Kulturstaatsministerin Claudia Roth zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

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Am 2. August 1944 wurden die letzten verbliebenen 4.300 Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma erklärt Kulturstaatsministerin Claudia Roth:

„Bis zu einer halben Million Sinti und Roma sind im nationalsozialistischen Deutschland gewaltsam ums Leben gekommen. Sie wurden in Vernichtungslagern ermordet, sie fielen Gewalt, Hunger und Krankheiten zum Opfer, sie wurden deportiert und als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ausgebeutet.

Dabei hat die Diskriminierung der Sinti und Roma nicht erst 1933 angefangen und 1945 auch nicht einfach aufgehört. Bis heute sind antiziganistische Vorurteile und Ressentiments in unserer Gesellschaft immer noch viel zu weit verbreitet. Sinti und Roma werden nach wie vor rassistisch benachteiligt und in vielen Lebensbereichen ausgegrenzt.

Der Völkermord des nationalsozialistischen Deutschland an den Sinti und Roma muss im Sinne eines Erinnerns für Morgen noch stärker ins Bewusstsein rücken. Viel zu lang wurden sie als Opfergruppe kaum wahrgenommen, ihnen steht ein fester Platz in unserer Erinnerungskultur zu. In diesem Sinne wird die Bundesregierung deshalb die Gedenkstättenkonzeption des Bundes entsprechend weiterentwickeln und das Programm „Jugend erinnert“ verstetigen.

Zugleich brauchen wir auch mehr Wissen über die Geschichte und vielseitige Kultur der deutschen Sinti und Roma. Dazu gehört nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Antiziganismus. Wir sollten auch den Anteil der Sinti und Roma an unserer gemeinsamen jahrhundertelangen Geschichte stärker beleuchten, insbesondere in kultureller Hinsicht. Deshalb gilt es, die Kultur der deutschen Sinti und Roma weiterhin zu fördern und ihre Bürgerrechtsarbeit auch zukünftig tatkräftig zu unterstützen.

Und der Kampf um gesellschaftliche Teilhabe geht dort weiter, wo Sinti und Roma systematisch benachteiligt werden – also zum Beispiel beim Zugang zu Beschäftigung, Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnen. Hier sind alle politischen Ebenen Deutschlands gefragt. Die Bundeskulturpolitik wird dafür weiterhin ihren Beitrag leisten

Aus der Verantwortung für unsere Geschichte ergibt sich eine ganz besondere Verpflichtung, Rassismus, Antiziganismus, Antisemitismus und jeder Form von Menschenfeindich entschlossen entgegenzutreten. Bestimmte Menschengruppen mit bei uns auch noch klar historisch belegten Begriffen wie „Ungeziefer“ in übelster Form zu diffamieren und zu entmenschlichen, ist eine gefährliche und inakzeptable Grenzüberschreitung, für die es in der demokratischen Debatte keinen Raum geben darf. Da muss es ganz klar eine rote Linie geben.“