Flüchtlingsprojekt

Multaka: Treffpunkt Museum

Das Pilotprojekt "Multaka" ermöglicht Flüchtlingen den kostenfreien Besuch in drei Berliner Museen. "Multaka" ist arabisch und bedeutet "Treffpunkt". Und genau darum geht es auch bei diesem Projekt: durch Begegnungen den Austausch kultureller und historischer Erfahrungen zu fördern.

Eine Führung durch die eigene und durch fremde Geschichte - Geflüchtete können dabei Stärke durch Bildung und durch Anerkennung ihrer kulturellen Identität erfahren. Davon ist der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Chef der Staatlichen Museen zu Berlin, Hermann Parzinger, überzeugt. Die Beschäftigung mit der Kultur und der Geschichte Deutschlands führe im besten Falle zu Toleranz und zu Mut zur Verständigung, erklärt er.

Neue Wege von Verständigung und Akzeptanz zu gehen, um Flüchtlinge bei der Integration in Deutschland zu unterstützen, ist Ziel des Pilotprojekts "Multaka", das zurzeit in drei Berliner Museen realisiert wird.

Für Flüchtlinge von Flüchtlingen

Für das Projekt wurden über soziale Netzwerke sowie Mund-zu-Mund-Propaganda sogenannte "Guides" (Führer) gesucht, die Gruppen von Flüchtlingen regelmäßig durch die Museen führen. Das Besondere dabei ist, dass die Rundgänge von Menschen geleitet werden, die ebenfalls ihre Heimat verlassen mussten und auch erst innerhalb der letzten Monate nach Berlin gekommen sind. 19 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak wurden inhaltlich und didaktisch geschult, um Landsleute durch das Pergamonmuseum, das Bode-Museum und das Deutsche Historische Museum zu führen.

Die Rundgänge sind kostenfrei und finden in arabischer Sprache statt. Sie sollen den Flüchtlingen die Kulturgeschichte ihres Herkunftslandes und die Eckpfeiler deutscher Geschichte vermitteln. Dabei bringen die Guides auch ihre persönliche Haltung und Sichtweise zu den in Berlin ausgestellten Werken ein. Ab nächstem Jahr sollen dann auch deutsche Besucherinnen und Besucher in das Projekt einbezogen werden.

Gemeinsamkeiten entdecken

Die Flüchtlinge erhalten durch "Multaka" die Möglichkeit, Verbindungslinien zwischen ihren Herkunftsländern und dem Aufnahmeland zu entdecken. Die reiche Kultur des Nahen Ostens steht im Mittelpunkt des Pergamonmuseums. Dort finden Flüchtlinge auch Kulturgüter aus ihrer alten Heimat wieder. Sie erfahren, welche Wertschätzung diesen Kulturschätzen, als herausragenden Zeugnissen der Menschheitsgeschichte, entgegengebracht wird.

Die Führungen im Bode-Museum verweisen auf die religionsübergreifenden Wurzeln und die gemeinsamen Ursprünge der Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum. Die Kulturen im östlichen Mittelmeerraum waren über Jahrhunderte bestimmt durch religiös und ethnisch gemischte Gesellschaften, die heute in Gefahr sind. Museen sind Erinnerungsorte einer solchen gemeinsamen Vergangenheit. Auch dies soll den Geflüchteten das Gefühl geben, dass sie sich auch in einem fremden Land, in einer fremden Kultur, auf Dauer heimisch fühlen können.

Besonders groß ist das Interesse der Flüchtlinge am Deutschen Historischen Museum. Dort werden sie an die deutsche Kultur und Geschichte samt ihren Krisen und Erneuerungsbewegungen herangeführt. Vor allem die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem sich anschließenden Wiederaufbau steht hier im Zentrum der Führungen: Für viele ein Hoffnungsschimmer, dass es weiter gehen kann und die Geschichte nicht mit den Zerstörungen endet.

Vom Bund gefördert

Das Projekt wurde vom Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin entwickelt. Das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Schering Stiftung, die Freunde des Museums für Islamische Kunst und das Syrian Heritage Archive Project unterstützen das Projekt. Im kommenden Jahr soll das Projekt aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin gefördert werden.

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