Schutz vor hormonell schädigenden Stoffen

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Vom Kabinett beschlossen Schutz vor hormonell schädigenden Stoffen

Weichmacher, wie Bisphenole und Phtalate, kommen in vielen Gegenständen aus Kunststoff vor. Sind Mensch und Tier diesen Stoffen allerdings übermäßig ausgesetzt, bestehen gesundheitliche Gefahren. Das Kabinett hat deswegen einen Fünf-Punkte-Plan zum weiteren Schutz vor hormonell schädigenden Stoffen beschlossen.

3 Min. Lesedauer

In vielen Alltagsgegenständen aus Kunststoffen kommen Weichmacher vor: in Plastikbehältern, Folien, Schläuchen, Kassenbons, Tapeten. Weichmacher, wie Bisphenole oder auch Phtalate, erfüllen darin eine wichtige Funktion: sie sorgen dafür, dass der Kunststoff elastisch und bruchfest ist. Zugleich können solche Weichmacher die Gesundheit von Menschen und Tieren und die Umwelt beeinträchtigen.

Deswegen will die Bundesregierung den Schutz vor diesen Stoffen erweitern. Dafür hat sie einen Fünf-Punkte-Plan beschlossen, wonach sie vor allem besser aufklären, die Nutzung weiter einschränken und die Forschung nach Alternativen ausbauen will.

Der Plan sieht dafür folgende fünf Punkte vor:
1.    die Regulierung von hormonell schädigenden Stoffen weiter ausbauen,
2.    die Bevölkerung besser über die Risiken und die bereits getroffenen Vorkehrungen informieren,
3.    gemeinsames Handeln fördern, den Vollzug stärken,
4.    den Wissensstand im Bereich der hormonell schädigenden Stoffe weiterentwickeln und
5.    die internationale Zusammenarbeit stärken.

Was sind hormonell schädigende Stoffe?
Hormonell schädigende Stoffe oder Mischungen, auch endokrine Disruptoren genannt, sind körperfremde Stoffe. Sie sind in der Lage, eine oder mehrere Funktionen des Hormonsystems negativ zu beeinflussen. Ist ein Mensch oder auch ein Tier einem solchen Stoff ausgesetzt, kann das die Gesundheit beeinträchtigen. Ebenso können sich solche Stoffe negativ auf die Umwelt auswirken. 
Eine Besonderheit bilden Hormone enthaltene Arzneimittel: Als Bestandteile von Medikamenten haben Hormone bestimmungsgemäß und notwendigerweise einen Einfluss auf das Hormonsystem des Menschen oder auch des Tieres. Hier erscheint eine unbeabsichtigte Aufnahme über eine intakte Umwelt eher unwahrscheinlich. Hormonelle Arzneimittelwirkstoffe werden allerdings etwa über die Abläufe von Kläranlagen in Oberflächengewässer eingetragen, wo sie in Spuren nachgewiesen werden können.

Aufklärung, Limitierung, Forschung

Weichmacher, wie bestimmte Bisphenole und Phtalate, sind aus diesen Gründen in der Vergangenheit in ihrer Anwendung bereits eingeschränkt worden. Teilweise konnten sie durch erlaubte Substanzen ersetzt werden. Teilweise wurden ganz neue Kunststoffe erfunden, die ohne Weichmacher auskommen, wie etwa bei Campinggeschirr aus Bambusfasern. Für bestimmte Anwendungen hat man jedoch noch keinen adäquaten Ersatz finden können, weswegen sie noch erlaubt sind, wie bei speziellen Dichtungen. Nicht zuletzt deswegen gehören diese Stoffe zu den wichtigsten und meistproduzierten Chemikalien in der Welt.

Bereits existierende Regelungen zum Schutz vor hormonell schädigenden Stoffen liegen in erster Linie in der EU harmonisiert vor. Dazu existieren EU-Verordnungen, die in jedem Mitgliedstaat unmittelbar gelten. Zugleich setzt sich die Bundesregierung für eine weitere Verbesserung dieser EU-Regelungen ein, um den Schutz weiter zu erhöhen.

Durch eine bessere Information von Nutzern und Nutzerinnen können sie sich beispielsweise über ihr Kaufverhalten teilweise selbst schützen. Indem außerdem die Industrie angehalten wird, gesundheitlich schädliche Stoffe zu vermeiden, gegebenenfalls weiter zu ersetzen, sollen die auf dem Markt erhältlichen Gegenstände sukzessive schadstoffärmer werden. Da die Forschung hierbei eine bedeutende Rolle spielt, soll ihre Förderung gezielt ausgebaut werden.

Wie sehr können die Stoffe die Gesundheit beeinträchtigen?
Wenn körpereigene Regelkreisläufe gestört werden, können hormonell schädigende Stoffe in Organismen aufgrund ihrer Wirkweisen gravierende, langfristig negative Effekte hervorrufen. Sie können potentiell krebserregend, grundsätzlich auf die Entwicklung störend oder gar schädlich auf die Fortpflanzungsfähigkeit wirken. Irreversible Schäden in der Entwicklung von Organismen oder auch die Gefährdung ganzer Populationen sind möglich, zum Beispiel, wenn bei Wildtieren durch hormonell schädigende Stoffe Geschlechterverhältnisse deutlich verschoben werden.