Kanzlerin hofft auf Zeichen der Humanität

Nobelpreisträger Liu Xiaobo Kanzlerin hofft auf Zeichen der Humanität

Ein deutsch-amerikanisches Ärzteteam hat sich am Wochenende vom kritischen Gesundheitszustand Liu Xiaobos überzeugt. Zu diesem Zeitpunkt sei er noch transportfähig gewesen. Das berichtete Regierungssprecher Seibert in der Regierungspressekonferenz.

Die Bundesregierung habe die gemeinsame Erklärung des deutsch-amerikanischen Ärzteteams "mit Sorge zur Kenntnis genommen", so Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Mediziner konnten den Nobelpreisträger Liu Xiaobo am 8. Juli in Shenyang (Provinz Liaoning) untersuchen. "Unsere Haltung war immer, dass wir uns mit Nachdruck für eine humanitäre Lösung für Liu Xiaobo und seine Familie einsetzen", sagte Seibert weiter.

Über die Transportfähigkeit am heutigen Tage könne er kein Urteil abgeben, so der Regierungssprecher. Die Bundesregierung lasse sich aber laufend unterrichten.

Krebs-Spezialisten der Universität Heidelberg und der University of Texas konnten Liu Xiaobo am 8. Juli in der Klinik besuchen. Sie hatten den Patienten trotz seines kritischen Gesundheitszustands für gegenwärtig noch transportfähig erklärt. Die Ärzte überbrachten Lius Wunsch nach Ausreise zur Weiterbehandlung in die USA oder nach Deutschland.

Merkel: Humanitäre Lösung großes Anliegen

Er könne nicht aus vertraulichen Gesprächen der Bundeskanzlerin mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping berichten, sagte Seibert. "Ich kann Ihnen aber versichern, dass der Bundeskanzlerin dieser tragische Fall Liu Xiaobo ein großes Anliegen ist, und dass sie sich ein Zeichen der Humanität für Liu Xiaobo und seine Familie wünschen würde."

Die jüngsten Nachrichten aus der Klinik in Shenyang über den Gesundheitszustand des Patienten seien sehr bedrückend. Liu war wegen seiner schweren Krebserkrankung Ende Juni aus der Haft ins Krankenhaus verlegt worden. Für die Bundeskanzlerin und die gesamte Bundesregierung sei der Fall Liu Xiaobo immer ein Fall gewesen, "den wir mit großer menschlicher Sympathie verfolgt haben".

Liu Xiaobo (geb. 1955) ist ein chinesischer Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist. Er war von 2003 bis 2007 Präsident des unabhängigen chinesischen PEN-Clubs (ICPC). 2009 wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt, nachdem er im Jahr zuvor zusammen mit einer großen Zahl anderer Aktivisten das Bürgerrechtsmanifest "Charta 08" veröffentlicht hatte.
2010 wurde Liu Xiaobo der Friedensnobelpreis verliehen. Das Nobelpreiskomitee würdigte damit seinen "langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte in China".