Flüchtlinge an Hochschulen

Mathematik auf Deutsch lernen

Mit dem Projekt Welcome@FUBerlin erleichtert das Bundesbildungsministerium Flüchtlingen den Einstieg ins Studium. Bildungsstaatssekretärin Quenett-Thielen und DAAD-Präsidentin Wintermantel kamen vor Ort mit den Flüchtlingen ins Gespräch.

Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, unterhält sich in einer Vorbereitungs- und Sprachklasse an der Freien Universität in Berlin mit studierenden Flüchtlinge.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert mehr als 300 Projekte zur Integration von Flüchtlingen.

Foto: picture-alliance/dpa/Gregor Fischer

Die Schreibweise in der Mathematik ist international gleich: Zahlen sind Zahlen, ein Wurzelzeichen ist ein Wurzelzeichen, Potenz ist Potenz. Aber auf Deutsch darüber reden oder einer Statistik-Vorlesung im Mathe-, BWL- oder Technikstudium folgen können, ist noch einmal etwas anderes. Das lernen gerade 60 Geflüchtete an der Freien Universität Berlin. Das Programm "Welcome" der Freien Universität Berlin macht es möglich, dass die jungen Menschen Deutsch und Fach-Deutsch für ein baldiges Studium lernen. 

Wer das Zeug dazu hat, soll studieren

Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quenett-Thielen, sagte bei ihrem Besuch an der FU: "Wer das Zeug zum Studium hat, der soll auch studieren können." Auch vom Alter der Flüchtlinge passt das in den Lebenslauf: Mehr als die Hälfte der nach Deutschland Gekommenen ist unter 25 Jahre.

Viele haben in ihrer Heimat ein Studium angefangen oder sogar abgeschlossen. Genau da setzt die Idee der Förderung vom Bildungsministerium an: Potenziale sollen erkannt und festgestellt werden. Die Flüchtlinge sollen die Sprache lernen und an den Hochschulen integriert werden. Bis 2019 gibt das Bildungsministerium dafür rund 100 Millionen Euro aus.

Akademischer Austauschdienst hat das Knowhow

Da der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ohnehin über das Knowhow verfügt, jährlich 320.000 herausgehende als auch hereinkommende Studierenden zu betreuen, ist er für die Programme verantwortlich. DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel erläuterte das Konzept.

Integra sei ein Programm für Vorbereitungs- und Sprachkurse. In dieser Art gebe es 34 Flüchtlingsprojekte an Studienkollegs und 118 Projekte an den Hochschulen.

Das Programm Welcome helfe, sich an den Hochschulen zu orientieren und ins studentische Leben zu integrieren. Beispielsweise werden bundesweit 700 studentische Hilfskräfte gefördert, die den Flüchtlingen beim Einstieg in die Hochschulen helfen. Andere sind Mentoren oder es gibt Lerncafés und Tandemprogramme.

Kostenfrei Studierfähigkeit prüfen lassen

Zudem können studieninteressierte Flüchtlinge kostenfrei einen Studierfähigkeitstest ablegen und ihre Bewerbungen für Studienplätze einreichen. Die Gebühren für den Test für ausländische Studierende (TestAS) und für das Prüfverfahren bei uni-assist übernimmt der DAAD.

An der Freien Universität koordiniert Florian Kohstall die Flüchtlingsprojekte. Er berichtet, dass sich für die 60 Plätze in den Vorbereitungskursen 200 Teilnehmer gemeldet haben. Viele, die im November 2015 auf dem Sprachniveau A2 begonnen hätten, haben Ende Mai schon B1 erreicht. Das reicht dann fast zum Studieren.

Bei vielen Aufenthaltsstatus noch nicht klar

20 junge Männer und fünf junge Frauen erzählen in der Diskussion von ihren Erfahrungen. Oft geht es um die Finanzierung ihres Aufenthaltes, wann man sich wo bewirbt oder um Berufs- und Kenntnisanerkennung. Viele sind schon sieben oder acht Monate in Deutschland, haben aber noch keine Klarheit über ihren Aufenthaltsstatus.

25 Wochenstunden Deutsch und Wissen auffrischen

Die Kursteilnehmer in der FU werden zum Beispiel von der pensionierten Studienrätin Hannelore Harmsen unterrichtet. Sie lehrte früher an einem Berliner Gymnasium Mathematik und Physik. 25 Wochenstunden lang müssen die jungen Leute aus Syrien oder Eritrea büffeln. Davon zehn Stunden Fachunterricht wie Mathe oder Physik, um Kenntnisse aufzufrischen und 15 Stunden Sprachunterricht. Harmsen bescheinigt den Anwesenden sehr gute Deutschkenntnisse. Fachlich lösen sie Aufgaben aus den Leistungskurs-Büchern der gymnasialen Oberstufe.

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