Konzertierte Aktion Pflege

Mehr Menschen für Pflegeberufe begeistern

Um mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen, müssen die Arbeitsbedingungen in der Branche verbessert werden. Gesundheitsminister Spahn, Familienministerin Giffey und Arbeitsminister Heil wollen zusammen mit Kirchen, Wohlfahrts- und Pflegeverbänden bis Mitte 2019 konkrete Maßnahmen erarbeiten.

Pflegerin schiebt Seniorin im Rollstuhl auf den Betrachter zu.

In Deutschland fehlen Fachkräfte für die Pflege. Das will die Bundesregierung nun ändern.

Foto: Getty Images/istockphoto

Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung will die Bundesregierung mehr Menschen für die Pflege begeistern. Dafür starteten die drei Bundesminister die "Konzertierte Aktion Pflege" in Berlin. Ziel sei es, den Beruf attraktiver zu machen und mehr Menschen dafür zu begeistern, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zum Auftakt. "Wir wollen als Bundesregierung die Probleme lösen. Wir wollen konkret im Arbeitsalltag der Pflegekräfte etwas verändern", so Spahn.

Grafik Pflege

Mehr Fachkräfte in der Pflege gewinnen

Foto: Bundesregierung

An der Konzertierten Aktion Pflege sind neben Bund und Ländern zahlreiche weitere Partner beteiligt: die Pflegeberufs- und -Ausbildungsverbände, die Verbände der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser, die Kirchen, Pflege- und Krankenkassen, Betroffenenverbände, die Berufsgenossenschaft, die Bundesagentur für Arbeit und die Sozialpartner. Fünf Arbeitsgruppen sollen in den nächsten zwölf Monaten an verschiedenen Themen arbeiten - etwa der Ausbildung, dem Personalmanagement oder den Entlohnungsbedingungen.

Pflegekräfte besser bezahlen mit Tarif

Pflegekräfte verdienten mehr Wertschätzung und eine bessere Bezahlung, so Arbeitsminister Hubertus Heil. Deshalb fordert er die Einführung von Tarifverträgen. Ein Flächentarifvertrag für alle in der Branche könne die Pflegelöhne und Arbeitsbedingungen spürbar verbessern. Allein die Zahl der Demenzkranken steige jedes Jahr um 40.000, so Heil. Das sei Schwerstarbeit, die ordentlich bezahlt werden müsse.

In der Pflegebranche sind neben privaten Arbeitgebern viele Wohlfahrtsverbände und die Kirchen tätig. Oft gibt es dort keine Tarifverträge, sondern eigene Verfahren der Lohnfindung. In der Altenpflege seien 80 Prozent der Beschäftigten nicht tarifgebunden. Außerdem müssten bessere Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten eingeführt und die Pflegekräfte von bürokratischen Aufgaben entlastet werden.

Attraktive Ausbildung und Ausbildungsvergütung

Auch das Image des Berufs müsse steigen, unterstrich Familienministerin Franziska Giffey. "Es muss cool sein, Pflegefachkraft zu sein. Wir werden dazu eine Ausbildungs- und Informationsoffensive starten. Damit sich mehr für den Beruf entscheiden", so Giffey. Nun gehe es darum, die Pflegeschulen und Betriebe fit zu machen und zu unterstützen. 40 Beraterinnen und Berater sollen in den Schulen über die Pflegeausbildung informieren und für die Pflegeberufe werben.

Mit dem Pflegeberufegesetz und der neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung hat die Bundesregierung bereits erste Weichen gestellt: Pflegeauszubildende haben künftig zunächst zwei Jahre gemeinsam Theorie und Praxis. Danach können sie sich zwischen generalistischer-, Kinderkranken- oder Altenpflege entscheiden. Zudem wird die Ausbildung für alle Auszubildenden kostenlos und vergütet. Die neuen Ausbildungsgänge sollen 2020 starten.

Überall um Pflegekräfte werben

Mit dem Sofortprogramm Alten- und Krankenpflege will Bundesgesundheitsminister Spahn zunächst 13.000 zusätzliche Stellen für die stationäre Altenpflege schaffen. Diese und die zusätzlichen Stellen in den Krankenhäusern müssen besetzt werden.

"Wir wollen auch die ermuntern, die ausgestiegen sind, ob sie nicht in den Job zurückzukehren", so Spahn. Zudem gehe es darum, die Rückkehr von Teilzeit- in Vollzeitarbeit zu erleichtern. Hierfür hat die Bundesregierung das Brückenteilzeitgesetz auf den Weg gebracht.

Insgesamt würden bis zu 50.000 zusätzliche Pflegekräfte gebraucht, schätzt Spahn. Dafür werde man zum Beispiel Fachkräfte auch im Ausland suchen müssen. Vor allem in Staaten wo viele junge Menschen arbeitslos seien.

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