„Diese Grundsteinlegung macht Mut“

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Siemensstadt Square „Diese Grundsteinlegung macht Mut“

Die Grundsteinlegung des neuen Wohnquartiers „Siemensstadt Square“ in Berlin Spandau zeige „Deutschland ist Industrieland, und Deutschland bleibt Industrieland – kaum irgendwo wird das so klar wie gerade hier an diesem Ort“, das sagte Bundeskanzler Olaf Scholz.

Dienstag, 25. Juni 2024
Bundeskanzler Scholz bei der Neugründung der Siemensstadt

„Mit der Grundsteinlegung heute wollen Sie die große Geschichte dieses Stadtteils zeitgemäß weiterschreiben“, würdigte Scholz die Neugründung der Berliner Siemensstadt.

Foto: Bundesregierung / Bergmann

Die Siemensstadt bleibt auch in Zukunft, was sie seit 125 Jahren ist – ein Ort des Aufbruchs, ein Ort der Zukunft und der Zuversicht“, sagte der Bundeskanzler bei der Grundsteinlegung des „Siemensstadt Squares“ in Berlin-Spandau. Hier soll nicht nur bezahlbarer Wohnraum entstehen, sondern auch ein klimaneutrales Stadtquartier mit moderner Industrie und Forschung. 

Die Bundesregierung unterstützt diesen modernen Umbau der Industrie und ihre Digitalisierung. „Wir müssen Tempo machen! Wir müssen gute Bedingungen schaffen für Investitionen! Deshalb setze ich mich weiterhin mit allem Nachdruck dafür ein“, das sicherte der Kanzler in seiner Rede zur Grundsteinlegung zu.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bezahlbarer Wohnungsbau: 35.000 Menschen sollen bis 2035 in Siemensstadt Square leben und arbeiten. Hier sollen etwa 2.700 Wohneinheiten entstehen, davon fast ein Drittel Sozialwohnungen. Die Bundesregierung investiert 18,15 Milliarden Euro in den sozialen Wohnungsbau und hat zudem die Mittel für zinsvergünstigtes Bauen aufgestockt. So soll mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen und die Baukonjunktur gestärkt werden.
  • Klimaschutz: Die künftige Siemensstadt wird auf den 250.000 Quadratmetern von Anfang an als CO2-neutrales Viertel geplant. Die Bundesregierung fördert das klimafreundliche Bauen, so dass hier nachhaltiger und klimafreundlicher Wohnraum entstehen kann – mit anderen Materialien und in modularer Bauweise.
  • Digitale, innovative Industrie: Die Bundesregierung macht Tempo für schnellere Genehmigungen und setzt Rahmenbedingungen für neue Technologien, etwa mit dem Gesundheits- und dem Mobilitätsdatengesetz. Aber auch die Initiativen zu Künstlicher Intelligenz, Quantencomputing und Robotik sollen neue Technologien fördern. Digitale und innovative Geschäftsmodelle sollen sich in Berlin und darüber hinaus mit traditioneller Industrie und Gewerbe verzahnen.

Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede

Sehr geehrter Herr Busch,
sehr geehrte Frau von Siemens,
sehr geehrter Regierender Bürgermeister Wegner,
sehr geehrte Damen und Herren!

Die Siemensstadt ist etwas ganz Besonderes. Hier, auf den sumpfigen Nonnenwiesen zwischen Berlin und Spandau, entstand innerhalb der ersten 30 Jahre des vorigen Jahrhunderts aus dem Nichts ein neuer Stadtteil, der weltweit zum Inbegriff der Industriemoderne wurde. Hier schuf der aufstrebende Siemens-Konzern eine beispiellose Elektropolis im Grünen, ein einzigartiges städtebauliches Phänomen – „Fabrikstadt“ und „Wohnstadt“ in einem.

Hier wurde der sachlich-moderne Siemens-Stil der Industriearchitektur geprägt – zweckmäßig, geradlinig, zeitgemäß und von schlichter Schönheit. Das berühmte Schaltwerk-Hochhaus etwa ‑ direkt hier hinter mir ‑ zeugt davon. Entworfen vom Siemens-Architekten Hans Hertlein, war dieses Bauwerk 1928 der erste Fabrikhochbau in Europa, eine großartige Ikone der Industriegeschichte für alle Zeit.

Aber hier in der Siemensstadt wurde nicht nur modernste Elektrotechnik entwickelt und produziert. Hier wurden zugleich hochwertige Infrastruktur und soziale Einrichtungen geschaffen ‑ Schulen, Sportanlagen, Kindertagesstätten, sogar die von Siemens finanzierte eigene S-Bahn-Strecke gleich hier vor mir. Nicht zuletzt entstanden hier in den Jahren der Weimarer Republik vier herausragende, bis heute vorbildliche Wohnsiedlungen, allen voran die Großsiedlung Siemensstadt, entworfen von so berühmten Vertretern des Neuen Bauens wie Hans Scharoun, Walter Gropius und Hugo Häring. Das alles macht die historische Siemensstadt so besonders.

Mit umso größerer Freude bin ich der Einladung gefolgt, heute Mittag gemeinsam mit Ihnen allen die Neugründung der Siemensstadt zu begehen. Mit der Grundsteinlegung heute wollen Sie die große Geschichte dieses Stadtteils zeitgemäß weiterschreiben. Wie sich diese urbane Transformation vollziehen wird, das erahnen wir bereits hier auf dieser Baustelle. Aber man muss, ehrlich gesagt, schon eine ganze Menge Vorstellungskraft mitbringen, um sich hier bereits heute ein plastisches Bild von dem Zukunftsort zu machen, so wie er an diesem Ort in den nächsten Jahren wachsen soll. Auch darum ist es gut, dass Siemens die neue Siemensstadt der Zukunft mit Hilfe eines „Digitalen Zwillings“ bis ins kleinste Detail anschaulich machen kann. Wir haben eben davon gehört. Wir werden uns das im Anschluss auch noch genauer im Showroom Ihres Verwaltungsgebäudes ansehen, und ich bin schon sehr darauf gespannt, wie sich die digitale und die reale Welt in der Simulation verbinden.

35 000 Bürgerinnen und Bürger werden bis 2035 in der neuen Siemensstadt leben und arbeiten. Schon das allein ist eine großartige Perspektive in dieser Zeit! Aber die Weiterentwicklung dieses Stadtquartiers, die wir heute anstoßen, ist viel mehr als nur ein Neubauvorhaben. Sie wollen mit dem Projekt die Welten von Arbeit und Forschung, Wohnen und Leben auf neue Weise verbinden, Welten, die bei Licht betrachtet auch in der historischen Siemensstadt bereits zusammen gedacht wurden.

Genau diese Idee für unsere Zeit neu zu interpretieren – darum geht es. Der urbane Raum soll eben nicht nur Schlafstadt sein, nur Arbeitswelt oder nur Konsumort. Deshalb werden hier ab sofort mehr als 70 Hektar der Siemensstadt als vielfältiger neuer urbaner Raum geöffnet und entwickelt. Städtebaulich noch getrennt gedachte Sphären werden in einem Zukunftsort zusammenführt. Dafür planen und bauen Sie 2700 Wohneinheiten, Parks, eine neue Grundschule, zwei neue Kitas, dazu weitere soziale und kulturelle Einrichtungen. Sogar die seit 1980 stillgelegte Siemens-S-Bahn wird auf ihrer früheren Trasse wieder rollen.

Forschung, Industrie und Gewerbe, Start-ups und eingeführte Unternehmen, Wissenschaft, Aus- und Weiterbildung, Begegnung und Lebenswelt, Wohnen und moderne Mobilität, Nachbarschaft und Heimat – alle diese Aspekte soll die neue Siemensstadt zusammenführen, und zwar digital, nachhaltig und energieeffizient.

Wie gesagt, die Siemensstadt ist einzigartig ‑ schon deshalb wird auch die neue Siemensstadt, Siemensstadt Square, ein Unikat sein ‑, und trotzdem weist dieses Beispiel ehrgeizigen Stadtumbaus weit hinaus über die Siemensstadt selbst und auch weit hinaus über Berlin. Es zeigt: Wir in Deutschland haben uns aufs Neue auf den Weg gemacht! Deutschland ist Industrieland, und Deutschland bleibt Industrieland - kaum irgendwo wird das so klar wie gerade hier an diesem Ort.

Aber das heißt eben nicht, dass wir stehenbleiben, und auch das wird kaum irgendwo so klar wie gerade hier in der Siemensstadt. Wir können stolz darauf sein, dass in Deutschland die Industrie weiterhin mehr als 20 Prozent zu unserer Wertschöpfung und unserem Wohlstand beiträgt, mehr als in vielen anderen Ländern Europas. Dabei geht es nicht nur um bestimmte Branchen der Industrie. Vielmehr liegt unsere Stärke gerade in unserer industriellen Breite über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

Siemens ist dabei nicht nur ein traditioneller Eckpfeiler, sondern auch heute wieder ein echter Motor des Fortschritts. Das ist gut; denn Deutschland muss sein Geschäftsmodell immer wieder neu erfinden, um global wettbewerbsfähig zu sein, und zwar auch mit disruptiven Innovationen, mit neuen Produkten und marktgerechten Dienstleistungen.

Industrie heißt längst schon Vernetzung und Digitalisierung. Neue Wertschöpfung entsteht heute dort, wo es gelingt, die Stärken des verarbeitenden Gewerbes geschickt mit der digitalen Ökonomie zu verbinden – in Netzwerken, neuen Verfahren und Produktionsinnovationen. Auch hier haben Sie bei Siemens Ihre Kompetenzen, mit denen Sie die Siemensstadt zum Zukunftsort entwickeln wollen.

Ich will es ausdrücklich sagen: Die Bundesregierung hat das allergrößte Interesse daran, dass der Umbau unserer Industrie unter den Bedingungen der Digitalisierung gelingt. Aktuell sehen wir, wie sich die konjunkturelle Lage nach zwei schwierigen Jahren ‑ geprägt von externen Krisen und einer schwachen Weltkonjunktur ‑ wieder aufhellt. Aber das reicht noch nicht. Wir müssen ran an verkrustete Strukturen! Wir müssen Tempo machen! Wir müssen gute Bedingungen schaffen für Investitionen!

Deshalb setze ich mich weiterhin mit allem Nachdruck dafür ein, dass wir Planungs- und Genehmigungsverfahren in unserem Land deutlich beschleunigen, dass bei uns in Deutschland Energie nachhaltig, bezahlbar und sicher verfügbar ist, dass wir immer die Fach- und Arbeitskräfte haben werden, die unsere Wirtschaft benötigt, und dass wir weit offen sind für neue Technologien und Innovationen hier an unserem Standort. Den gesetzlichen Rahmen für mehr Innovation entwickeln wir weiter, etwa mit einem Gesetz zur Nutzung von Gesundheitsdaten, mit einem Mobilitätsdatengesetz, auch mit Initiativen zu künstlicher Intelligenz, zu Quantencomputing und Robotik.

Welche neuen Möglichkeiten sich daraus ergeben, das werden wir sicher gerade hier in der neuen Siemensstadt erleben. So soll etwa für Ausbildung, Studium und Schule ein Metaverse virtuelle Simulationen und interaktive Lernmaterialien bereitstellen. Die Lernenden werden so weltweit mit Expertinnen und Experten zusammenarbeiten können, und das Lernen soll effektiver, sicherer und praxisnäher gestaltet werden. Siemens verknüpft damit erstmals in umfassender Weise seine Expertise in der Digitalisierung von Lebenswelten mit der Quartiersgestaltung.

Im gesamten Dreieck von Potsdam bis Berlin-Buch und Adlershof wollen Sie die Stärken Berlins in Ihr Projekt integrieren, seine renommierte Start-up-Szene und seine großen Zentren von Forschung und Wissenschaft. Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle sollen sich hier mit den traditionellen Feldern von Industrie und Gewerbe verzahnen und befruchten.

Auch das ist bemerkenswert: Die neue Siemensstadt wird von Anfang an als CO2-neutraler Stadtteil geplant, und alle Bewohner der Zukunftsstadt sollen mit einem digitalen Tool ihren CO2-Fußabdruck ermitteln und damit bewusste Entscheidungen zur Verringerung der eigenen Umweltauswirkungen treffen können. Das wird dieses Quartier nicht nur besonders lebenswert machen. Die neue Siemensstadt wird so auch ein Schaufenster in die Stadt der Zukunft und zum Beweis dafür, dass man auch zu überschaubaren Kosten nachhaltig und klimafreundlich bauen kann.

Für den Städtebau in Deutschland ist das ein großes Thema; denn wir wollen ja die lebenswerten Innenstädte erhalten und schaffen und dabei natürlich auch das historische Erbe unseres Gebäudebestands sichern. Nachhaltiges und klimafreundliches Bauen zu tragbaren Kosten, das ist möglich, aber das erfordert Umdenken - bei den Verfahren und den Materialien, oder wenn es um serielles Bauen geht.

Deshalb ist es gut, dass Siemens hier seine Kompetenz einbringt und Energieeffizienz großschreibt. Gespannt sein dürfen wir dabei auf den bislang größten Abwasserwärmetauscher in Europa ‑ darüber wurde schon geredet ‑, der dafür sorgen wird, dass die Nutzerinnen und Nutzer der neuen Siemensstadt CO2-neutral leben, arbeiten und lernen werden. Bereits im Jahr 2027 wird die Energiezentrale das Areal mit seinen 250 000 Quadratmetern denkmalgeschütztem Bestand sowie das Neubaumodul klimaneutral gestalten.

Das Projekt Siemensstadt Square beweist: Eine gute neue Zeit ist möglich! Für mich gehört dazu ausdrücklich das Ziel, dass hier fast ein Drittel des Wohnraums sozialer Wohnraum werden soll. Moderne, hochwertige Wohnungen, für alle Bürgerinnen und Bürger bezahlbar – das war auch eine Grundidee der großen Architekten in der Ära des Neuen Bauens. Es ist gut, dass auch daran gerade hier in der Siemensstadt wieder angeknüpft wird; denn ich will in Deutschland keine Verhältnisse wie in manchen anderen Ländern, wo sich die Polizistin, der Facharbeiter, die Krankenschwester, der Angestellte in den großen Städten keine Wohnung mehr leisten kann. Diesen Trend ‑ auch hier bei uns ‑ müssen wir umkehren. Auch deshalb investiert die Bundesregierung auf Rekordniveau in den sozialen Wohnungsbau und hat die Mittel für zinsvergünstigtes Bauen aufgestockt. So stützen wir zugleich die Baukonjunktur in schwierigen Zeiten.

Jetzt geht es los. Diese Grundsteinlegung macht Mut; denn sie zeigt, was wir in Deutschland schon heute schaffen können – in der Stadtplanung und beim Bau von modernen Quartieren. Die Siemensstadt bleibt auch in Zukunft, was sie seit 125 Jahren ist – ein Ort des Aufbruchs, ein Ort der Zukunft und der Zuversicht. Dem gesamten Projekt, dem Unternehmen und allen Beteiligten wünsche ich jeden erdenklichen Erfolg. Schönen Dank!