Neue Strategie soll Wirksamkeit erhalten

Antibiotika-Resistenz Neue Strategie soll Wirksamkeit erhalten

Mehr Hygiene, mehr Kontrollen, mehr Forschung: Mit der Deutschen Antibiotika-Resistenz-Strategie will die Bundesregierung die Ausbreitung resistenter Keime eindämmen. Denn resistente Krankheitserreger behindern immer häufiger wirksame Therapien.

Bakterienkultur in Petrischale

Die Bundesregierung hat das Thema Antibiotikaresistenz auf die Tagesordnung des G7-Gipfels gesetzt.

Foto: picture-alliance/dpa/Bernd Wüstneck

Jährlich infizieren sich zwischen 400.000 und 600.000 Menschen in Deutschlands Krankenhäusern mit Krankheitserregern. 10.000 bis 15.000 sterben daran. Immer öfter sind antibiotikaresistente Erreger mitverantwortlich. Denn weltweit breiten sich bakterielle Erreger aus, die gegen gängige Antibiotika weniger empfindlich oder gar resistent sind. Damit verlieren Antibiotika ihre Wirkung gegen Infektionskrankheiten. Das schränkt die Therapiemöglichkeiten ein.

"Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, drohen die Behandlungsmöglichkeiten in ein Vor-Penicillin-Zeitalter zurückzufallen, mit dramatischen Konsequenzen. Krankheiten, die heute gut heilbar sind, wie etwa eine Blasenentzündung oder auch eine entzündete Operationswunde, können dann zu schweren Gesundheitsschäden führen", warnt Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe.

Unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin, mangelhafte Hygienemaßnahmen und zunehmender Handels- und Reiseverkehr begünstigen die Ausbreitung resistenter Erreger.

Ausbreitung resistenter Keime verhindern

Das Kabinett hat daher die Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie - DART 2020 beschlossen. Ziel ist es, mit einem übergreifenden Ansatz ("One-Health") zu verhindern, dass sich Antibiotika-Resistenzen ausbreiten. Denn oft werden Tiere und Menschen von demselben Krankheitserreger infiziert und mit denselben Antibiotika behandelt. Wichtig ist: Resistenzen frühzeitig erkennen, Therapieoptionen erhalten und Infektionsketten unterbrechen.

"Nötig sind klare Regeln für den Einsatz von Antibiotika in der Medizin und in der Tierhaltung, aber auch die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und Tests zur Schnelldiagnostik muss vorangerieben werden", so Gröhe.

Mit der DART 2020 werden zudem Maßnahmen skizziert, um die Bevölkerung besser über Antibiotika-Resistenzen und Hygienequalität in Krankenhäusern zu informieren.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos zählt Antibiotika–Resistenzen zu den größten Risiken für die Weltwirtschaft. Denn die Behandlungskosten steigen und Menschen sterben, wenn antibiotische Therapien versagen.

International gemeinsam handeln

Die WHO erarbeitet derzeit den "Globalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen". Er wird im Mai 2015 auf der Weltgesundheitsversammlung verabschiedet. Ein zentrales Element des Aktionsplans ist die Entwicklung nationaler Strategien. Deutschland nimmt hier eine Vorbildfunktion: Mit DART 2020 setzt es die Forderung der WHO frühzeitig um.

Die Bundesregierung hat das Thema auch auf die Tagesordnung des Weltwirtschaftsgipfels Anfang Juni in Elmau gesetzt. Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen haben darüber bereits in Dialogforen zum G7-Gipfel beraten.

Denn, so der Gesundheitsminister: "Kein Staat kann den weltweiten Anstieg von Antibiotika-Resistenzen alleine aufhalten, deshalb müssen wir auch international an einem Strang ziehen."

Schon viel getan – noch viel zu tun

2008 hatte die Bundesregierung eine erste Antibiotika-Resistenz-Strategie vorgelegt. Erste Erfolge sind sichtbar: Manche Erregerraten sind seit mehreren Jahren rückläufig. Ärztinnen und Ärzte verordnen im stationären Bereich weniger Antibiotika, im ambulanten ist der Antibiotika-Verbrauch stabil.

2011 wurde das Infektionsschutzgesetz verschärft. In der Folge haben alle Bundesländer Hygieneverordnungen erlassen oder angepasst - wichtig, um die Hygiene in Gesundheitseinrichtungen zu verbessern. Regionale Netzwerke zur Prävention und Kontrolle resistenter Infektionserreger wurden gegründet. Das Bundesgesundheitsministerium hat verschiedene Modell-Netzwerkverbünde gefördert.

Was sind Antibiotika?
Antibiotika sind natürlich vorkommende Abwehr- und Signalstoffe. Eines der ältesten verwendeten Antibiotika ist Penicillin, ein Schimmelpilz mit bakterienabtötender Wirkung. Pilze und Bakterien können verschiedene Antibiotika produzieren, um sich gegen andere Mikroorganismen zu wehren. Neben diesen Antibiotika im engeren Sinn werden auch synthetisch hergestellte Chemotherapeutika als Antibiotika bezeichnet. Schon in geringen Mengen hemmen diese Substanzen das Wachstum von Bakterien oder töten diese ab.
Was ist Antibiotika-Resistenz?
Bakterien verfügen über die natürliche Fähigkeit, sich gegen Antibiotika anderer Mikroorganismen zu schützen. Ursache dieser Resistenz sind bestimmte Gene im Erbgut der Bakterien. Diese Gene entstehen durch Mutationen. Außerdem können Bakterien ihre Gene untereinander austauschen und dabei Resistenz-Gene weitergeben. Bakterien können mehrere Resistenz-Gene aufnehmen, die sie gegen verschiedene Antibiotika schützen. So entstehen mehrfach-resistente Bakterien, die auf verschiedenste Antibiotika nicht mehr ansprechen.