Meeresforschung

Ozeane im Wandel

Die fischreichen Gewässer des Nordatlantiks bilden die Nahrungsgrundlage für viele westafrikanische Staaten. Doch mit dem Klimawandel nehmen die sauerstoffarmen Zonen zu. Auf den Kapverden forschen dazu gemeinsam deutsche und afrikanische Wissenschaftler. Denn: Es ist höchste Zeit zu handeln.

Fischerboote in Afrika (Kap Verde)

Die Kapverden sind der ideale Standort für Experimente zu den Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Ozean.

Foto: Jan Steffen/GEOMAR

Mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums gibt es nun ein Wissenschaftszentrum auf den Kapverden, in dem deutsche und afrikanische Forscher den tropischen Atlantik erforschen.

Die Geschichte des Ocean Science Centre Mindelo beginnt im Herbst 2002: Unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Douglas Wallace aus Kiel brechen 30 Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffs "Meteor" in Curação zur Überquerung des Atlantiks auf. Sie nehmen Kurs auf die Elfenbeinküste.

Wenige Wochen bevor das Schiff das westafrikanische Land erreicht, bricht dort ein blutiger Bürgerkrieg aus. Die Forscher auf der "Meteor" müssen vom geplanten Kurs abweichen. Sie steuern stattdessen die Hafenstadt Douala in Kamerun an. Während Wallace Seekarten studiert, um eine Alternativroute zu finden, fällt sein Blick auf die Kapverden – eine Inselgruppe aus zehn Vulkaninseln vor der Westküste Afrikas.

Geburtsstunde der deutsch-kapverdischen Kooperation

Im Stillen fragt Wallace sich, warum er die Inseln nicht von vornherein zum Ziel der Forschungsfahrt auserkoren hat: Viele der Phänomene, die die Forscher an Bord des Schiffs erforschten, hätten von den Kapverden aus ebenso gut untersucht werden können.

Die gut 1.600 Kilometer nördlich des Äquators gelegenen Vulkaninseln erscheinen ihm plötzlich als idealer Standort für Experimente zu den Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Ozean in den Tropen und zur Artenvielfalt im offenen Ozean. Die Idee für eine Forschungskooperation mit den kapverdischen Inseln war geboren.

Internationales Zentrum für Klima- und Meeresforschung

Luftaufnahme des Ocean Science Centres Mindelo.

Ocean Science Centres Mindelo (OSCM)

Foto: OSCM/E. Silva Delgado.

15 Jahre später ist die Vision des Meeresforschers Realität geworden: Auf der von Norden gesehen zweiten Insel der Kapverden, São Vicente, steht das neue Ocean Science Centre Mindelo in einer Bucht mit direktem Zugang zum tiefblauen Ozean.

Nach knapp drei Jahren Bauzeit wurde das Gebäude des Ocean Science Centre Mindelo Ende 2017 fertiggestellt und dem Forschungsbetrieb übergeben. Das Bundesforschungsministerium unterstützte den Bau über die institutionelle Förderung des Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar) mit rund 2,6 Millionen Euro.

Sauerstoffminimum-Zonen, Wüstenstaub und marine Nahrungsnetze

Deutsche Forscher vom Geomar und vom Nationalen Institut für Fischereientwicklung der Republik Kap Verde (INDP) betreiben hier gemeinsam eine facettenreiche Meeresforschung. Die Wissenschaftler beobachten beispielsweise die Ausbreitung der Sauerstoffminimumzonen im tropischen Nordostatlantik. Außerdem untersuchen sie, wie sich der Staubeintrag aus der Sahara auf das biogeochemische System des Ozeans auswirkt, und wie sich die Ökosysteme im Meer mit dem Klimawandel verändern.

Fisch als Nahrungsgrundlage

"Der tropische Nordostatlantik ist sehr nährstoffreich und die Biodiversität hier ist vergleichbar mit der des berühmten Great Barrier Reefs in Australien", erklärt Cordula Zenk, Koordinatorin der Kooperation mit den Kapverden am GEOMAR. Das marine Ökosystem mit seinen großen Fischbeständen stelle die Nahrungsgrundlage für die westafrikanischen Anrainerstaaten dar, weshalb die Erforschung des Ökosystems von großer Bedeutung für die Bevölkerung vor Ort sei, betont Zenk. "Fisch aus den Gewässern vor der Westküste Afrikas deckt bis zu 70 Prozent des tierischen Proteinbedarfs der westafrikanischen Bevölkerung."

Fischbestände erhalten

Viele Länder verfügen aber nicht über geeignete Monitoring-Systeme, um ihre wertvollen Fischbestände zu überwachen und zu schützen. Hinzu kommt, dass viele westafrikanische Staaten Fischereiabkommen mit reicheren Ländern abgeschlossen haben. Die erlauben beispielsweise den europäischen Staaten, Fischfang vor Afrika zu betreiben. All das führt dazu, dass die Fischbestände zurückgehen. "Wir versuchen, vor Ort mit den kapverdischen Partnerinstitutionen ein umfassendes Wissen darüber zu erarbeiten, wie sich die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Meeres im Klimawandel verändern. Damit schaffen wir eine Basis, um die regionalen und die internationalen Interessen an den Fischbeständen gleichermaßen zu berücksichtigen", so Zenk.

Anlaufpunkt für internationale Forschergruppen

Das Ocean Science Centre Mindelo wird in diesem Jahr offiziell eingeweiht und dient in Zukunft als Anlaufpunkt und Arbeitsplatz für deutsche, kapverdische und internationale Arbeitsgruppen. Douglas Wallace ist inzwischen Professor in Kanada und hat die Leitung der Kooperation mit den Kapverden 2011 an seinen Nachfolger Professor Arne Körtzinger vom GEOMAR übergeben. Doch noch immer besucht Wallace die Kapverden regelmäßig und zeigt seinen Studierenden die einzigartigen ozeanischen und klimatologischen Phänomene, welche die Inseln zu bieten haben.

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