Von Demokratiestärkung bis ökologische Nachhaltigkeit

Mehrgenerationenhäuser Von Demokratiestärkung bis ökologische Nachhaltigkeit

Mehrgenerationenhäuser fördern das gesellschaftliche Miteinander und erhöhen die Lebensqualität vor Ort. Ein herausragendes Beispiel ist das Mehrgenerationenhaus Chemnitz. Aber auch die Initiative „Gallus Garten“ eines Mehrgenerationenhauses in Frankfurt am Main steht für einen besonderen Ort des Zusammenkommens. Beide wurden ausgezeichnet.

In eine bunt bemalte Wahlurne wird ein Wahlzettel eingeworfen. Auf der Urne steht "Wählen gehen ist spielend leicht!"

Demokratie leben: Die „U-18-Wahl“ ist ein bundesweites Projekt. In Chemnitz wurde das Begleitprogramm zur politischen Bildung besonders gut umgesetzt.

Foto: picture alliance/Klaus-Dietmar Gabbert

„Der Bedarf von Jugendlichen nach Beteiligung ist in den letzten Jahren stark angestiegen“, erläutert Christian Wiesel,  Referent für Öffentlichkeitsarbeit der „solaris FZU gGmbH Sachsen“, Träger des Mehrgenerationenhauses Chemnitz. Aus diesem Grund war es Ziel des Projekts „U18-Wahllokal“, das Angebot der Stimmabgabe für junge Leute zur „U18-Bundestagswahl 2021“ jugendgerecht zu kombinieren – mit Begleitformaten der Partizipationsförderung und Demokratiebildung. „Mit dem Mehrgenerationenhaus schaffen wir Angebote für Jugendliche, ihre Meinung zu äußern und Entscheidungen vorzubereiten“, so Christian Wiesel.

Stimmabgabe neun Tage vor der Bundestagswahl  

In Chemnitz nahmen zwölf Träger an dem Projekt “U 18-Wahllokal“ teil – und stellten nichtöffentliche und öffentliche Wahllokale zur Verfügung. Neun Tage vor der Bundestagswahl 2021 erfolgte die Stimmabgabe der jungen Erwachsenen. Es war auch Briefwahl möglich. Diese wurde vor allem von den Jugendlichen der mit dem öffentlichen Wahllokal im Mehrgenerationenhaus kooperierenden Schulen genutzt. Das Besondere an der Wahl in Chemnitz: Die Jugendlichen konnten sowohl eine Erst- als auch eine Zweitstimme abgeben. Im Vergleich dazu beschränken sich die bundesweiten U18-Wahlen ausschließlich auf die Zweitstimme.

Im gesamten Chemnitzer Stadtgebiet wurden zur „U18-Bundestagswahl 2021“ rund 850 Stimmen abgegeben. Knapp die Hälfte ging allein auf die Aktivitäten des Mehrgenerationenhauses zurück. 

Demokratie lebt von Beteiligung

Durch das Projekt in Chemnitz werde den Jugendlichen bewusst: Sie sind die nächste Generation, die wählen darf und mit ihrer Stimme etwas bewirken kann, sagt Christian Wiesel. Dabei wollten die Sozialpädagogen des Mehrgenerationenhauses die Jugendlichen in keine politische Richtung lenken. Es gehe darum, hilfsbereit zur Seite zu stehen und beim Verständnis politischer Themen und Inhalte zu unterstützen.

Neben der Stimmabgabe hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, mit den lokalen Kandidaten für die Bundestagswahl bzw. deren Vertreterinnen und Vertretern zu reden. Ein weiterer Programmpunkt vor dem Wahltermin war, die Wahlurnen zu gestalten. Außerdem konnten sich die jungen Leute vor Ort über die Bundestagswahl auf vielfältige Art und Weise informieren- vom Infoblatt bis zum Wahl-O-Mat.

Mehrgenerationenhaus will Zusammenhält stärken

Das Mehrgenerationenhaus Chemnitz nimmt seit 2008 am Bundesprogramm teil. Es versteht seine Hauptaufgabe darin, für Menschen aller Generationen Begegnung vor Ort zu schaffen und dadurch den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken. Das Alleinstellungsmerkmal des Hauses ist, unter seinem Dach ein Kinder- und Familienzentrum, ein Kinder- und Jugendhaus sowie eine offene Begegnungsstätte für Menschen des Stadtteils, insbesondere der Seniorengeneration zu vereinen.

„U18-Bundestagswahl“: Die Stimmabgabe für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist ein bundesweites Projekt für politische Bildung. Im rechtlichen Sinne stellt die U18-Wahl eine Meinungsumfrage dar. Die jungen Leute können sich auf diese Weise schon ganz konkret in ihre künftige Rolle als Wählerin und Wähler versetzen. Koordiniert hat die „U18 – Bundestagswahl 2021“ der Bundesjugendring. Gefördert wird sie durch das Bundesfamilienministerium und die Bundeszentrale für politische Bildung.

Rund 400 Kilometer von Chemnitz entfernt befindet sich das Mehrgenerationenhaus „Kinder im Zentrum Gallus e. V.“. Die Migranten-Selbstorganisation setzt sich seit 1975 für Integration, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ein. Die ehrenamtliche Initiative ermöglicht Angebote wie Kindertagesstätte, Hebammenstationen, Familienzentren und Freizeitmöglichkeiten. Aber auch diverse Förderungs-, Beratungs- und Betreuungsangebote gehören zu den Aufgaben. Besonders wichtig sind der Initiative die Belange von Kindern.     

Eine grüne Oase für alle Generationen

2016 begannen die Arbeiten zu einem weiteren Projekt des Mehrgenerationenhaus in Frankfurt. Ziel war, den städtischen Bürgerinnen und Bürgern eine grüne Oase zum Gärtnern zu ermöglichen. Projektleiterin Jessica Wiegand erklärt, dass der Schwerpunkt des „Urban Gardening Projekts“ darauf ausgerichtet ist, Nutzpflanzen anzubauen und die Biodiversität zu schützen.

Bis heute werden drei ursprünglich leerstehende Grünflächen als Gartenanlage genutzt. In gemeinschaftlicher Arbeit entstanden Hochbeete, Bodenbeete, Kompostbehälter und Insektennisthilfen. Im vergangenen Jahr wurden drei zusätzliche Flächen aufgewertet und bepflanzt. Eine dieser Flächen wurde als Naturerfahrungsraum für Kinder umgestaltet. Dadurch sollen ihre Sinne sensibilisiert angesprochen und ihre Kreativität und Motorik gefördert werden.

Wichtiger Ort der Begegnung

Der „Gallus Garten“ ist jedoch nicht nur ein Ort zum Gärtnern, sondern auch ein Ort der Begegnung. „Wir haben alle Altersgruppen, Bildungsschichten und alle kulturellen Gruppen vertreten, die in unserem Garten zusammenkommen“, betont Jessica Wiegand. Die Besucherinnen und Besucher können dadurch Natur-Erfahrungen im Austausch mit anderen sammeln. Das gemeinsame Interesse verbinde die Menschen und habe gleichzeitig einen positiven Effekt auf die Biodiversität. Damit dieses Interesse dauerhaft aufrechterhalten werden kann, organisiert das Mehrgenerationenhaus immer wieder kleinere Aktionen, wie eine Pflanzentauschbörse, ein Erntefest oder ein Herbstfest.

Das Bundesfamilienministerium fördert Mehrgenerationenhäuser. Anfang Mai hat Bundesministerin Lisa Paus sechs Einrichtungen mit dem Bundespreis „Mehrgenerationenhaus #Gemeinsam mehr“ ausgezeichnet, darunter die Mehrgenerationenhäuser in Chemnitz und Frankfurt/Main. „Die Mehrgenerationenhäuser stehen für ein spürbares Mehr an Lebensqualität für Jung und Alt“, so Bundesfamilienministerin Paus.

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