-Vorsitzes auch erstmals ein Treffen der G20-Gesundheitsminister geben.

Die Ebolakrise habe gezeigt, dass die Staatengemeinschaft darauf nicht ausreichend vorbereitet gewesen sei. Bereits in seiner G7-Präsidentschaft 2015 habe Deutschland daher die Themen Antibiotikaresistenzen und vernachlässigte Tropenkrankheiten wie Ebola zu einem Schwerpunkt gemacht.

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Diskussion mit Kanzlerin Merkel beim 3. Internationalen Deutschlandforum

Merkel dankte den 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Deutschlandforums für den Erfahrungsaustausch. Deutschland wolle "von Ihnen lernen", um das Wissen danach wieder in die internationale Diskussion einzubringen. "Bleiben Sie vernetzt!", lautete aus diesem Grund auch die Bitte der Bundeskanzlerin.

Chancen der modernen Kommunikationstechnologie nutzen

Weltweit sind Informations- und Kommunikationstechnologien einer der stärksten Treiber für Innovation im Gesundheitswesen. Digitale Lösungen bieten viel Potenzial, um etwa mit Telemedizin entlegene Orte besser zu versorgen, Daten umfassend zu analysieren oder Beschäftigte im Gesundheitswesen zu schulen.

Morten Elbaek Petersen aus Dänemark präsentierte das größte E-Health-Programm Europas. Es ermöglicht den dänischen Bürgern und dem Gesundheitspersonal, von jedem Ort Informationen und Zugang zu persönlichen Gesundheitsdaten zu erlangen. Die Bundeskanzlerin zeigte sich von dieser Pionierleistung beeindruckt. Zum Vergleich zog sie die Schwierigkeiten mit der Einführung der Gesundheitskarte in Deutschland heran.

Dhesi Raja forscht in den USA und Malaysia, um mittels künstlicher Intelligenz Epidemien wie das Zika-Virus oder das Dengue-Fieber vorherzusagen. Mit der von ihm entwickelten Maschine "Aime" lassen sich Epidemien bereits drei Monate im Voraus lokalisieren.

Jonathan Ledgards Ziel wiederum ist der Bau von Drohnenstützpunkten in Afrika. Fliegende Roboter sollen Medizin- und Notfallgütertransporte beschleunigen. Einen weltweit ersten Stützpunkt plant er derzeit unter architektonischer Leitung von Sir Norman Foster.

Umgang mit Antibiotika verbessern

Der weltweit hohe, häufig sogar unsachgemäße Antibiotikagebrauch führt dazu, dass immer mehr Bakterienstämme Resistenzen bilden. Damit verlieren Antibiotika ihre Wirkung. Schätzungen zufolge sterben jährlich 700.000 Menschen an den Folgen von Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern.

Alison Holmes, Professorin für Infektionskrankheiten in London, warb beim Deutschlandforum für einen umsichtigen und rationalen Umgang mit Antibiotika. Sie appellierte an die Teilnehmer, den Fokus vor allem auf die Krankenhäuser zu richten.

Gleich mehrere Gäste präsentierten ihre innovativen Ansätze, um die medizinische Versorgung und die Vorsorge vor Krankheiten und Epidemien zu verbessern. Bright Simons aus Ghana hat beispielsweise das Netzwerk "mPedigree" gegründet, das gegen gefälschte Medikamente kämpft. Das Unternehmen ist bereits in zwölf afrikanischen Ländern aktiv und kennzeichnet Medikamentenverpackungen als "sicher".

Sofia Ahsanuddin leitet in New York das MetaSUB International Consortium. Es untersucht in weltweit mehr als 70 Städten Mikroorganismen, also Kleinstlebewesen, im öffentlichen Nahverkehrssystem, um so Antibiotikaresistenzen auf die Spur zu kommen und Krankheitsausbrüche früher zu prognostizieren. Ihre "Weltkarte des unsichtbaren Lebens" hat bereits sehr unterschiedliche Resistenzprofile sichtbar gemacht.

Vernachlässigte Tropenkrankheiten bekämpfen

Weltweit leiden mehr als eine Milliarde Menschen an einer oder mehreren sogenannten vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTD), zu denen beispielsweise Ebola gehört. Diese Krankheiten treten häufig in tropischen und subtropischen Regionen auf, in denen die medizinische Versorgung häufig schwach ist.

John Humphrey Amuasi aus Ghana leitet das erste rein afrikanische Forschungsnetzwerk zu diesem Thema. Er warb zur Bekämpfung von NTD für eine gute Präventionsarbeit, eine effiziente Diagnose und Behandlung sowie mehr Forschung.

Mentale Gesundheit – das Tabu überwinden

Einen breiten Raum nahmen in der Diskussion mit der Bundeskanzlerin die psychischen Erkrankungen ein. Weltweit ist jeder vierte Mensch mindestens einmal in seinem Leben davon betroffen. In vielen Gesellschaften werden psychische Erkrankungen tabuisiert und Betroffene stigmatisiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten sich die Frage, wie Gesellschaften zu einem besseren Verständnis und Umgang mit mentaler Gesundheit gelangen könnten.

Vikram Patel, Psychiater aus Indien, setzt sich für den Abbau von Tabus und Stigmata ein. Er hat mit dem "Mental Health Innovation Network" eine internationale Plattform für Ideen und Lösungen gegründet.

Die Bundeskanzlerin gestand zu, dass dieses Thema alle Länder zu Entwicklungsländern mache und es daher größere Aufmerksamkeit erfordere, auch in Deutschland.

Das Internationale Deutschlandforum ergänzt das deutsche Engagement für Gesundheit. Viele Länder stehen vor ähnlichen Aufgaben, um die Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Hier profitieren alle Länder und ihre Bewohner vom Austausch über beste Praktiken – etwa bei der Frage, wie Internet, Handys und Daten für eine bessere Gesundheitsinformation und -versorgung genutzt werden können. Die Ergebnisse und Anregungen aus den Gesprächsrunden des dritten Internationalen Deutschlandforums fließen auch in die deutsche G20-Präsidentschaft 2017 ein. Eine Dokumentation der Veranstaltung wird im Anschluss erstellt.

Hacking for Global Health

Spannung versprach auch, wer Sieger des Wettbewerbs "Hacking for Global Health" des Entwicklungshilfeministeriums wird. Dabei ging es um die Entwicklung digitaler Lösungen für Kinder- und Jugendgesundheit in Kenia. Bereits im November hatte dort ein sogenannter Hackathon dazu stattgefunden.

Helge Braun, Staatsminister für Bund-Länder-Angelegenheiten und Bürokratieabbau, bei der Eröffnung des Internationalen Deutschland-Forums.

Die Preisträger des Wettbewerbs "Hacking for Global Health" des Entwicklungshilfeministeriums.

Foto: Bundesregierung/Loos

Beim IDF präsentierten drei Teams zunächst ihre Lösungen zu einer Mikroversicherung via App, einer Plattform für Tabuthemen sowie für betreute Geburten in Gesundheitseinrichtungen. Zum Sieger kürte die Jury die App-Entwicklung, um im Gesundheitsbereich Mikroversicherungen zu ermöglichen. Der Lösungsansatz richtet sich an Eltern mit geringem Einkommen, die sich zu Spargruppen zusammenschließen und so Geld für die Gesundheitsversorgung ihrer Kinder sammeln. Das Gewinnerteam um Jackson Kiarie und Ethredah Chao erhält nun Unterstützung zur weiteren Entwicklung der Software.

"Globale Gesundheit von allergrößter Bedeutung"

Bereits in ihrem aktuellen Video-Podcast hatte Kanzlerin Merkel begrüßt, dass das Internationale Deutschlandforum das Thema Gesundheit auf die Tagesordnung des dritten Treffens gesetzt hat. Das Thema "globale Gesundheit" sei von allergrößter Bedeutung, betonte Merkel. Die internationale Staatengemeinschaft habe sich mit der Agenda 2030 "das sehr anspruchsvolle Ziel gestellt, dass jeder Bürger der Welt – egal welchen Alters – ein Anrecht auf Gesundheitsversorgung hat". Während seiner G7-Präsidentschaft habe Deutschland eine Forschungsinitiative zur Entwicklung von Impfstoffen gegen Tropenkrankheiten auf den Weg gebracht. "Daran werden wir auch entschieden weiterarbeiten", sagte die Kanzlerin.

Deutschland habe immer ein Interesse daran, dass Menschen "anderswo vernünftig, gut leben können, um eben Fluchtursachen zu bekämpfen". Deshalb unterstützt Deutschland auch andere Länder beim Ausbau ihrer Gesundheitssysteme und hilft in akuten Gesundheitskrisen schnell mit finanziellen Mitteln, Personal und Material – zum Beispiel während der Ebolafieber-Epidemie von 2014 bis 2016 in Westafrika.

Hintergrund des Internationalen Deutschlandforums
Bundeskanzlerin Merkel hat dieses Format 2013 ins Leben gerufen. Es bietet Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eine Möglichkeit für den internationalen Austausch zu Zukunftsfragen. Die Idee des Internationalen Deutschlandforums stammt aus dem Zukunftsdialog der Kanzlerin, in dem sie 2011 und 2012 mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Fachleuten die Frage diskutierte: "Wie wollen wir in Zukunft leben?"
Ziel des Forums ist es, ein Netzwerk für globales Lernen aufzubauen und gemeinsame Lösungen für Zukunftsfragen zu entwickeln. Das 1. Internationale Deutschlandforum fand 2013 zum Thema "Was Menschen wichtig ist – Lebensqualität und Fortschritt" statt. Fortgesetzt wurde das Forum 2015 zum Thema "Was Menschen wichtig ist – Innovation und Gesellschaft".

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