Meeresbehörde mit Forschungsauftrag

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) Meeresbehörde mit Forschungsauftrag

Die Wollhandkrabbe oder der Schiffsbohrwurm sind Tiere, die aus fernen Ländern als blinde Passagiere nach Deutschland gekommen sind und das heimische Ökosystem durcheinanderbringen. Wie dies verhindert werden kann, ist eine Forschungsaufgabe des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie.

Wollhandkrabbe wird auf ein Boot gezogen.

Von China nach Deutschland ausgewandert: Wollhandkrabbe

Foto: ullstein bild

Nach dem Entladen müssen Schiffe Ballastwasser als Ausgleich für die Ladung aufnehmen, damit sie stabil weiterreisen können. Dieses Wasser wurde bisher einfach aus dem Meer entnommen und enthielt dadurch eine Vielzahl pflanzlicher und tierischer Organismen. Kommen diese etwa aus dem Indischen Ozean nach Europa, können Sie hier das Ökosystem durcheinanderbringen.

Keine natürlichen Feinde

So hat die Wollhandkrabbe in deutschen Gewässern keine natürlichen Feinde, so dass sie mittlerweile zu einer Plage wurde. Ähnliches gilt für den Holzbohrwurm, eine Muschel, die sich mit einem Fortsatz ins Holz bohrt und großen Schaden anrichtet. Die Internationale Meeresorganisation IMO schreibt daher in einer Konvention vor, dass nach Beitritt von 35 Prozent aller Staaten Organismen im Ballastwasser gemäß bestimmter Grenzwerte abgetötet werden müssen. Dies geschieht durch Filterung, UV-Bestrahlung oder durch chemische Desinfektionsmittel.

Forschungsschiff Komet

Forschungsschiff Komet

Foto: BSH

Die Aufgabe des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) besteht nun darin, geeignete Verfahren zu entwickeln, mit denen sich kontrollieren lässt, ob diese Grenzwerte unterschritten wurden. Nur wenn es einfacher und schneller anwendbare Verfahren gibt als das Zählen lebender Organismen unter dem Mikroskop, wird es möglich sein, Verstöße zu ahnden.

Genau dies ist aber schwierig, wie sich auf einer Forschungsreise internationaler Forscher auf dem deutschen Forschungsschiff "Meteor" zeigte. Die Ergebnisse einiger Methoden kommen den Werten der als Standard geltenden Zählmethode schon nahe. Andere kommen zu gänzlich abweichenden Resultaten, sodass noch einige Forschungsarbeit zu leisten ist, bis es den Hafenbehörden möglich sein wird, Verstöße schnell wirkungsvoll und mit angemessenen Sanktionen zu ahnden.

Zentrale Meeresbehörde

Das Projekt ist ein Beispiel für Forschungsarbeiten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). "Das BSH ist die zentrale Meeresbehörde", sagt die Präsidentin Monika Breuch-Moritz. "Wir haben Aufgaben, die an Land von vielen Behörden geleistet werden."

Hauptaufgabe ist generell die Meeresbeobachtung. Daraus ergeben sich Vorhersagen und Warnungen für die deutscher Nord- und Ostseeküste, die das BSH unter anderem an Schiffe, Hafenämter und Verkehrszentralen weitergibt.

BSH Interview Monika Breuch-Moritz, Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie

Aus der Beobachtung ergeben sich aber auch Rückschlüsse auf die Veränderung des Weltklimas. Darüber hinaus trägt das BSH durch Beobachtung und Forschung zum Meeresumweltschutz bei. Windkraftanlagen im deutschen Seegebiet können nur nach Genehmigung durch das Amt gebaut werden.

Die Schifffahrt ist auf genaue Karten angewiesen, die das BSH nach genauester Vermessung erstellt.

Schließlich prüft das Amt die Befähigung der Seeleute und sorgt für einen sicheren Funkverkehr. Es liegt auf der Hand, dass dies nur in enger internationaler Zusammenarbeit und mit modernster Datenbanktechnik möglich ist.

Hauptgebäude des BSH in Hamburg

Hauptgebäude des BSH in Hamburg

Foto: BSH

Das Fieseste, was man verbrennt

"Schweröl, der letzte Rest bei der Verarbeitung von Erdöl, ist so ziemlich das Fieseste, was man verbrennt", sagt Lisa Kattner. Oftmals enthält der Schiffstreibstoff bis zu fünf Prozent Schwefel. Bei der Verbrennung entsteht vor allem Schwefeldioxid, verantwortlich für den sauren Regen und der damit verbundenen Schädigung von Pflanzen.

Es trägt erheblich zur Verschmutzung der Atmosphäre bei. Es gibt daher an der amerikanischen Küste und in Nord- und Ostsee Vorschriften, die seit 2015 vorschreiben, dass nur Schweröl mit einem Schwefelgehalt von 0,1 Prozent in diesen Gebieten genutzt werden darf.

Ob ein Verstoß vorliegt, prüft derzeit die Wasserschutzpolizei, indem sie Logbücher einsieht und im Falle, dass sie unzulässigen Treibstoff vermutet, eine Treibstoffprobe im BSH untersuchen lässt. Das ist ein aufwändiges Verfahren, bei dem viele Sünder durchrutschen, allein deshalb, weil die Polizei nur Stichproben erfassen kann.

Kontrolle ermöglichen

Messstelle für Abgase an Land

Abgase von Land aus gemessen

Foto: BSH

Im Projekt MeSMarT, das die Universität Bremen in Kooperation und im Auftrag des BSH durchführt, entstand nun die Idee, die Abgasfahne von einer Messstation an Land zu analysieren. Tatsächlich ist es möglich, sehr genau die Schiffe zu identifizieren und der Polizei zu melden, bei denen Verstöße zu vermuten sind.

2015 führte die Polizei in Hamburg bei 3.500 eingelaufenen Schiffen 425 Kontrollen durch mit einer Trefferzahl von 25. Das Messsystem meldete im gleichen Zeitraum etwa 70 Verdachtsfälle. Es liegt auf der Hand, dass die Polizei durch die Zusammenarbeit mit MeSMar bei erheblich geringerem Aufwand eine sehr viel höhere Trefferquote erzielt könnte. Dies trüge zur Durchsetzung der Richtlinie bei und würde uns allen nützen.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) als zentrale Meeresbehörde bündelt zahlreiche Aufgaben zu Meeresnutzung und Meeresschutz. Es ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Es hat einen Dienstsitz in Hamburg und in Rostock sowie ein Labor im Westen von Hamburg.

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