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Frauen in Führungspositionen

Merkel für mehr Flexibilität in Chefetagen

Eine neue Initiative will mehr Frauen in Führungspositionen bringen. "Chefsache" setzt sich für ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen ein. Bundeskanzlerin Merkel übernimmt die Schirmherrschaft. Auch sie forderte ein Umdenken in der Gesellschaft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht.

Bundeskanzlerin Merkel begrüßte den Start des neuen Netzwerkes.

Foto: Bundesregierung/Kugler

Die elf Gründungsmitglieder haben in Berlin ihr Netzwerk "Chefsache. Wandel gestalten – für Frauen und Männer" vorgestellt. Ziel des Netzwerkes ist es, einen Kulturwandel in Wirtschaft, Wissenschaft und im öffentlichen Bereich zu fördern: Frauen in Führungspositionen sollen selbstverständlich werden.

Der Name ist Programm: Die Gründungsmitglieder wollen Chancengleichheit in ihren eigenen Institutionen zur Chefsache machen, praxisnahe Lösungen austauschen und vorantreiben. Dabei geht es nicht nur um eine stärkere Beteiligung von Frauen an Führungspositionen, sondern um mehr Vielfalt in den Führungsetagen im Ganzen. Die Aktivitäten von "Chefsache" richten sich an Führungskräfte – und damit in erster Linie an Männer. Denn sie sind es, die in ihren Reihen einen Wandel einleiten können.

Die elf Gründer des Netzwerkes kommen aus verschiedenen Bereichen. Dabei sind Allianz, Bayer, Bosch, das Bundesministerium für Verteidigung, der Deutsche Caritasverband, die Fraunhofer-Gesellschaft, IBM, McKinsey, Siemens, Warema Renkhoff und der "Zeit"-Verlag. Bundeskanzlerin Angela Merkel übernimmt die Schirmherrschaft.

Merkel fordert gesellschaftliches Umdenken

Bundeskanzlerin Merkel begrüßte den Start des neuen Netzwerkes, deren Schirmherrschaft sie übernommen hat. Wenn man sich den derzeitigen Anteil von Frauen in Führungspositionen anschaue, könne man nur sagen: "Da stimmt was nicht!". Sie sei keine "glühende Verfechterin" der Frauenquote gewesen, so die Kanzlerin. Allerdings seien die Befunde ohne Quote "dramatisch schlecht". Die bloße Ankündigung der gesetzlichen Quote, die die Bundesregierung in diesem Jahr eingeführt hat, zeige bereits erste positive Auswirkungen.

Stärker als anderswo gebe es in Deutschland die Wahrnehmung, eine Führungsposition gehe einher mit unentwegter Verfügbarkeit. Davon müsse man wegkommen, forderte Merkel. Führungsverantwortung sei durchaus auch mit flexibleren Arbeitszeitmodellen zu vereinbaren.

Auch die Karriereplanung sollten Firmen langfristiger angehen und nicht schon mit Mitte 40 als abgeschlossen betrachten. Frauen, die viel Erziehungsarbeit geleistet hätten, seien "mindestens so flexibel" wie Männer, die Firmen in Abenteuercamps schicken würden, um ihre Kraft zu testen, zeigte sich Merkel überzeugt.

Männer sollten offener sein für Familienarbeit

"Viel zu lange haben wir das Thema Frauen in Führungspositionen aus der Perspektive diskutiert: Was müssen wir mit den Frauen machen?" Das sei wichtig, so Merkel. Aber man müsse eben auch fragen: Was müssen wir mit den Männern machen, damit diese offener seien für die Vielfalt in Unternehmen, aber auch offener seien für Aufgaben, die bislang vor allem Frauen übernommen hätten?

Denn beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien die Aufgaben noch nicht gleich verteilt. Die Vätermonate beim Elterngeld hätten sich hier jedoch als "extrem segensreich herausgestellt". Denn wenn Väter für ein paar Monate aussetzten, dann stelle man in den Unternehmen fest, dass die Welt auch nicht untergehe und zugleich wachse bei den Vätern der Respekt für Kindererziehung und häusliche Verpflichtungen.

Das Netzwerk habe sich also genügend Aufgaben gesetzt, die es jetzt anzugehen gelte. Denn: "The proof of the pudding is in the eating", so Merkel.

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