EuroPeers

Herr Weniger packt an

Sie sind echte Freunde Europas: Bei den EuroPeers berichten ehemalige Studenten und Auszubildende von ihren Erfahrungen in Europa. Sie suchen das Gespräch, werben so für den europäischen Gedanken. Einer von ihnen ist Tony Weniger. 

Tony Weniger

Tony Weniger vor einem Infostand der EuroPeers.

Foto: Tony Weniger

Auf dem Dachboden hatten sie noch sein Schubfach gefunden, die Kiste, die er als Kind fast täglich in den Händen hatte. Sein Name stand noch dran: Tony. Das war nun fast 30 Jahre her. Jetzt stand er hier und alles, was damals sein Leben bestimmt hatte, kam ihm klein vor. Nun war er als Erwachsener zurückgekommen: Beim Europafest der Kinder-und Jugendfarm Hoyerswerda berichtete er über sein Leben als junger Europäer, und seine große Leidenschaft: die EuroPeers.

Stark durch Europa

"Eigentlich komme ich ja mehr so aus der benachteiligten Ecke", berichtet der 31-jährige. "Ich hatte eine Lese-Rechtschreibschwäche, auch Mathe fiel mir schwer. Erst Europa hat mir gezeigt, dass mehr in mir steckt, durch die Programme, die ich miterleben durfte."

Damals, als Tony noch ein kleiner sorbischer Junge war, im Sandkasten spielte, war die Welt eine andere gewesen. Auch konnte er damals kaum ahnen, dass er einmal zu einem Herzenseuropäer heranwachsen würde, einem überzeugenden, eloquenten Streiter für die europäische Sache.

Mittlerweile hat sich Weniger in Dutzenden Projekten für Europa engagiert. Sein Einsatz hat ihm unter anderem - stellvertretend für die Berliner EuroPeers - einen Blauen Bären eingebracht. Diesen Preis verleihen das Land Berlin und die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. Die Auszeichnung soll ein Zeichen für die europäischen Grundwerte setzen.

Europa für alle

"Ich will ein Europa für alle. Darum mache ich mit bei den EuroPeers. Wir gehen in Schulen, Clubs oder Fußgängerzonen, erzählen anderen jungen Leuten von unseren Erfahrungen mit Europa. Oder wir gestalten selbst was", berichtet Weniger. " Neulich haben wir eine große Europakarte gebastelt und jeder durfte mitmachen."

Als Kind habe er sich kaum etwas zugetraut. Anders dann als junger Erwachsener. Mit Anfang 20 nahm er begeistert an einem Filmprojekt teil, Inhalt eines deutsch-französischen Jugendaustauschs in Würzburg. Weitere europäische Initiativen sollten folgen.

Eigene Entdeckungsreisen

Tony Weniger entdeckte Europa auch auf eigene Faust. Er fuhr zum Arbeiten nach Polen. Nach einem Besuch in Estland entwickelte sich später eine Brieffreundschaft. Weniger wollte das schöne Land im Baltikum wiedersehen. Der Europäische Freiwilligendienst machte es ihm leichter, für einige Zeit wiederzukommen. Vor Ort lebte er als Handwerker und Helfer in einem alten Herrenhaus.

Neben seiner Arbeit verfasste Weniger Tafeln und Informationen für ein astronomisches Projekt. Wichtig war für ihn während seines Aufenthalts in Estland auch, in seiner Gastfamilie die Landessprache zu lernen.

Tony Weniger: "Es sollen alle etwas von Europa haben. Europa ist ja nicht nur Krise. Es hat auch viel geleistet. Das muss man den Leuten manchmal bewusst machen, was alles erreicht worden ist, dass wir jetzt so leben können, wie wir leben."

Im Gespräch entsteht Neugierde auf Europa

Nach erfolgreicher Ausbildung ist Tony Weniger heute gartentherapeutischer Sozialassistent. "Mein Spezialgebiet ist die Jugendarbeit. Ich baue zum Beispiel Sinnesgärten für Kinder und Jugendliche, gebe mit Erlebnispädagogik auch was weiter. Gärtnern für Jugendliche, Gewächshäuser bauen oder ein Floß, das ist cool."

Beim Hämmern, Hacken und Werkeln kommt man auch ins Gespräch. "Wenn ich Leute auf Europa anspreche, kommt bei vielen erstmal ein Fragezeichen. Klar gibt es da auch Konfliktlinien. Aber eben auch Neugier." Die meisten seien jedenfalls diskussionsbereit. Und das sei schon eine ganze Menge, freut sich der überzeugte Europäer Weniger.

Engagement für Europa: die EuroPeers: Möchten Sie Tony Weniger und die anderen EuroPeers kennenlernen? EuroPeers sind junge Leute, Studierende und auch Auszubildende, die mit dem EU-Jugendprogramm Erasmus+ und Jugend in Aktion aktiv waren und ihre Erfahrungen an andere weitergeben. Auf Einladung gehen sie in Schulen, Jugendclubs oder Fußgängerzonen, informieren über Jugendprogramme und gestalten Workshops, Schulstunden oder Ausstellungen zum Thema Europa. Wer mitmachen möchte, kann sich ausbilden lassen: Neue Schulungen zum EuroPeer finden statt vom 2. bis 7. März 2018 in Virrat, Finnland und vom 23. bis 27. Mai 2018 in Bonn.

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