Kulturelle Bildung fördern

Kreativität macht Kinder stark

Tanzen, Theater spielen oder "Schatzsuche" mit Geocaching – Bildung ist mehr als nur Lernen. Bundesbildungsministerin Wanka zog jetzt eine erste Bilanz des Programms "Kultur macht stark", das Kindern und Jugendlichen die Teilhabe an kultureller Bildung ermöglicht.

Tanzvorführung von Kindern

Die "Capoeiristas" in Aktion beim brasilianischen Tanz-Kampf-Dialog

Foto: Thomas Koehler/photothek.net

"Kultur kann Lebensglück bedeuten. Dass Kultur angeboten wird und möglich gemacht wird, das ist das Entscheidende. Es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass jeder Zugang hat. Wichtiges Ziel der Bundespolitik ist, Bildungsgerechtigkeit zu fördern", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Sie eröffnete die Konferenz "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung – Engagement. Erfahrungen. Perspektiven." Die eintägige Konferenz diente dem Erfahrungsaustausch der Bündnispartner über das seit 2013 laufende Förderprogramm.

Erfahrungsaustausch warum Kultur wichtig ist

Wanka wies darauf hin, warum das Programm "Kultur macht stark" ins Leben gerufen wurde: "Erst mit der PISA-Studie ist deutlich geworden, dass in Deutschland der Bildungserfolg stärker als in anderen Ländern vom Elternhaus abhängt. Kinder, deren Eltern keinen Zugang zu Kultur haben, kommen selbst kaum in Kontakt mit kulturellen Angeboten. Dies ist nicht nur ein finanzielles Problem."

Denn Kultur biete den Raum, Werte zu entwickeln und diese auch zu leben. Sie biete Chancen, die viele Kinder nicht hätten, so Wanka weiter. Sie selbst habe dies erfahren: Denn ohne Schul- und Stadtbibliothek hätte sie vielleicht nie die Anregung bekommen, als Bauerntochter zur Universität zu gehen.

"Kultur macht stark" sei mit einem Volumen von 230 Millionen Euro das größte Einzelförderungsprogramm, das es in der Bundesrepublik je gab, betonte Wanka.

Über 360.000 Kinder und Jugendliche haben teilgenommen

Die Bildungsministerin bilanzierte: "Seit Projektbeginn wurden mehr als 11.500 Maßnahmen mit über 16.000 Bündnispartnern ins Leben gerufen. Nach aktuellem Stand haben wir mehr als 400.000 Kinder, Jugendliche und Angehörige erreicht. Und zwar in ganz Deutschland: Die Förderung betrifft alle Bundesländer und 95 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte."

Das Besondere: Alle Projekte sind außerhalb der Schulen angesiedelt. 32 Verbände und Organisationen sind als Programmpartner mit dem Bundesbildungsministerium im Boot. Vor Ort werden die Projekte überwiegend von Ehrenamtlichen betreut.

Kultur macht stark-Erfahrungsaustausch

Kultur macht stark

Foto: BMBF 2016

Kann Musik die Gesellschaft verändern?

Welche Rolle spielt kulturelle Bildung bei der Bekämpfung der sozialen Ungleichheit? Welche Erfahrungen gibt es mit kultureller Bildung in den Niederlanden? Helfen Kulturprojekte bei der Integration von Flüchtlingen? Diese und weitere Fragen wurden während der Konferenz zwischen den Beteiligten aus Praxis und Wissenschaft intensiv diskutiert.

Dass Kultur nicht nur etwas für abgehobene Künstler ist, sondern alle von ihr profitieren, erläuterte Albert Schmitt von der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Hier sind vierzig Musiker ihre eigenen Unternehmer. Sie proben in einem Stadtteil mit hohen sozialen Problemen. Was können Musiker Hartz IV-Empfängern bieten? Nicht Beethoven oder Schönberg, sondern die Bereitschaft, verlässlich und kontinuierlich von der Lebenssituation und der Sichtweise der Bewohner zu lernen. Diese Erfahrungen fließen regelmäßig in eine "Stadtteiloper" ein. Sie wird von den Musikern gemeinsam mit den Menschen aus dem Stadtteil und Partnern aus den Verbänden vor Ort jedesmal neu "komponiert" und aufgeführt.

Schulische Leistungen werden besser

Das "Zukunftslabor" der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, Zirkusprojekte oder Tanz-Workshops – die Bündnisse für Kultur bilden die kulturelle Vielfalt ab. Die Angebote wecken und entwickeln die geistigen und lebenspraktischen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen. Sie erfahren dadurch, dass Ausdauer und Teamgeist erfolgreich sind, dass es sich lohnt, sich anzustrengen und durchzuhalten.

Die Persönlichkeiten der Kinder und Jugendlichen werden spürbar gestärkt. Sichtbares Zeichen: Bei vielen Programmteilnehmern verbessern sich auch die schulischen Leistungen. Ganz wichtig für den Erfolg ist aber, dass die Projektangebote nicht von der Schule gemacht werden. Denn Schule ist für viele Kinder ein Ort des Misserfolgs. Vielmehr können Partner außerhalb der Schulen ganz anders auf Jugendliche zugehen, ihren Ehrgeiz an völlig anderen "Ecken" wecken.

"Wenn es uns gelingt, möglichst vielen jungen Menschen durch kulturelle Bildungsangebote Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu geben, wenn wir ihnen zeigen können: Gemeinsames Lernen, das macht Spaß und auf Gelerntes kann man stolz sein – dann haben wir etwas sehr Gutes auf den Weg gebracht", so Wanka. Sie kündigte eine zweite Förderung für das Programm "Kultur macht stark" ab 2018 an: "Dieses Programm kann den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Ich glaube, dass 'Kultur macht stark' wichtig ist, wichtig für Deutschland. Und deshalb sage ich an dieser Stelle ganz pathetisch: Danke."

Das Programm "Kultur macht stark" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit bis zu 230 Millionen Euro von 2013 bis 2017 gefördert. Für 2018 ist eine zweite Runde vorgesehen, mit einem zusätzlichen Schwerpunkt Projekte mit Flüchtlingen. Mindestens drei lokale Einrichtungen schließen sich zu einem "Bündnis für Bildung" zusammen. Bei einem vom Bundesbildungsministerium ausgewählten Verband kann dann ein Antrag auf Förderung gestellt werden. Damit können dann Ausgaben, beispielsweise für Honorare oder Materialkosten, finanziert werden.

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